Deutscher Wirt im Hofbräuhaus von Melbourne: Das kostet die Halbe in Australien

Ein Stück bayerische Heimat – und das Tausende Kilometer von München entfernt. Markus Söder schaute auf seiner USA-Reise im Hofbräuhaus von Texas vorbei. Nur wenige Wochen, nachdem eine AZ-Reporterin den australischen Ableger in Melbourne besucht hatte. Bei Obazda und Hofbräu-Bier hatte ihr der deutsche Wirt verraten, wie es um sein Heimweh und bayerische Promi-Gäste bestellt ist.
von  Eva Meeks
Im Hofbräuhaus von Melbourne traf die AZ auf Brand Manager Philipp Hockenberger (re.). Hier posiert er zum Fassanstich mit Brenton Quirini (li.), dem australischen Importeur für Hofbräu.
Im Hofbräuhaus von Melbourne traf die AZ auf Brand Manager Philipp Hockenberger (re.). Hier posiert er zum Fassanstich mit Brenton Quirini (li.), dem australischen Importeur für Hofbräu. © Hofbräuhaus Melbourne/Philipp Hockenberger

Auf seiner USA-Reise machte Markus Söder (59) vor wenigen Tagen Halt im Hofbräuhaus von Texas, das noch 2026 eröffnen soll. Die Münchner Institution ist weltweit in vielen Ländern vertreten – wie auch eine AZ-Reporterin vor wenigen Wochen feststellen durfte. Mitten im bunten China Town des australischen Melbourne steht ein Hofbräuhaus.

Hofbräuhaus Melbourne: Bayerische Tradition in Australien

Beim Betreten des Hofbräuhauses von Melbourne fühlt man sich gleich nach Bayern versetzt: Nostalgische Wirtshausmöbel, Fotografien aus München und zünftige Live-Musik treffen dort aufeinander. Am internationalen Personal merkt man jedoch, dass man sich weit weg von der Heimat befindet. Als die AZ an einem schwülen Abend (43 Grad Außentemperatur) einkehrte, stand ein junger Brite namens Kirk hinter dem Tresen und schenkte Helles aus.

Freunde hätten den jungen Mann aus North Yorkshire auf eine freie Stelle im Hofbräuhaus hingewiesen. "Bislang ist es großartig. Einer der besten Jobs, die ich je hatte", schwärmte Kirk im Gespräch mit der AZ. Ob er sich als Brite stark mit der bayerischen Tradition identifizieren könne? "Ich habe schon viel Zeit in Österreich verbracht, aber in Deutschland war ich leider noch nie. Eines Tages werde ich auf jeden Fall nach München kommen, denn ich möchte das Oktoberfest besuchen."

Mit Kirk aus North Yorkshire kam die AZ zuerst ins Gespräch. Er holte schließlich seinen deutschen Chef aus dem Büro.
Mit Kirk aus North Yorkshire kam die AZ zuerst ins Gespräch. Er holte schließlich seinen deutschen Chef aus dem Büro. © Eva Meeks

Das Gasthaus in Melbourne wird derzeit von zwei Männern betrieben. Auch der deutsche Chef, Philipp Hockenberger, war an diesem Abend anwesend. Er erklärte der AZ: "Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Heidelberg, habe aber mein halbes Leben in Bayern verbracht." Garmisch-Partenkirchen, Rosenheim und sieben Jahre Regensburg zählen zu seinen Lebensstationen. "2017 bin ich dann nach Melbourne ausgewandert und achte jetzt hier im Hofbräuhaus als Brand Manager darauf, dass alles 'deutsch' und vor allem 'bayerisch' bleibt."

Die Geschichte des Gasthauses begann allerdings lange vor Philipp Hockenbergers Zeit: "Das Hofbräuhaus in Melbourne gibt es tatsächlich schon seit 1968. Es wurde damals von einem Deutschen oder Schweizer gegründet – da gehen die Meinungen auseinander – und hat dann über die Jahre viel Entwicklung durchgemacht." Zum Original in München pflege man seit jeher intensiven Kontakt, so der Brand Manager: "Wir arbeiten sehr eng mit der Hofbräu-Brauerei zusammen und verkaufen auch das originale Bier hier bei uns."

2017 wanderte Philipp Hockenberger nach Melbourne aus und ist dort im Hofbräuhaus anzutreffen.
2017 wanderte Philipp Hockenberger nach Melbourne aus und ist dort im Hofbräuhaus anzutreffen. © Hofbräuhaus Melbourne/Philipp Hockenberger

"Gutes bayerisches Bier und deutsche Hausmannskost"

Doch wieso überhaupt ein Hofbräuhaus in Melbourne? Tatsächlich sei die deutschsprachige Community dort gar nicht mal so klein, wie Philipp Hockenberger der AZ erzählte: "Das letzte Mal, als ich gecheckt habe, lag die Zahl bei ca. 65.000. Sie ist vielleicht nicht die größte Community der Zugewanderten, aber man kommt hier doch ganz gerne im Hofbräuhaus zusammen, um das Essen und Bier aus der Heimat zu genießen – und das Heimweh ein bisschen zu stillen."

