„Das wird meine schlimmste Wiesn“

Erstmals seit 17 Jahren ist Tabakverkäufer Uwe Siems nicht mehr auf dem Oktoberfest dabei. „Ich bin süchtig nach der Wiesn und darf dort jetzt nicht mehr arbeiten.“
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Die alten Bauchläden lagert Uwe Siems in einer Scheune bei Dachau: Auf die Wiesn darf er damit heuer nicht mehr.
Petra Schramek Die alten Bauchläden lagert Uwe Siems in einer Scheune bei Dachau: Auf die Wiesn darf er damit heuer nicht mehr.

MÜNCHEN - Erstmals seit 17 Jahren ist Tabakverkäufer Uwe Siems nicht mehr auf dem Oktoberfest dabei. „Ich bin süchtig nach der Wiesn und darf dort jetzt nicht mehr arbeiten.“

Zwei oder drei Mal wird Uwe Siems heuer vielleicht noch mal hingehen. Er will ein paar Wirte treffen, sich mit dem einen oder anderen befreundeten Spüler unterhalten und noch mal durch die Zelte ziehen. „So wie früher wird es trotzdem nicht mehr sein“, sagt der Tabakwarengroßhändler aus Dachau – und fügt wehmütig hinzu: „Das wird die schlimmste Wiesn meines Lebens.“

Fast sein ganzes Leben hat Siems auf der Wiesn verbracht. Erst an der Hand seines Opas und Vaters, die noch selbst mit Bauchläden durch die Zelte gezogen sind. Später dann als eigener Tabakverkäufer, der seit 17 Jahren die Massen im Armbrustschützen- Löwenbräu-, Hacker- und Käferzelt mit Zigaretten, Zigarren und Schnupftabak versorgte. Jeden Tag war er damals auf der Wiesn: „Ich bin manchmal zwölf Stunden von einem Bauchwarenhändler zum nächsten gelaufen.“

Herrliche Zeiten waren das für Siems. Wenn er dafür gesorgt hat, dass Ware nachgelegt wurde, wenn er durch die Zelte streifte, um den Verkäuferinnen zur Hand zu gehen, dann war der 37-Jährige so richtig in seinem Element. „Noch im letzten Jahr hatten wir 45 Leute, die auf dem Oktoberfest für uns tätig waren.“ Rund ein halbe Million Euro Umsatz hat seine Firma im vergangenen Jahr auf der Wiesn gemacht: „Das Geld fehlt uns heuer ganz schön.“

"Er war eine Bereicherung für die Wiesn"

Kein Wunder, dass Siems diesen Zeiten nachjammert. „Ich bin süchtig nach der Wiesn und darf dort jetzt nicht mehr arbeiten“, klagt er. Nachdem die Wiesn-Wirte die Zigarettenverkäufer aus ihren Zelten verbannt haben, um dort einen „kleinen Beitrag zu besserer Luft“ zu leisten, bleibt auch Siems heuer außen vor. „Für einen wie ihn, tut mir das sehr leid“, sagt Wirt Peter Inselkammer, in dessen Zelt Siems jahrelang tätig war: „Er war eine Bereicherung für die Wiesn.“

Vielleicht auch deshalb hofft der Dachauer, dass es noch einmal ein Zurück geben könnte. „Wenn es im kommenden Jahr Raucherbereiche vor den Zelten geben wird, dann können wir vielleicht mit einer abgespeckten Version unserer Kioske wieder dabei sein“, sagt er. So wie früher wird es dort dann aber sicher nicht mehr werden: „Diese Zeiten kehren niemals mehr zurück.“

Daniel Aschoff

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