Doppelte Münchenzulage: 270 Euro für alle?

Nicht nur rund 18.000 städtische Angestellte sollen ab Januar die doppelte Münchenzulage bekommen. Die Gewerkschaft Verdi will das Geld auch für weitere 30.000 Mitarbeiter.
| Irene Kleber
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Kay J. (34), Kontrollschaffner: "Ich finde, auch wir bei der MVG haben eine Münchenzulage verdient. Mit Schichtdienst, Sonn- und Feiertagsarbeit komme ich brutto auf 2800, netto auf 1.800 Euro in Vollzeit. Wenn ich mir die 1.020 Euro Miete nicht teilen würde, hätte ich nicht viel mehr zum Leben übrig als ein Hartz-IV-Empfänger."
Daniel von Loeper 4 Kay J. (34), Kontrollschaffner: "Ich finde, auch wir bei der MVG haben eine Münchenzulage verdient. Mit Schichtdienst, Sonn- und Feiertagsarbeit komme ich brutto auf 2800, netto auf 1.800 Euro in Vollzeit. Wenn ich mir die 1.020 Euro Miete nicht teilen würde, hätte ich nicht viel mehr zum Leben übrig als ein Hartz-IV-Empfänger."
Dirk Aßmuth (49).
Daniel von Loeper 4 Dirk Aßmuth (49).
Sonja Savic (26).
Daniel von Loeper 4 Sonja Savic (26).
Bettina Rödig (27).
Daniel von Loeper 4 Bettina Rödig (27).

München - Verkündet hatte es OB Dieter Reiter (SPD) am 1. Mai, der Stadtrat hat’s im Juni beschlossen - und schon ab 1. Januar soll es soweit sein. Dann bekommen rund 18.000 städtische Tarifbeschäftigte ihre . Und die rund 1.800 Azubis und Studenten sollen pro Monat 140 Euro Extrageld bekommen.

Verdi: Doppelte Münchenzulage für 30.000 Mitarbeiter

Die Gewerkschaft Verdi will nun kurz vor diesem Start in die Vollen gehen und diese Zulage auch für rund 30.000 weitere Münchner erstreiten: Darunter sind rund 9.000 Mitarbeiter der Stadtwerke München (SWM), die Kollegen wie Bus-, U-Bahn- und Tramfahrer bei der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG), die rund 5.500 Pfleger, Fahrer und Verwaltungsleute bei der München Klinik und rund 2.000 Beschäftigte der Münchenstift. SWM, MVG und Münchenstift bezahlen bislang gar keine Münchenzulage, die München Klinik lediglich 85 Euro.

Auch bei den Wohlfahrtsverbänden wie bei der Arbeiterwohlfahrt oder beim Roten Kreuz sei ein extra Geldsegen angebracht. "Es kann ja nicht sein, dass es für gleiche Arbeit bei gleichen Lebenshaltungskosten nicht gleichen Lohn gibt", sagt der Münchner Verdi-Chef Heinrich Birner.

Kay J. (34), Kontrollschaffner: "Ich finde, auch wir bei der MVG haben eine Münchenzulage verdient. Mit Schichtdienst, Sonn- und Feiertagsarbeit komme ich brutto auf 2800, netto auf 1.800 Euro in Vollzeit. Wenn ich mir die 1.020 Euro Miete nicht teilen würde, hätte ich nicht viel mehr zum Leben übrig als ein Hartz-IV-Empfänger."
Kay J. (34), Kontrollschaffner: "Ich finde, auch wir bei der MVG haben eine Münchenzulage verdient. Mit Schichtdienst, Sonn- und Feiertagsarbeit komme ich brutto auf 2800, netto auf 1.800 Euro in Vollzeit. Wenn ich mir die 1.020 Euro Miete nicht teilen würde, hätte ich nicht viel mehr zum Leben übrig als ein Hartz-IV-Empfänger." © Daniel von Loeper

Leit-Tarifvertrag: Verhandlungen mit dem Münchner Personalreferent

Wie zunächst der neue Leit-Tarifvertrag für die städtischen Mitarbeiter genau aussehen wird, das handeln Birner und Personalreferent Alexander Dietrich (CSU) in drei Runden ab dem 16. September im Rathaus aus.

