Debatte um Obdachlosenlager: Wohnungslosen in München helfen!

Nach der Räumung der Obdachlosenlager unter den Isarbrücken geht die Debatte weiter, wie die Lage für Menschen ohne Wohnsitz in München verbessert werden kann. Die Grünen wenden sich nun mit einem Antrag an Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD).
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Weitere Bilder von der Räumung der Obdachlosenlager.
Daniel von Loeper Weitere Bilder von der Räumung der Obdachlosenlager.

München - Vor knapp einer Woche hat die Stadt ihre Ankündigung in die Tat umgesetzt und die Obdachlosenlager unter den Isarbrücken geräumt. Am vergangenen Donnerstag gegen 7 Uhr ging es an der Reichenbachbrücke los, danach waren die Lager an der Wittelsbacher- und Brudermühlbrücke an der Reihe.

Die Räumung hat eine Debatte losgelöst, wie die Situation von Wohnungslosen in München künftig verbessert werden kann.

Problem: Keine feste Wohnadresse – kein Arbeitsvertrag 

Die Münchner Grünen im Rathaus fordern dazu jetzt per Antrag, dass die Stadt die Öffnungszeiten der Kälteschutzeinrichtungen ausweiten möge. Zudem sollen dort künftig Kochmöglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Die Fraktion verweist dabei auf ein weiteres Problem: Solange die Betroffenen keine feste Wohnadresse angeben könnten, könnten sie sich beim KVR nicht als hier lebende Menschen melden und registrieren lassen. Dies sei zum Beispiel für die Ausstellung eines Arbeitsvertrags notwendig.

"Laut Aussage der AOK ist eine Anmeldung außerdem Voraussetzung dafür, eine Krankenversicherung abschließen zu können und damit einen Sozialversicherungsausweis zu erhalten. Dadurch wird es obdachlosen Menschen extrem erschwert, sich selbst in die Lage zu versetzen, eine Wohnung zu mieten", kritisieren die Grünen in ihrem Antrag zusätzlich.

Darüber hinaus würden Betroffene somit "in unsichere und undokumentierte Beschäftigungsverhältnisse gezwungen", in denen beispielsweise Lohnbetrug begünstigt werde und entsprechend häufig festzustellen sei, so ihre Kritik.

Hier lesen Sie die Reportage: Isarbrücken-Räumung: Ortsbesuch bei den Bewohnern

Reichenbachbrücke: Wohl keine Brandstiftung

Stadt empfiehlt Alternativen zum Leben unter der Brücke

Als Alternative zu der Übernachtung unter der Brücke hatte die Stadt in einer Mitteilung empfohlen, dass sich die Obdachlosen beim Amt für Wohnen und Migration in der Franziskanerstraße 8 für die Zuweisung von Schlafplätzen in der Bayernkaserne vorstellen.

In der Mitteilung hieß es weiter, die Obdachlosen könnten sich tagsüber beispielsweise in der Teestube "komm", im Haneberghaus St. Bonifaz, im Beratungscafe in der Sonnenstraße und in der Bahnhofsmission aufhalten. Familien aus dem Kälteschutzprogramm würden bei FamAra eine kindgerechte Betreuung und auch warmes Essen erhalten.

Lesen Sie dazu: Kunststoff-Iglus auch bald für Obdachlose in München?

Obdachlose gegen Verlegung in Bayernkaserne

Im Rahmen der Lagerräumung machten die Obdachlosen deutlich, dass sie nicht in der Bayernkaserne untergebracht werden möchten. Die Gründe dafür: In der Kaserne könne man sich nicht tagsüber aufhalten, morgens müssten sie das Gelände wieder verlassen. Einen festen Ort, wo die Menschen ihr weniges Hab und Gut lassen können - wie eben bisher unter den Brücken - gibt es dort demnach nicht. Außerdem sei es in der Einrichtung nicht erlaubt zu kochen. Diese Kritikpunkte möchten die Grünen mit ihrem Antrag also aus dem Weg schaffen.

Ein weiteres Problem: "Regelmäßig finden in der Früh am Ausgang des Kälteschutzes große Polizeikontrollen statt, denen wir nicht ausweichen können, wenn wir dort geschlafen haben", heißt es in einer Mitteilung der Initiative "Wir wollen wohnen". Die Konsequenz daraus sei, dass manche Personen den Kälteschutz nicht in Anspruch nehmen würden, aus Angst verhaftet zu werden.

Lesen Sie auch: Obdachlose -

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