Dicke Luft wegen Umweltzonen in München

Die Stadt muss die Stickstoffdioxid-Werte senken. Handwerker fürchten Fahrverbote – und um ihre Existenz.
| Sophie Burfeind
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"Die größtmögliche Katastrophe": Handwerker sorgen sich, dass bald ihre Lieferwagen aus Münchens Innenstadt ausgesperrt werden.
dpa "Die größtmögliche Katastrophe": Handwerker sorgen sich, dass bald ihre Lieferwagen aus Münchens Innenstadt ausgesperrt werden.

München - Die Münchner Luft ist schlecht. Seit Jahren sind die Stickstoffdioxid-Werte viel zu hoch, bis zum Sommer muss die Stadt sich wirksame Gegenmaßnahmen überlegt haben. Das hat das Verwaltungsgericht nach einer Klage der Deutschen Umwelthilfe angeordnet.

Während sich die meisten Münchner darauf freuen können, gesündere Luft zu atmen, sind die Handwerker in Sorge. Denn fast alle Lieferwagen von Handwerkern sind Dieselfahrzeuge – und die sind Hauptgrund für die ungesunde Luft.

Franz Xaver Peteranderl, Präsident der Handwerkskammer für München und Oberbayern, fürchtet daher, dass die Stadt bald Fahrverbote für Dieselfahrzeuge aussprechen oder Zufahrtseinschränkungen in die Innenstadt beschließen könnte. "Die Aussperrung von Handwerkerfahrzeugen wäre die größtmögliche Katastrophe für unseren Wirtschaftsbereich", sagte er in München.

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"Handwerker können nun mal nicht mit der S-Bahn kommen", ergänzte ein Sprecher der Handwerkskammer. Eine ganze Fahrzeugflotte zu ersetzen sei für einen Betrieb eine Investition in Millionenhöhe, die sich nicht alle leisten könnten. Und selbst wenn sie es wollten: "Elektromobilität beschränkt sich im Moment überwiegend auf Kleinfahrzeuge, nicht auf Lieferwagen." Die Handwerkskammer fordert daher, dass die Stadt mit ihren Maßnahmen zur Verbesserung der Luft den Wirtschaftsverkehr in der Umweltzone nicht einschränkt – etwa mit Ausnahmeregelungen.

Von der Stadt München hört man beschwichtigende Worte. Stephanie Jacobs, Umweltreferentin der Landeshauptstadt, sagt: "Es gibt verschiedene denkbare Maßnahmen, aber keine enthalten ein Fahrverbot oder Zufahrtseinschränkungen." Dafür fehle eine rechtliche Grundlage.

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Diskutiert werde allerdings über die Einführung einer "Blauen Plakette", die die Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) erst kürzlich wieder angeregt hatte. Bei einer solchen Plakette dürften Fahrzeuge mit hohen Stickstoffdioxid-Werten – also ältere Dieselautos – nicht mehr in die Umweltzone einer Stadt fahren. "In diesem Fall müsste es Ausnahmeregelungen für Handwerker und Gewerbetreibende geben", sagt Jacobs. "Wir wollen sie nicht über die Gebühr belasten." Im Gespräch sei außerdem eine City-Maut, mit der das Fahren auf Münchner Straßen künftig kosten würde.

Fest stehe aber schon, so Jacobs, dass die Stadt versuchen wolle, die Luft mit der Förderung von Elektromobilität zu verbessern. Über konkrete Maßnahmen werde am kommenden Mittwoch beraten.

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