Denkmalpflege-Chef: Die Alte Akademie bleibt eine Münchnerin

Was der Denkmalschutz beim Komplex ums Hettlage-Haus vom Bauherren verlangt
| Christian Pfaffinger
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München - Sitzen Österreicher, Bayern und ein Engländer am Tisch und streiten. Am Schluss einigen sie sich auf die Meinung der Münchner.

So ungefähr kann sie sich vorstellen, die Gespräche, die anderthalb Jahre gedauert haben. Gut, ein wenig zugespitzt ist das freilich, aber Mathias Pfeil sagt schon: „Es waren lange, harte Diskussionen, die nicht immer einvernehmlich geführt wurden.“ Aber sie waren es wert, sagt er, für eines der spannendsten Projekte, die es momentan in der Stadt gebe. Mathias Pfeil ist Generalkonservator des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege, der oberste Denkmalschützer im Freistaat also. Und als solcher hat er auch mit der Signa Holding Gespräche geführt, des riesigen österreichischen Immobilienunternehmens des Karstadt-Eigners René Benko. Beteiligt war auch der englische Star-Architekt David Chipperfield. Nun hat Signa die Vorgaben für den Umbau der Alten Akademie samt Hettlage-Haus in der Neuhauser Straße vorgestellt. Die Österreicher haben dort das Erbbaurecht gekauft.

Mathias Pfeil erklärt nun im Gespräch mit der AZ, wofür er als Denkmalpfleger in den Gesprächen gekämpft hat. Anfangs habe Signa ein Konzept vorgelegt, in dem die Denkmalpflege noch gar nicht diskutiert wurde. „Zuerst“, sagt Pfeil, „mussten wir Signa nahebringen, welchen Wert die Alte Akademie für München hat.“

Denn dieser Bau steht für sehr viel: Im 16. Jahrhundert wurde er als Zentrum der Gegenreformation geschaffen, später zog das Jesuitenkolleg ein, dann die Akademie der Wissenschaft und die der Bildenden Künste. Hier war auch der erste Sitz der Ludwig-Maximilians-Universität, nachdem diese von Landshut nach München umgezogen war.

 

Das Gebäude erzählt sehr viel über die Stadt – das soll so bleiben

 

Dann wurde das Gebäude zum großen Teil ausgebombt. Nach dem Zweiten Weltkrieg war München arm, aber die Alte Akademie war der Stadt so wichtig, dass sie rekonstruiert wurde. Architekt Josef Wiedemann, der etwa auch das Odeon und das Siegestor wieder aufgebaut und später den Kaufhof am Marienplatz entworfen hat, schuf dabei ein Gebäude, das prototypisch für den Wiederaufbau in München steht, sagt Mathias Pfeil: „Wiedemann hat eine besondere, schlichte handwerkliche Architektursprache“, sagt er. „Wenn man das Gebäude anschaut, mag es erst etwas langweilig wirken, aber es ist im Detail exzellent und spricht sehr viel.“

Und das soll auch so bleiben: Sowohl beim Hettlage-Haus als auch beim nach altem Vorbild rekonstruierten Teil der Alten Akademie: „Grundsätzliche Veränderungen an der Fassade kann ich mir nicht vorstellen“, sagt Pfeil. „Und auch keinen Siegerentwurf, der die Arkaden nicht hat.“

Die stehen nämlich besonders für den Charakter der Nachkriegsarchitektur, auch wenn sie diesen heute zum größten Teil verloren haben. Mathias Pfeil wünscht sich deshalb einen „Erlebnisraum der 50er-Jahre“ zurück.

Die Arkaden seien nämlich nicht nur eine wichtige Verbindung zwischen der Neuhauser und der Maxburgstraße, sondern ursprünglich eine ziemlich bewegte Glaswelt aus Vitrinen und Schaufenstern gewesen: „Die Fassaden waren damals gestaffelt, nicht glatt, und der Raum wirkte wie eine Schauwelt.“ Die damaligen Entwürfe von Josef Wiedemann kriegen die Architekten, die am Wettbewerb teilnehmen, vorgelegt – quasi zur Inspiration.

Den Österreichern passt das natürlich nicht so ganz. Signa habe „ein intensives immobilienökonomisches Interesse, jeden Quadratmeter zu nutzen“, umschreibt es Pfeil. Heißt: Könnten die Österreicher die Arkaden ins Gebäude integrieren und zusätzliche Ladenflächen daraus machen, ließe sich damit natürlich noch mehr Miete verdienen. Das dürfen sie aber nicht. Auch der Schmuckhof, in den Gastronomie kommt, so sich nicht grundlegend verändern.

Im Inneren wird mehr verändert. Die Geschosse seien einfach zu niedrig, sie werden neu eingezogen. Vieles soll aber auch erhalten bleiben, sagt Mathias Pfeil: „Wertvolle Elementen wie Treppenhäuser, Eingangshalle, Bibliothek oder Casino sollen mit ihrem spröden Charme der 50er Jahre eine interessante Verbindung mit der neuen Architektur schaffen.“

Mit den Vorgaben, die den Architekten gemacht werden, ist Pfeil zufrieden. „Weil sie berücksichtigen, was die Alte Akademie für München ist.“ Den Österreichern ist’s recht.

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