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E-Scooter in München: Es läuft nicht rund

E-Scooter gehören inzwischen zum Stadtbild, sie werden immer häufiger genutzt. Doch gerade in der Innenstadt sind falsch geparkte Roller ein Ärgernis. Die Anbieter suchen nach Lösungen.
| Conie Morarescu
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Wo mit E-Scootern herumgedüst wird, werden sie logischerweise auch wieder ,na ja, abgestellt kann man nicht sagen.
my 6 Wo mit E-Scootern herumgedüst wird, werden sie logischerweise auch wieder ,na ja, abgestellt kann man nicht sagen.
Auch das ist ein Problem: Scooter, die einfach in die Isar geworfen werden. Sie müssen dann von der Feuerwehr geborgen werden.
imago/Stefan M Prager 6 Auch das ist ein Problem: Scooter, die einfach in die Isar geworfen werden. Sie müssen dann von der Feuerwehr geborgen werden.
E-Scooter-Fahrer in der Münchner Altstadt.
imago/Sven Simon 6 E-Scooter-Fahrer in der Münchner Altstadt.
Bei einem Fahrsicherheitstraining im Frühherbst am Klinikum rechts der Isar sollten Fahrer geschult werden.
Voi 6 Bei einem Fahrsicherheitstraining im Frühherbst am Klinikum rechts der Isar sollten Fahrer geschult werden.
Etliche E-Scooter an der Maximilianstraße.
my 6 Etliche E-Scooter an der Maximilianstraße.
Ist das die Lösung? Die Betreiber haben sich mit der Stadt auf Abstellflächen für E-Scooter geeinigt.
dpa 6 Ist das die Lösung? Die Betreiber haben sich mit der Stadt auf Abstellflächen für E-Scooter geeinigt.

München - Für die einen ein unerwünschter Trend, für andere ein praktisches Fortbewegungsmittel: So umstritten die E-Scooter sind, sie werden immer beliebter.

E-Scooter-Boom: Sechs Anbieter gibt es in München

Im vergangenen Mai waren insgesamt 9.600 E-Scooter im Stadtgebiet unterwegs, neuere Zahlen gibt es nicht. Sechs Anbieter vermieten derzeit in München die elektrobetriebenen Tretroller.

Einer dieser Anbieter, das schwedische Unternehmen Voi, berichtet von einem enormen Zuwachs in ganz Deutschland, auch in München. Verglichen zu 2019 stieg das durchschnittliche Fahrtenvolumen nach Angaben des Unternehmens im Jahr 2020 um 100 Prozent an, im Jahr 2021 sogar um 400 Prozent.

Die Nachfrage boomt - mit all den negativen Folgen und logistischen Herausforderungen, die das mit sich bringt: Fahrten unter Alkoholeinfluss, Unfälle, falsches Parken. Letzteres ist vielen E-Scooter-Gegnern ein besonderer Dorn im Auge. Einige Nutzer lassen die Roller achtlos irgendwo stehen, blockieren damit Geh- und Fahrradwege oder lassen sie in Parkverbotszonen stehen oder liegen. Die kreuz und quer abgestellten E-Scooter gehören mittlerweile fast schon zum Stadtbild.

Wer falsch parkt, dem drohen keine Konsequenzen

Für die Anbieter ist das ein Problem, das sich nicht ignorieren lässt. "Nachdem die Nachfrage so schnell gestiegen ist, mussten wir erst einmal neue Kapazitäten schaffen. Das hat etwas gedauert", räumt Caspar Spinnen von Voi ein.

Den Überblick zu wahren, kann da schon mal schwierig werden. Die Akkus müssen regelmäßig ausgetauscht werden. Geschieht dies zu spät, kann der Scooter nicht mehr geortet werden.

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"Unsere Teams sind ständig unterwegs, nicht nur, um die Akkus auszutauschen, sondern auch, um die Fahrzeuge umzuverteilen", schildert Spinnen die Abläufe. Sogenannte Ranger rückten aus, sobald Passanten falsch geparkte E-Scooter bei Voi melden - dies ist per E-Mail, über Social Media oder auch eine speziell eingerichtete Hotline möglich.

Im Jahr 2019 hat das Mobilitätsreferat eine freiwillige Selbstverpflichtungserklärung für die Vermieter ausgearbeitet. Zwar gelte die Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung, doch gebe es dort keine gesonderten Regelungsmöglichkeiten zum Beispiel für das Abstellen von E-Scootern, begründet das Mobilitätsreferat sein Vorgehen.

Kennt jeder E-Scooter-Fahrer die Straßenverkehrsordnung?

Alle Anbieter haben diese Erklärung unterschrieben. Sie haben sich damit freiwillig dazu verpflichtet, zur Sicherheit und zu einem geordneten Stadtbild beizutragen. So setzten sie sich zum Ziel, falsch abgestellte E-Scooter innerhalb von 24 Stunden umzuparken. Es wird zum Beispiel auch geregelt, wie viele Fahrzeuge pro Anbieter in einem bestimmten Umkreis aufgestellt werden dürfen.

Ein weiterer wichtiger Punkt der Erklärung ist die Aufklärungsarbeit. Die Nutzer der E-Scooter sollen über die Verkehrsregeln informiert werden. Da geht es natürlich nicht nur ums Abstellen, sondern auch ums Fahren. Laut Gesetz darf man mit E-Scootern ab 14 Jahren fahren, ein Führerschein wird nicht benötigt. Es liegt also nahe, dass nicht jeder E-Scooter-Fahrer die Straßenverkehrsordnung kennt.

