Drei Jahre NSU-Prozess: Die wichtigsten Verhandlungstage

Oft ist es eine zähe Suche nach der Wahrheit im Münchner NSU-Prozess. Einige der bald 300 Verhandlungstage werden länger in Erinnerung bleiben.
| dpa
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München - Drei Jahre dauert der NSU-Prozess vor dem Oberlandesgericht München bereits an. Das bedeutet 300 Verhandlungstage, von denen einige besonders spektakulär waren.

6. Mai 2013: Nach heftigem Streit um die Vergabe der Presseplätze beginnt vor dem Münchner Oberlandesgericht der Prozess gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe und die Mitangeklagten Ralf Wohlleben, André E., Holger G. und Carsten S. - unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen und begleitet von weltweitem Medieninteresse.

14. Mai 2013: Nach viel juristischem Hickhack verliest Bundesanwalt Herbert Diemer die Anklage.

4. Juni 2013: Carsten S. beginnt seine Aussage. Er räumt ein, eine Waffe für den "Nationalsozialistischen Untergrund" besorgt zu haben.

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6. Juni 2013: Der Angeklagte Holger G. sagt aus, trägt aber nur eine vorbereitete Erklärung vor. Er räumt ein, dem NSU geholfen zu haben.

1. Oktober 2013: Der Vater eines Mordopfers, Ismail Yozgat, tritt als Zeuge auf: Er wirft sich im Gerichtssaal auf den Boden, um zu beschreiben, in welcher Position er seinen sterbenden Sohn gefunden hat. Am Tag darauf appelliert die Mutter des Opfers direkt an Zschäpe, zur Aufklärung beizutragen.

Vater von Mundlos beschimpft Richter

18. Dezember 2013: Siegfried Mundlos, Vater des mutmaßlichen NSU-Terroristen Uwe Mundlos, zofft sich mit dem Vorsitzenden Richter Manfred Götzl, fährt diesen an: "Sie sind ein kleiner Klugsch..."

16. Januar 2014: Der Polizist Martin A., der beinahe das elfte Todesopfer des NSU geworden wäre, sagt als Zeuge aus. Seine Kollegin Kiesewetter starb damals, er selbst überlebte wie durch ein Wunder.

4. Juni 2014: Zeugen-Auftritt einer Frau, die einen Sprengstoffanschlag des NSU beinahe mit ihrem Leben bezahlte. Ob sie damals erwogen habe, das Land zu verlassen, wird die Deutsch-Iranerin gefragt. Nein, sie habe gedacht: "Jetzt erst recht. Ich werde mein Leben fortführen, ich werde darum kämpfen." Da brandet Applaus auf.

16. Juli 2014: Paukenschlag: Beate Zschäpe gibt an, sie habe kein Vertrauen mehr in ihre drei Pflichtverteidiger. Doch wenige Tage später schmettert das Gericht ihren Antrag auf neue Anwälte ab. In den folgenden Monaten scheitert Zschäpe wiederholt mit Versuchen, ihre drei ursprünglichen Verteidiger loszuwerden.

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20. Januar 2015: Auf diesen Tag haben viele lange gewartet: Erstmals kommen im NSU-Prozess Opfer des Kölner Nagelbombenanschlags von 2004 zu Wort. 6. Juli 2015: Das Gericht ordnet Zschäpe den Münchner Anwalt Mathias Grasel als vierten Pflichtverteidiger bei.

24. Juli 2015: Der Streit zwischen Zschäpe und ihren drei alten Pflichtverteidigern eskaliert. Sie zeigt diese wegen Verletzung der Verschwiegenheitspflicht an. Doch die Staatsanwaltschaft lehnt die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens "mangels Straftat" ab. 24. November 2015: Das Gericht lehnt einen erneuten Antrag von Zschäpes Alt-Verteidigern ab, von ihren Mandaten entbunden zu werden. Sie waren bereits im Juli mit einem solchen Ansinnen gescheitert.

Zschäpe bricht ihr Schweigen

9. Dezember 2015: Beate Zschäpe bricht ihr Schweigen. Am 249. Verhandlungstag lässt sie ihren Anwalt Grasel eine Aussage verlesen. Die zentralen Punkte: Sie räumt ein, von den Banküberfällen ihrer Freunde Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt gewusst zu haben. Sie gesteht, die letzte Fluchtwohnung des Trios in Zwickau in Brand gesteckt zu haben. Aber von den Morden und Anschlägen will sie immer erst im Nachhinein erfahren haben.

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16. Dezember 2015: Auch Ralf Wohlleben bricht sein Schweigen. Er bestreitet, die Mordwaffe für den NSU beschafft zu haben. Stattdessen beschuldigt er vor allem Carsten S., einen seiner Mitangeklagten - der in der Folge aber bei seiner Wohlleben belastenden Darstellung bleibt.

21. Januar 2016: Zschäpe antwortet erstmals auf Nachfragen des Gerichts - aber nur schriftlich: Ihr fünfter Anwalt Hermann Borchert verliest die vorgefertigten Antworten. Dieses aufwändige Hin und Her geht in den folgenden Monaten weiter.

28. April 2016: Wieder einmal gibt es einen Antrag auf Aussetzung des Prozesses - diesmal gestellt von Zschäpes Wahlverteidiger Borchert. In den Monaten zuvor waren Zschäpe und Wohlleben mit sämtlichen derartigen Anträgen gescheitert. Sie verzögern damit den Prozess - stoppen können sie ihn nicht.

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