Hat auch der Brand Manager selbst Heimweh? Hockenberger, der ungefähr alle 15 Monate nach Deutschland reist, meinte lachend: "Ich habe ja alles hier, was ich brauche: Gutes bayerisches Bier und deutsche Hausmannskost, wirklich viel mehr brauche ich nicht." Doch er räumte auch ein: "Natürlich fehlen mir meine Freunde und meine Familie, und auch den Schnee zur Weihnachtszeit vermisse ich. Aber das Wetter in Melbourne ist einfach besser als in Deutschland."

Metropole im Bundesstaat Victoria: Philipp Hockenberger hat sein Leben in Bayern gegen Melbourne eingetauscht.
Metropole im Bundesstaat Victoria: Philipp Hockenberger hat sein Leben in Bayern gegen Melbourne eingetauscht. © imago/Zuma Press Wire

Hockenberger: "Halten in Australien die deutsche Flagge hoch"

Anders als Kirk kämen 50 bis 70 Prozent des Personals im Hofbräuhaus aus dem deutschsprachigen Raum, erklärte Philipp Hockenberger weiter. Und bedient werde dort selbstverständlich in Tracht: "Wir halten hier in Australien die deutsche, aber vor allem die bayerische Flagge hoch." Wie viel Personal er beschäftige, hänge immer stark von der jeweiligen Saison ab: "Wenn es draußen 40 Grad hat, kommen eher weniger Menschen vorbei, um Schnitzel, Schweinsbraten und Schweinshaxe zu essen. Daher schwankt unser Personalstand."

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Zu anderen Zeiten im Jahr herrsche aber umso mehr Betrieb: "Wir veranstalten hier seit zwei Jahren die sogenannte 'Deutsche Woche'. Da machen wir ganz viele Veranstaltungen rund um deutsche Firmen, deutsche Geschichte, natürlich das Essen und die Kultur", so Hockenberger. "Letztes Jahr haben wir eine Schlagerparty gefeiert und auch das Oktoberfest wird hier zelebriert. Da gibt es dann auch kulinarische Besonderheiten, Essen aus allen Himmelsrichtungen in Deutschland, aber natürlich liegt der Fokus immer auf der bayerischen Küche."

Obazda, Schnitzel, Bratwurst: Wer in Australien nicht auf deutsche Küche verzichten kann, sollte im Hofbräuhaus von Melbourne vorbeischauen.
Obazda, Schnitzel, Bratwurst: Wer in Australien nicht auf deutsche Küche verzichten kann, sollte im Hofbräuhaus von Melbourne vorbeischauen. © Eva Meeks

Die Halbe kostet in Melbourne übrigens 17 australische Dollar, was in etwa 10,50 Euro entspricht. "Wir haben eine sehr gute Partnerschaft mit 'Hofbräu', die uns weitgehend hilft, die Bierpreise zu stabilisieren", so Hockenberger. Doch gewisse Faktoren würden den Preis zwangsläufig beeinflussen: "Dadurch, dass wir ausschließlich deutsches Bier, gebraut nach dem deutschen Reinheitsgebot importieren, sind unsere Bierpreise auch durch die steigenden Logistikkosten beeinflusst. Zudem ist Alkohol in Australien generell extrem hoch versteuert."

In einer Seitengasse vom China-Town-Viertel befindet sich das Hofbräuhaus von Melbourne. Dort wird Original-Hofbräu ausgeschenkt.
In einer Seitengasse vom China-Town-Viertel befindet sich das Hofbräuhaus von Melbourne. Dort wird Original-Hofbräu ausgeschenkt. © Eva Meeks

Bayerische Promi-Gäste: "Einen Bastian Schweinsteiger würde ich erkennen"

Schließlich wollte die AZ von Philipp Hockenberger wissen, ob sich denn schon mal ein bayerischer VIP in sein Hofbräuhaus verirrt habe: "Ehrlich gesagt, bin ich mit Promis ziemlich schlecht, weil ich mit Gesichtern schlecht bin. Also wenn es nicht gerade ein Riesenpromi ist, wird das schwierig", gab er zu. Doch gewisse Ausnahmen würde es geben: "Einen Bastian Schweinsteiger würde ich mit Sicherheit erkennen, wenn er hier reinlaufen würde – der war aber leider noch nicht da, zumindest nicht, als ich gearbeitet habe. Und ein Markus Söder war auch noch nicht bei uns zu Gast." Anders als in Texas, wo der bayerische Ministerpräsident im März 2026 auftauchte.

Schließlich fiel Philipp Hockenberger aber doch noch eine besondere Promi-Begegnung ein: "LaBrassBanda waren vor ein paar Jahren mal hier zum Abendessen, als sie ihre Australien-Tour gespielt haben." Die Musiktruppe hatte 2019 einige internationale Konzerte gegeben. "Das waren wahrscheinlich die größten Promis, die ich erkannt habe." Von diesem Besuch hatte der Deutsche leider keine Fotos zur Hand. Es ist aber davon auszugehen, dass sich die Jungs von LaBrassBanda über das kleine Stückchen Heimat in Melbourne ähnlich gefreut haben müssen wie die AZ an diesem Abend.

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