Dufte Wiesnzelte – durch Bakterienteppiche

Es ist ein Experiment, das Aufsehen erregt: Unter einigen Festzelten werden heuer erstmals Kolonien ausgesät. Sie sollen schlechte Gerüche absorbieren und für frische Luft sorgen
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Es ist ein Experiment, das Aufsehen erregt: Unter einigen Festzelten werden heuer erstmals Kolonien ausgesät. Sie sollen schlechte Gerüche absorbieren und für frische Luft sorgen

MÜNCHEN Es klingt so einfach wie absurd: Unter den Wiesnzelten lagert ein riesiger Bakterienteppich. Dieser ist für die Besucher aber keine Gefahr, sondern eine Wohltat. Die Erfindung des Münchner Unternehmers Hubert Hackl soll schlechte Gerüche absorbieren.

Zum ersten Mal testen heuer ein paar der Wirte den Bakterienfilm. Während des Aufbaus wurden die Kolonien ausgesät. „Durch das Rauchverbot ist mit einer vermehrten Belastung durch andere Gerüche außer Tabakgeruch und Nikotin zu rechnen“, teilt die Firma Hackl mit. Anders ausgedrückt: Der Rauch übertüncht den Geruch von Bier, Schweiß, Fett, Spülwasser oder Holzfäule nicht mehr. Diese stinkenden Pilze können sich zudem besser vermehren, weil das für sie giftige Nikotin durch das Rauchverbot wegfällt. Hackls Bakterien sind ein Gegenmittel, das diese Pilze tötet – und somit Gerüchte absorbiert.

Viele Wirte zeigen sich noch skeptisch – einige wagen das Experiment. So die Familie Heide von der Bräurosl. „Wir testen das heuer erstmals“, bestätigte Wirtin Renate Heide. Die Familie Steinberg legt im Hofbräuzelt die Bakterien seit einigen Jahren aus, besonders an den Schänken. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht. Damit beugen wir Geruch und Fäulnis vor“, sagt Günter Steinberg.

Die ersten Kolonien sind angesiedelt. Gewonnen hat Hackl die Bakterien aus Bio-Kompost. Pro Quadratmeter Holzboden sprüht er bis zu 200 Milliliter hochkonzentriertes Bakterien-Serum am Tag aus. Für die Wiesnbesucher sollen sie vollkommen harmlos sein – und natürlich geruchslos.

Das Rauchverbot bewegt viele Wirte, Neuheiten auszuprobieren oder einzuführen. Zelte wie der Schottenhamel oder das Winzerer Fähndl setzen so heuer vor allem auf eine gute Durchlüftung. Diese soll durch die aufklappbaren Oberlichter in den Zelten gewährleistet sein.

Anne Kathrin Koophamel

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