Derblecken ohne Ende

Die Menschenfresser- Rede von Günther Beckstein über den Nockherberg schlägt weiterhin hohe Wellen. Jetzt prüft die Münchner Rats-SPD, ob der Ministerpräsident zum Wiesnanstich soll - Bierernst oder verspäteter Aprilscherz?
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Da lachten sie noch: Günther Beckstein überreicht 1999 als Innenminister das Verdienskreuz am Bande an Christian Ude.
Petra Schramek Da lachten sie noch: Günther Beckstein überreicht 1999 als Innenminister das Verdienskreuz am Bande an Christian Ude.

MÜNCHEN - Die Menschenfresser- Rede von Günther Beckstein über den Nockherberg schlägt weiterhin hohe Wellen. Jetzt prüft die Münchner Rats-SPD, ob der Ministerpräsident zum Wiesnanstich soll - Bierernst oder verspäteter Aprilscherz?

Kaum ist der Transrapid abgefahren, schon kommt aus dem Rathaus die nächste Attacke auf die bayerische Staatskanzlei: Kann Ministerpräsident Günther Beckstein noch zum Oktoberfest eingeladen werden, nachdem er beim Starkbieranstich auf dem Nockherberg „Menschenfresser“ auf der Bühne gesehen haben will? Oder hat da im Rathaus einer etwas verzapft?

Auf dem Nockherberg werden die Politiker derbleckt – was die nur ganz lustig finden, wenn es andere trifft. Doch untereinander gehen sie das ganze Jahr über auch nicht gerade zimperlich miteinander um. Nun lässt der jüngste Bierzeltauftritt des Ministerpräsidenten Günther Beckstein in Nürnberg den Wiesn-Stadtrat und Fraktionschef der Rathaus-SPD überschäumen: Auf Antrag von Helmut Schmid soll die Verwaltung allen Ernstes erforschen „Ob es protokollarisch vertretbar ist, den bayerischen Ministerpräsidenten Günther Beckstein zur Eröffnung des 175. Oktoberfestes einzuladen.“

Deshalb solle geprüft werden, ob es Beckstein „möglich erscheint, zu den sogenannten „Menschenfressern“ nach München zu kommen“. Vor den Augen aller Welt auf der Wiesn.

Ein Anruf in der Staatskanzlei

So richtig handfest rauswerfen will Helmut Schmid den MP aber nicht: „Da die Stadt München als Gastgeberin nicht schon wieder die Ungunst von Herrn Beckstein auf sich ziehen möchte, bitte ich um entsprechende Prüfung.“ Und jetzt? Jetzt wird nach Auskunft von OB Ude ein städtischer Mitarbeiter in der Staatskanzlei anrufen, um die Empfindlichkeit Becksteins zu diagnostizieren. Ude: „Wir werden den Antrag ordnungsgemäß bearbeiten und in der Staatskanzlei nachfragen, ob der die alte Tradition seiner Vorgänger fortsetzen will, zur Wiesneröffnung zu kommen.“

Wie ernst ist das gemeint? Bierernst! Einerseits lacht OB Christian Ude über die angesprochene Wiesn-Attacke und schließt nicht aus, dass der Antrag als Nonsens gemeint ist. Aber es ist auch eine willkommene Gelegenheit, dem potenziellen CSU-Spitzenkandidaten für die Landtagswahl im September eines auszuwischen. Wie schon beim Transrapid. Und: Ude ist auch wirklich sehr sauer. Denn bei Becksteins Bierzelt-Rede versteht er keinen Spaß.

Plötzlich ein Wust von Schimpfworten

Ude zur AZ: „Wir hatten bei seinem Dienstantritt eine gute Zusammenarbeit vereinbart. Und plötzlich fällt er mit einem Wust von Schimpfworten über mich her und spricht von Verarschung und Verlogenheit.“ Beckstein müsse jetzt sein „Verhältnis zur Stadt München wieder ins Reine bringen“. Wenn es um ihn selbst geht, versteht Ude keinen Spaß. Und er meint: „Wer so mit dem Schimpf von ,Menschenfressern’ reagiert, der muss sich Gedanken machen, ob er wirklich unter die Menschenfresser fallen will.“

Und Beckstein? Der Franke lacht müde. „Die Staatskanzlei hält das für einen missglückten und verspäteten Aprilscherz eines SPD-Stadtrats.“

Willi Bock

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