"Dieser einzigartige Geruch!": AZ-Leser erinnern sich an die alten A-Wagen der U-Bahn

Am 31. Dezember endet nicht nur das Jahr 2027, es ist auch das Ende einer Ära bei der MVG. Nach über einem halben Jahrhundert werden die A-Wagen bei der U-Bahn ausgemustert.
Die Geschichte der A-Wagen in München begann im Jahr 1967, zwei Jahre nach Beginn des U-Bahnbaus unter der Landeshauptstadt. Drei Prototypen des A-Wagens kamen auf die Schienen, 1970 begann dann die Serienproduktion. Mit der Eröffnung der ersten U-Bahnstrecke 1971 gingen auch die A-Wagen in den regulären Betrieb.

Ende des Jahres, nach 55 Jahren im Einsatz, heißt es nun Abschied nehmen von dem typischen Geruch, der einem beim Einsteigen in die Nase stieg. Abschied von laut rumpelnden Wagontüren, den blauen, gut gepolsterten Ledersitzen und auch dem Fahrtwind, der an heißen Sommertagen durch die gekippten Fenster für ein bisschen Abkühlung sorgte. Viele Münchnerinnen und Münchner sind mit den A-Wagen aufgewachsen.
Dienstende nach über 50 Jahren: AZ-Leser erinnern sich an die alten A-Wagen der U-Bahn
Ab dem 1.1. 2027 dürfen in München nur noch U-Bahnen eingesetzt werden, die mit einer Brandbekämpfungsanlage ausgerüstet sind. Auf eine Nachrüstung der A-Wagen haben die Stadtwerke München (SWM) verzichtet.
Was bleibt, sind die Erinnerungen an eine U-Bahn, die einen jahrzehntelang fast jeden Tag zur Arbeit, zur Schule, zur Uni, zu Konzerten und Fußballspielen oder zu Verabredungen mit Freunden gebracht hat.
Kurz vor dem nahenden Abschied schwelgen in den Sozialen Medien viele Menschen in Erinnerungen an die alten U-Bahn-Wagons. An Zeiten und Begebenheiten, die schon länger vorüber sind und so auch nicht mehr wiederkommen werden.
"Bin damit vor 40 Jahren zur Berufsschule gefahren. Oh mei, die Gedanken und Ängste, die ich damals vor Klausuren hatte. Blöd oder?", schreibt eine AZ-Leserin auf Instagram und schwelgt dabei in alten Schulzeiten.
Ein anderer Leser erinnert sich an die Aufregung, wenn man ohne gültigen Fahrschein unterwegs war: "In den alten U-Bahnen war Schwarzfahren wie ein James-Bond-Film. Man ist einfach in den nächsten Wagen geflüchtet. In den neuen Zügen kommt der Kontrolleur wie im ICE – da fühlt man sich plötzlich wie der Chef, der pleitegegangen ist und kein Ticket hat!"
Und die Schriftstellerin Manuela Merl verbindet eine ganz besondere Erinnerung mit den A-Wagen: "Schade, in diesen Zügen schrieb ich mein erstes Buch. Sie waren viel gemütlicher."
"Es war ein richtiger Zug, die Sitze waren bequem, das Ambiente angenehmer"
Der Komfort der alten A-Wagen mit ihren großen blauen Ledersitzen wird vielen U-Bahn-Passagieren künftig fehlen. "Es war ein richtiger Zug, die Sitze waren bequem, das Ambiente angenehmer. Die neuen U-Bahnen sehen aus wie aus einem Ikea zusammengewürfelt", erinnert sich ein Leser. "Die alten sind so viel bequemer als die Neuen und vor allem im Sommer eine wahre Wohltat" oder "Ich hasse die neuen U-Bahnen, da brauchst du beim Einsteigen eine Sonnenbrille, im Sommer ist es bumsheiß und unbequem sind die Sitze obendrein", schreiben andere.
"Wieder geht eine Ära zu Ende. Ich weiß noch, wie bei uns am Kolumbusplatz die U-Bahn eröffnet wurde. Die einfache Technik ist auf jeden Fall angenehmer", schreibt ein AZ-Leser und spart dabei auch nicht an Kritik an den neuen U-Bahnen: "Das grelle Licht in den neuen Bahnen ist nicht wirklich schön und dass kein Fenster geöffnet werden kann und der Luftzug mit Klimaanlage ersetzt wird, ist auch keine gute Lösung!".

"Dieser einzigartige Geruch!"
Auch der besondere Geruch, der einem in den Wagons in die Nase stieg, blieb vielen in Erinnerung. "Dieser einzigartige Geruch! Eine aufregende und zugleich nostalgische Mischung aus 'rein in die Großstadt' und 'München ist ein Dorf' – ich werde ihn nie vergessen", erinnert sich ein Leser. Auch andere schreiben von ihren olfaktorischen Erinnerungen: "Der Geruch nach Cheeseburger, wenn man um 6 Uhr einsteigt … legendär" oder "Der Geruch der U-Bahn vermischt mit einer knusprigen Münchner Brezn."
Ein großer Teil der U-Bahn-Fahrgäste wird es künftig vermissen, wenn die alten A-Wagen nicht mehr in die U-Bahnhöfe einfahren und blickt in den Sozialen Medien wehmütig in die Zukunft.
"Ich freue mich immer, wenn aus dem Tunnel eine alte Bahn auftaucht"
"Oh nein, wie schade, das macht mich wirklich traurig. Die alten U-Bahnen in München waren einfach immer ein ganz besonderes Erlebnis. Wir haben es geliebt" . Oder: "Ich freue mich immer, wenn aus dem Tunnel eine alte Bahn auftaucht. Die neueren Bahnen sind auch ok, aber an den Charme der alten Wagen kommen sie halt leider nicht ran", ist unter einem AZ-Post bei Instagram zu lesen. Ein Leser kommentierte mit: "Die alte U-Bahn plus ein grantig klingender Münchner Fahrer, der die Durchsagen noch selbst macht". Andere schrieben: "Ein Teil Münchner Geschichte geht für immer". Und: "Echt schade. Ich liebe diese Nostalgie mehr als die neuen U-Bahnen."
Bei all diesen nostalgischen Erinnerungen soll aber nicht unterschlagen werden, dass es auch Fahrgäste gibt, die den alten A-Wagen kaum eine Träne nachweinen werden. "Diese sehr alten Bahnen haben oft Probleme mit den Türen. Es wird Zeit, diese uralte Technik auszumustern. Der Aufwand, diese weiter fahrtüchtig zu halten wurde auch immer größer", schreibt ein AZ-Leser auf Instagram. Dort ist auch folgender Kommentar zu lesen: "Ich mag die gar nicht. Das aufgebügelte Holz sah schon immer so billig aus."
MVG will einen Langzug für Sonder- und Museumsfahrten erhalten
Manche Leser sind der Hoffnung, dass auf die alten A-Wagons, nachdem sie alle in Rente geschickt wurden, kein Ende auf dem Schrottplatz wartet. "Hoffentlich wandert eine dieser U-Bahnen ins Museum. Es wäre schade, wenn man alle verschrottet", schreibt einer. Ein anderer hat einen Wunsch an die MVG: "Schade! Wenn wenigstens einer auf jeder Strecke noch fahren würde. Solche nostalgischen Dinge gehören zur Identität und Geschichte einer Stadt."
Für die Fans der Kult-U-Bahn bleibt ein kleiner Trost. Nicht alle A-Wagen werden nach Dienstende verschrottet. Die MVG hat angekündigt, dass ein Langzug des Typs A erhalten bleiben soll – für Sonder- und Museumsfahrten.