Birner will dort noch ein paar mehr Forderungen verankern, als der Stadtrat bislang in Aussicht gestellt hat: 200 statt 140 Euro für die Azubis, beispielsweise, außerdem eine Münchenzulage, die über die Jahre an die Lebenshaltungskosten angepasst wird. Und einen Bonus von 44 Euro für Gewerkschaftsmitglieder, die ja Mitgliedsbeiträge bezahlen müssen, damit Tarifkämpfe überhaupt möglich sind.

Ob sich SWM, MVG und Co. sich auf eine Münchenzulage einlassen, ist unklar. Allein bei den Stadtwerken würde das Extrageld für die Mitarbeiter rund 20 Millionen Euro im Jahr kosten. Bei der SWM-Betriebsversammlung sei diese Woche schon das Signal gefallen, dass "so viel Geld nicht vorhanden" sei. Die Gewerkschaft stellt sich auf harte Kämpfe ein.


Die AZ-Umfrage: Wie wichtig ist die Münchenzulage?

Dirk Aßmuth (49), Altenpfleger bei der Arbeiterwohlfahrt: "Ich komme mit meinen 3.550 Euro brutto inklusive Zulagen zurecht, weil ich mir die 830 Euro Warmmiete in meiner Gewofag-Wohnung teilen kann. Aber für die jungen Nachwuchs-Pflegefachkräfte ist es wirklich bitter, die fangen mit brutto 3.100 Euro inklusive Nacht- und Wochenendzulagen an. Noch schwerer haben es Pflegehelfer, die bei der Awo mit 2.300 Euro brutto einsteigen. Das reicht ja nie und nimmer für eine Familie, da würde eine Münchenzulage schon sehr helfen."

Dirk Aßmuth (49).
Dirk Aßmuth (49). © Daniel von Loeper

Sonja Savic (26), Justizangestellte beim Landgericht München I: "Von den rund 2.700 Euro brutto, die ich in Vollzeit verdiene, bleiben – weil ich ledig und kinderlos bin – netto rund 1.800 Euro. Das reicht vorne und hinten nicht. Zieht man die 940 Euro Warmmiete ab, die ich für meine 62 Quadratmeter zahle, wird es sehr eng. Da bleibt mir nichts anderes übrig, als samstags noch einen Nebenjob als Visagistin zu machen. Geld zur Seite legen für eine Familienplanung? Geht nicht. Von Urlaub wollen wir schon gleich gar nicht reden." Fotos: Daniel von Loeper

Sonja Savic (26).
Sonja Savic (26). © Daniel von Loeper

Bettina Rödig (27), Krankenpflegerin im Schwabinger Krankenhaus: "Mit zwei bis drei Wochenend- und vier Nachtdiensten im Monat komme ich auf brutto 3.200 Euro und netto 2.100. Das geht, weil ich Glück mit meinem Dienst-Apartment habe, das nur 400 Euro warm kostet. Viel schlechter bezahlt sind aber die Kollegen im Patientenfahrdienst oder in der Küche, die bekommen nur 1.700 brutto, dabei geht im Krankenhaus gar nichts ohne die. Gäbe es auch bei der Münchenklinik eine Zulage, würden uns weniger Mitarbeiter verlassen."

Bettina Rödig (27).
Bettina Rödig (27). © Daniel von Loeper

Stadt in Zahlen : Angestellte, Beamte und Azubis

Rund 42.000 Menschen sind laut Personalreferat bei der Stadt München beschäftigt. Davon sind 11.000 städtische Beamte (die keine Münchenzulage sondern wie Staatsbeamte eine Ballungsraumzulage bekommen). 1.765 sind Azubis oder Studenten und 2.000 Beurlaubte.

Von der doppelten Münchenzulage werden ab Januar rund 18.000 Beschäftigte profitieren. Für die Azubis sind monatlich 140 Euro an Extrageld vorgesehen. Neu wird sein, dass erstmals auch 5.534 Höherverdiener (E10 bis E15; wie Sachgebietsleiter, Ingenieure, Fachärzte) eine einfache Münchenzulage erhalten werden.

Für all das muss die Stadt tief ins Stadtsäckel greifen: Bislang kostet die Münchenzulage 36,7 Millionen Euro im Jahr. Daraus werden ab Januar 73,4 Millionen.

Lesen Sie hier: Leiharbeiter verdienen drastisch weniger als Festangestellte

Lesen Sie hier: Zulage durchgewunken - München unterstützt Mitarbeiter der Stadt

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