Dieses Fertiggericht macht Wiesn-Wirte wütend

„Eine Beleidigung schlimmster Form!“ Die Meica-Spezialität namens „Wies’n Wirt“ stößt den Festwirten sauer auf. Einer will deswegen seinen Anwalt einschalten
| Laura Kaufmann
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So schaut er aus, der „Wiesn’n Wirt“: Das „Schmankerl“ der Firma Meica – vier Rostbratwürstl mit Kraut und Püree.
Petra Schramek 3 So schaut er aus, der „Wiesn’n Wirt“: Das „Schmankerl“ der Firma Meica – vier Rostbratwürstl mit Kraut und Püree.
"Mir würde so etwas nie auf den Tisch kommen", sagt Wirte-Sprecher Toni Roiderer
Mike Schmalz 3 "Mir würde so etwas nie auf den Tisch kommen", sagt Wirte-Sprecher Toni Roiderer
So soll's wieder werden: Das Kini-Denkmal (l.) stand bis 1942 auf dem großen Vorsprung der Corneliusbrücke (r.). Dann wurde es eingeschmolzen.
Petra Schramek/Repro: Katharina Alt 3 So soll's wieder werden: Das Kini-Denkmal (l.) stand bis 1942 auf dem großen Vorsprung der Corneliusbrücke (r.). Dann wurde es eingeschmolzen.

München - Meica macht das Würstchen – und schreckt vor keinem Klops zurück.

In Münchner Supermarktregalen finden sich zwei neue Produkte: Die „Wies’n Wirt Weißwurst“ (fünf Weißwürste im Glas) sowie „Wies’n Wirt – vier würzige Rostbratwürste mit Sauerkraut und Kartoffelpüree“, ein Mikrowellengericht – „fix und fertig“ mit Senf- und Kümmeltütchen auf der Unterseite. „Vom Wies’n Wirt gibt‘s typisch Bayerisches zum Schlemmen und Sattwerden: vier würzige Rostbratwürste nach Original-Rezept“, wirbt die niedersächsische Firma auf ihrer Homepage für die Produktserie.

Würde ein Wiesnwirt Essen aus der Pappschachtel servieren, er würde es womöglich um die Ohren geschlagen bekommen. Dafür kostet das Fertiggericht etwa bei Edeka auch nur 2,89 Euro, wofür man auf dem Oktoberfest vielleicht eine halbe Handvoll gebrannter Mandeln bekommt.

„Das ist eine Beleidigung schlimmster Form“, sagt Wirtesprecher Toni Roiderer. Denn wenn’s ums Essen geht, verstehen die Wirte keinen Spaß. Da bemühen sie sich um Frische, um Nachhaltigkeit, stampfen täglich tonnenweise Kartoffelpüree in den Zelten von Hand – um dann unfreiwillig mit ihrer Berufsbezeichnung für ein Fertiggericht zu werben, das sie selbst nicht anrühren, geschweige denn servieren mögen.

„Furchtbar finde ich das – in Tokio hätt’ ich sowas noch verstanden, da kennt man’s vielleicht nicht anders, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass das hier funktioniert. In München dürfte der Markt sehr klein sein“, sagt Wiggerl Hagn vom Löwenbräu-Festzelt. Er vermutet: „Selbst wenn jemand überhaupt nicht kochen kann, haut der sich doch lieber selber ein paar Würstl auf den Grill, als sowas zu kaufen.“

Weißwürste im Glas, Rostbratwürste aus der Mikrowelle – ob ein Münchner da zugreift?

„Das ist im bayerischen Raum ja fast schon eine Sünde“, meint Hagn. Roiderer: „Mir würde so etwas nie auf den Tisch kommen: Ich bin Bayer!“

Meica ist kein Bayer – das Unternehmen residiert im beschaulichen Städtchen Edewecht im norddeutschen Ammerland. Von dort aus liefert es Würstchen und andere deftige Produkte in über 30 Länder auf allen Kontinenten; die „Wies’n Wirt“-Reihe wird in ganz Deutschland angeboten. Für viele Konsumenten sicher der erste Kontakt mit Gerichten vom „Wies’n Wirt“ (und das noch mit dem verpönten Apostroph).

„Mit den ,Wies’n Wirt’-Produkten möchten wir unseren Verbrauchern einen Teil der typischen Atmosphäre eines Biergartens oder Gartenlokals, wie sie in ganz Deutschland zu finden sind, nach Hause bringen“, heißt es auf Anfrage bei Meica. „Wir bieten unter der Marke ,Wies’n Wirt’ traditionelle Gerichte an, die unsere Verbraucher teilweise sicherlich auch mit der süddeutschen Küche in Verbindung bringen können. Dies spiegelt sich in dem Markennamen ,Wies’n Wirt’ wider.“

Die echten Wiesnwirte können dafür wenig Humor aufbringen. „Wer sich so etwas ausdenkt – für mich ist das nicht normal“, sagt Wirtesprecher Roiderer. „Wahrscheinlich ist der Begriff nicht geschützt. Jetzt muss ich schauen, ob ich da unseren Anwalt einschalten kann.“

 

Der AZ-Test: So schmeckt der „Wies’n Wirt“

 

AZ-Reporter Thomas Gautier hat den Test gemacht.

"Der „Wies’n Wirt“ ist ein Gericht, das man erstmal erlegen muss. Mit ein paar Gabelstichen in die Folie stechen, sagt die Anleitung. Dann für vier Minuten ab in die Mikro.

Erster Eindruck: Das Gericht ist mühelos als Drei-Komponenten-Komposition zu erkennen: Kraut, Brei und Würstl sind jeweils als solche identifizierbar.

Das Kraut ist etwas wässrig, aber doch sämig. Die Würstl: schön mager, etwas wenig Geschmack. Der Brei bröselt wie Käsekuchenteig und schmeckt eher wie warmes Weißbrot.

Aber: insgesamt okay! Ich hab’s aufgegessen."

 

 

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