Der Schmalznudel-Blues

 Jeden Freitag erzählt ein bekannter Münchner von seinem Wochenende. Heute ist das die Schauspielerin Monika Baumgartner.
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Nach durchtanzten Nächten ist Monika Baumgartner schon in jungen Jahren ins Café Frischhut auf eine Schmalznudel gegangen. Auch heute geht sie gerne in das Café neben der Schrannenhalle.
Gregor Feindt Nach durchtanzten Nächten ist Monika Baumgartner schon in jungen Jahren ins Café Frischhut auf eine Schmalznudel gegangen. Auch heute geht sie gerne in das Café neben der Schrannenhalle.

Jeden Freitag erzählt ein bekannter Münchner von seinem Wochenende. Heute ist das die Schauspielerin Monika Baumgartner.

Wenn ich in der Innenstadt bin, gehe ich gerne in die Heilig-Geist-Kirche am Viktualienmarkt. Auf dem Platz da haben wir vor 30 Jahren „Die Rumplhanni“ gedreht, eine Romanverfilmung von Lena Christ. Da war alles auf 1900 getrimmt. Für mich hat das schon eine Bedeutung, dass es in einem Film von mir den Viktualienmarkt aus dem 19. Jahrhundert gibt. Vermutlich liebe ich diesen Ort deshalb so – und weil sich Leute aus aller dort Welt treffen.

Ich schaue auch öfter mal in die Michaelskirche in der Fußgängerzone hinein, da, wo auch Ludwig II. seine letzte Ruhestätte hat. Ab und zu steige ich auch den Alten Peter hoch. Das sind Punkte, da zieht es mich immer wieder hin. Dann sieht man: Okay, alles noch da das gibt mir ein gutes Gefühl. Das ist eben ein Ritual – wie auf dem Oktoberfest. Da brauche ich auch immer einen Steckerlfisch und gebrannte Mandeln. Das gehört irgendwie dazu.

Ich gehe auch gerne ins Café Frischhut neben der Schrannenhalle. Das hat mit meiner Kindheit zu tun. Meine Oma hat immer Auszogne gemacht. Das ist so ein Überbleibsel aus früheren Zeiten. Außer im Frischhut kriegt man die heute ja fast nirgendwo mehr. Als ich noch auf die Falckenberg-Schule gegangen bin und danach bei den Kammerspielen war, sind wir nach durchfeierten Nächten gerne ins Frischhut gegangen. Das hat immer schon um 5 Uhr in der Früh aufgemacht. Und so eine fettige Schmalznudel zum Schluss, das war genau das Richtige.

Zu meiner wilden Zeit waren wir oft in einer Disco in der Theklastraße. Die gibt es natürlich schon lange nicht mehr. Wenn ich durch die Stadt laufe, sehe ich ja auch: hier was Neues, da was Neues. Man muss sich eben damit abfinden, dass sich Dinge verändern. Ich sehe es ja auch an mir: Anfangs habe ich die Geliebte gespielt, dann die Mutter – jetzt spiele ich halt die Großmutter. Aber manchmal wird man schon wehmütig.

Hinter den Kammerspielen zum Beispiel gab es lange die Emmy. Da haben schon mein Papa und mein Onkel Karten gespielt. Die Emmy war wie die Kantine von den Kammerspielen, ein bayerisches Wirtshaus, wo es die besten Schweinswürstel und Fleischpflanzl gegeben hat. Die ganzen Schauspieler sind da hin gegangen. Letztens bin ich da mal vorbeigekommen, da ist jetzt ein Friseurladen drin. Klar, der hat auch seine Berechtigung. Aber dass es die Emmy nicht mehr gibt, ist schon schade.

Dafür habe ich einen anderen Tipp: Die Alte Münze, das ist ein Renaissance-Gebäude hinter dem Alten Hof. Im Sommer spielt dort die Falckenberg-Schule Theater. Im Innenhof ist dann eine Tribüne aufgebaut. Man kann sich ja vorstellen, was das für ein außergewöhnliches Ambiente ist.

Ansonsten habe ich momentan viel zu tun. Ich hab’s heuer noch nicht einmal geschafft, daheim weihnachtlich zu dekorieren. Aber ich beklage mich nicht. Ich freue mich, dass ich gesund bin und dass ich eine so schöne Arbeit habe. 

Die Menschen jammern allgemein zu viel, und die Deutschen im Speziellen sind besonders unzufrieden. Dabei habe ich mal gehört: Wir gehören zu den acht Prozent der Menschen auf der Welt, die ein Dach über dem Kopf haben, ein Bett zum Schlafen und einen vollen Kühlschrank. Wenn man sich da mal vorstellt, in welchem Luxus wir leben.

Protokoll: Florian Zick

 

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