Dramatisches Baumsterben: Stirbt die Kastanie in München aus?

In Europa gibt es immer weniger Kastanien, auch in München wird die Zahl der charakteristischen Bäume immer niedriger. In Mittersendling wird nun sogar ein ganzer Platz wegen Pilzbefall leer geräumt.
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Die Kastanie wird auch in München immer seltener.
dpa Die Kastanie wird auch in München immer seltener.

München - Vermutlich kein Baum steht so sehr für das bayerische Lebensgefühl wie die Kastanie. Man denke nur an die ganzen Biergärten. Würden da Buchen oder Eichen ihr schützendes Laubdach über die Tische halten: Die kühle Maß würde wahrscheinlich nur halb so gut schmecken.

Nur leider: Der Kastanie geht es nicht mehr richtig gut. In ganz Mitteleuropa ist seit Jahren ein dramatisches Baumsterben zu beobachten. Die Miniermotte hat es hier als Schädling zu einer gewissen Berühmtheit gebracht. Deren gefräßige Larven schwächen den Baum. Erst verfärben sich die Blätter braun, dann geht es mit dem ganzen Baum zu Ende.

Noch schlimmer als die Motte ist allerdings ein europaweit verbreitetes Bakterium, Botanikern unter dem komplizierten Namen Pseudomonas syringae pv. aesculi bekannt. Befallene Bäume bekommen dunkle Flecken auf der Rinde. Dort bilden sich holzzersetzende Pilze, die den Baum dann quasi ausbluten lassen.

Baureferat schlägt Eichen und Vogelkirchen vor

In München hat der Kastanienkiller gerade wieder einen ganzen Platz leer gefegt: Am Eichendorffplatz in Mittersendling hat das Baureferat vor knapp zwei Wochen damit begonnen, die restlichen Kastanien zu fällen.

Bereits in den vergangenen Jahren mussten dort einzelne Bäume entfernt werden. Auch Neupflanzungen hat das gefährliche Bakterium aber gleich wieder in Beschlag genommen. Jetzt kapituliert die Stadt deshalb. Die Kastanien kommen ganz weg. Als Ersatz will das Baureferat Eichen und Vogelkirschen pflanzen - die gelten als widerstandsfähiger.

Angst, dass die Kastanie irgendwann komplett aus dem Stadtbild verschwindet, muss man dem städtischen Baureferat zufolge aber nicht haben. Der Eichendorffplatz sei ein Härtefall. Die Biergärten und Alleen - keine Sorge - würden sicher auch in Zukunft von Kastanien gesäumt sein.

Im Rathaus schaut man trotzdem bangen Blickes auf das Baumsterben. Der Klimawandel habe bestimmt auch seinen Anteil daran, dass die Kastanien so sensibel geworden seien, sagt Grünen-Stadtrat Hep Monatzeder. "Wir müssen überlegen, ob wir in 20, 30 Jahren in München noch die gleiche Vegetation haben werden wie heute", so Monatzeder.

Werden wir also irgendwann die Maß im Biergarten unter Palmen trinken? Schade wäre es um die Kastanien allemal.

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