Demo in München: Tierschützer wollen Hitze-Transporte stoppen

Die Tropen-Hitze hat Bayern fest im Griff: An Flüssen und Seen werden historisch niedrige Pegelstände gemeldet, immer wieder flackern kleinere Waldbrände auf, der Run auf Klimageräte ist ungebremst. Trotzdem rollen weiter Tiertransporte zu den bayerischen Schlachthöfen, auch in die Landeshauptstadt – und auch bei Temperaturen von weit über 30 Grad im Schatten.
"Den Rindern waren der Stress und das Leiden durch den Transport anzusehen"
Ende Juni hatte die Organisation Soko Tierschutz deshalb Anzeige gegen mehrere Viehhändler, eine Veterinärin und die Betreibergesellschaft des Münchner Schlachthofs gestellt. Damals dokumentierten Soko-Gründer Friedrich Mülln und seine Mitstreiter, wie Rinder in der Nachmittagshitze von 39 Grad dort angeliefert wurden – in Lkw, die nur mit kleinen Ventilatoren und einem für die hohen Temperaturen unangemessenen Tränkensystem ausgestattet waren.
"Den Rindern waren der Stress und das Leiden durch den Transport anzusehen – eindeutiges, länger anhaltendes Leiden“, sagt Mülln. Und das sei ein Verstoß gegen das Tierschutzgesetz.

Was das Kreisverwaltungsreferat über den Schlachtbetrieb in München mitteilt
In der Folge bat die Soko Tierschutz das für das Veterinäramt zuständige Kreisverwaltungsreferat (KVR) um Stellungnahme. Die Korrespondenz liegt der AZ vor. Die Behörde teilt darin unter anderem mit: "Das Veterinäramt hat rechtlich keine Möglichkeit, die Transporte bei Hitze zu stoppen oder zurückzuweisen."
Allerdings verlege der Schlachthof München an heißen Tagen den Schlachtbeginn auf sieben und das Abladen auf sechs Uhr morgens und habe die Aufgabe, die Anlieferungen entsprechend zu koordinieren. "Ein noch früherer Schlachtbeginn ist aufgrund der Nachtruhe nicht möglich", heißt es vom KVR weiter.
Problematisch: Die Tierschützer fotografierten mehrere Rinder-Transporter, die entgegen den Angaben bei brütender Hitze in die Zenettistraße rollten. "Es wurden mehrfach Anlieferungen um die Mittagszeit beobachtet“, sagt Mülln der AZ.
Die Tierschützer fordern von der Politik einen sofortigen Stopp von Hitze-Transporten
Diesen Freitag ruft die Soko Tierschutz deshalb zu einer Demonstration am Münchner Schlachthof auf – "als deutliches Zeichen gegen die Fleisch- und Schlachtindustrie“. Die Aktivisten haben zudem eine politische Forderung: "Da die Veterinärämter offensichtlich nicht gewillt sind, im Sinne der Tiere einzugreifen, muss es vonseiten der Politik klargestellt werden, dass bei extremen Hitzelagen keine Tiertransporte gestartet oder angenommen werden dürfen – das muss ab 30 Grad verbindlich sein“, sagt Mülln.
Für die Tiere auf Transportern kann das zu einer Tortur werden, die mit dem Tod endet

Das sieht man beim Deutschen Tierschutzbund übrigens ähnlich. "Tiertransporte sind insbesondere bei Hitze für Rinder, Schweine, Schafe und Geflügel purer Stress. Kommt durch die Verlagerung des Güterverkehrs von den Wasserwegen auf die Straße noch mehr Verkehr hinzu, drohen zunehmende Staus. Für die Tiere auf Transportern kann das zu einer Tortur werden, die mit dem Tod endet“, sagt Präsident Thomas Schröder. Zudem gebe es an den Autobahnen keine ausreichende Versorgung, wenn beladene Tiertransporter stundenlang feststeckten.
Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) und Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) seien daher gefordert, "sofort zu handeln und Lebendtiertransporte während der extremen Hitze zu untersagen“. Und zwar bundesweit.
Die Demonstration der Soko Tierschutz findet am Freitag, 14. August, um 14.30 Uhr vor dem Münchner Schlachthof, Zenettistraße 9, statt.