Vereinfacht gilt: Dort, wo Fahrradfahrer unterwegs sind, darf man auch mit dem E-Scooter fahren. Dasselbe gilt für das Abstellen. Gehwege sind zwar in der Regel erlaubt, aber nur, wenn der abgestellte Tretroller keinen Verkehrsteilnehmer behindert.

E-Scooter-Vermietung in München: Wie zuverlässig ist die Ortung?

Das Unternehmen Tier, Kooperationspartner der MVG, hat sich eine Lösung mit Hilfe der eigenen App ausgedacht. Bei der Anmeldung müssen die Nutzer sich erst einmal Erklärbilder anschauen. Die kann man nicht überspringen. Wenn der Scooter dann wieder abgegeben wird, erscheinen wieder Erklärbilder zum Thema Parken. Florian Anders von Tier berichtet, dass seit dieser Maßnahme die Beschwerden tendenziell abgenommen hätten.

Es wird auch an technischen Lösungen gearbeitet, um in Echtzeit zu prüfen, ob die Scooter richtig abgestellt wurden. Über GPS ist es schwierig, die Fahrzeuge metergenau zu orten, wie Caspar Spinnen von Voi erklärt. Besonders, wenn es um kleine Flächen geht, die eingegrenzt werden sollen. Man arbeite an einer Lösung.

Derweil würden die Nutzerinnen und Nutzer gebeten, ein Foto vom geparkten Scooter zu machen. Perspektivisch kämen auch Mietvergünstigungen bei richtigem Parken in Frage. Doch dafür muss wohl erst einmal eine zuverlässige Ortung umgesetzt werden.

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Bei Tier arbeitet man derzeit mit dem Unternehmen Fantasmo zusammen, um ein "Camera Positioning System" einzusetzen, wie Florian Anders erklärt. Damit könne man auf 20 Zentimeter genau, oder sogar noch genauer, bestimmen, wo der E-Scooter steht. Wann diese Technologie zum Einsatz komme, sei aber unklar.

Der Anbieter Bolt verhindert die Rückgabe, wenn die E-Scooter in Nicht-Park-Zonen oder zum Beispiel in Parks oder in der Nähe von Gewässern geparkt werden. E-Scooter, die umgekippt sind oder in diesen Bereichen abgestellt wurden, senden ein Signal ab, das an das Einsatzteam übermittelt wird.

Aber nicht allein die Anbieter sind in der Pflicht. Die fast 10.000 Roller im Stadtgebiet erzeugen auch einen erheblich höheren Stellplatzbedarf. Irgendwo müssen die E-Scooter ja schließlich geparkt werden.

E-Scooter falsch geparkt: Werden die Verstöße konsequent geahndet?

Ein Thema, das generell auch Fahrräder und Lastenfahrräder betrifft. Und das den Bezirksausschuss Schwanthalerhöhe schon seit vielen Jahren umtreibt. Severin Beilner ist Mobilitätsbeauftragter des BA. Dort versuche man kontinuierlich, durch Umwidmung von Pkw-Parkplätzen Stellplätze für Fahrräder und Lastenfahrräder zu schaffen.

Auch speziell für E-Scooter ausgezeichnete Stellplätze wurden bereitgestellt. Das Mobilitätsreferat arbeitet zu diesem Zweck mit den Anbietern und mit den Bezirksausschüssen zusammen um zu ermitteln, welche Orte besonders frequentiert sind. "Leider hindert das die Nutzerinnen und Nutzer mitunter nicht daran, die E-Scooter in verkehrsbehindernden und teilweise auch gefährlichen Bereichen aufzustellen", bedauert Beilner. Verstöße würden nicht konsequent geahndet.

Dafür, dass die Nutzung derart angestiegen ist, gibt es tatsächlich relativ wenige Unfälle. Im Jahr 2020 haben sich insgesamt 98 E-Scooter-Unfälle in München ereignet. Wie viele Unfälle im Zusammenhang mit falsch abgestellten Scootern stehen, kann die Polizei allerdings nicht angeben, da diese nicht gesondert erfasst werden.

E-Scooter: Ein Fünftel der Unfälle geschieht unter Alkoholeinfluss

Bei etwas mehr als einem Fünftel der Unfälle waren die E-Scooter-Fahrer alkoholisiert. Ein großer Teil der Unfälle sei außerdem auf mangelndes Verkehrswissen zurückzuführen, das hat zumindest eine Studie des Klinikums rechts der Isar der TU ergeben.

Laut dieser Studie ist der Alkoholkonsum sogar bei einem Drittel der E-Scooter-Unfälle ausschlaggebend. Zusammen mit dem Anbieter Voi hat das Klinikum kürzlich ein kostenloses Fahrsicherheitstraining angeboten, das gleichzeitig der Forschung dient.

Voi hat sich zum Thema Alkohol etwas Pfiffiges einfallen lassen: In den Abendstunden am Wochenende müssen die Nutzer erst einmal einen Reaktionstest machen, bevor sie auf den Roller steigen dürfen. Zumindest stark Angetrunkene dürfte das davon abhalten, mit dem E-Scooter die Stadt unsicher zu machen.

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