Das Schörghuber-Imperium: Deshalb ist es so erfolgreich

Bier, Immobilien und Hotels: Das vor allem für Paulaner bekannte Münchner Familienunternehmen ist in vielen Geschäftsbereichen tätig. Die AZ hat sich angesehen, wie das Zusammenspiel aus Brautraditon, "Betongold" und chilenischer Lachszucht diesen Erfolg sichert – und welche Pläne die dritte Generation für die Zukunft verfolgt.
von  Maximilian Neumair
Alexandra Schörghuber und Sohn Florian Schörghuber bei der Eröffnung vom "Spöckmeier" in München.
Alexandra Schörghuber und Sohn Florian Schörghuber bei der Eröffnung vom "Spöckmeier" in München. © Foto: Stefan M Prager/imago

Die ganze Branche ächzt, doch eine Firma trotzt nicht nur dem Abwärtstrend, sondern steigert sogar ihre Absätze. Der Bierabsatz ist 2025 so stark gesunken wie noch nie (um sechs Prozent) – doch die Paulaner Gruppe (inklusive alkoholfreier Biersorten) legte in der Zeit um 4,7 Prozent zu.

Schon eine Leistung für die Schörghuber-Gruppe (SG), die München nicht nur durch Paulaner prägt, sondern auch durch Luxushotels und Immobilien. Was macht die SG so erfolgreich? Eine Spurensuche.

Schörghuber: Alles begann mit dem Immobiliengeschäft

Alles begann mit ihm: 1954 gründete der gelernte Zimmermann und Bauingenieur Josef Schörghuber († 1995) die Bayerische Hausbau (BHB), die bis heute zur Unternehmensgruppe gehört. Neben dem Baugeschäft folgten im Tourismusboom ab Ende der 50er der Einstieg ins Charterfluggeschäft (später an Hapag-Lloyd verkauft) und 1969 in die Hotelbranche.

Josef Schörghuber (1920 bis 1995) ist der Gründer der Gruppe. 1954 gründete der gelernte Zimmermann und Bauingenieur die Bayerische Hausbau (BHB).
Josef Schörghuber (1920 bis 1995) ist der Gründer der Gruppe. 1954 gründete der gelernte Zimmermann und Bauingenieur die Bayerische Hausbau (BHB). © Schörghuber Gruppe

Der größte Coup gelang dem alten Fuchs Ende der 70er Jahre: 1979 übernahm er erst Hacker-Pschorr und dann auch noch Paulaner, als die Banken sich von ihren Brauereibeteiligungen trennten. Was die Banken damals dummerweise verkannt hatten, war Josef Schörghuber nämlich nicht entgangen: "Die Brauereien hatten einen riesigen Immobilienbesitz", wie er in einem Interview mal freimütig bekannte. Und den konnte er in den folgenden Jahrzehnten regelrecht vergolden.

Seit 2011 gehört zur SG mit Productos del Mar Ventisqueros sogar ein chilenisches Unternehmen für Lachszucht. Dazu hat sich die langjährige Vorstandsvorsitzende Alexandra Schörghuber (67) entschieden, weil nachhaltig produzierte Proteine für eine wachsende Weltbevölkerung zunehmend bedeutender werden.

Sie ist die Witwe des 2008 im Alter von nur 47 Jahren an Herz-Kreislaufversagen verstorbenen Stefan Schörghuber (†), der seit dem Tod seines Vaters 1995 – neben einem Stiftungsbeirat – die Leitung der Gruppe übernommen hatte. Die Münchner Society-Lady gilt als bestens vernetzt. Unter anderem ist sie Stellvertretende Vorsitzende im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München – ein Gremium, dessen Vorsitz OB Dieter Reiter kürzlich aufgegeben hat (AZ berichtete).

Alexandra Schörghuber (l) und OB Dieter Reiter. Unter anderem ist sie Stellvertretende Vorsitzende im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München.
Alexandra Schörghuber (l) und OB Dieter Reiter. Unter anderem ist sie Stellvertretende Vorsitzende im Verwaltungsbeirat des FC Bayern München. © imago

Bayerische Hausbau hat sich aufgespalten

Die Unternehmen der Gruppe stützen sich gegenseitig, wie Kommunikationschef Bernhard Taubenberger sagt: "Die Vergangenheit – auch die jüngere – hat immer wieder gezeigt, dass die konjunkturell oder sondereffektbedingte Schwäche des einen Geschäftsfeldes durch eine überproportionale Stärke des anderen ausgeglichen wird."

In den Zehner-Jahren trug etwa das Immobiliengeschäft wesentlich das Ergebnis der SG, seit einigen Jahren übernimmt das jedoch die Paulaner-Gruppe. Trotz dieses Wandels sind laut SG seit jeher ihre Immobilienaktivitäten ihr finanzielles Fundament. Das dadurch erwirtschaftete Geld fließt demnach seit Jahrzehnten in den Bestand, in neue Immobilien und in zusätzliche Geschäftsfelder. Inzwischen ist die BHB in die zwei Schwestergesellschaften Real Estate und Development aufgeteilt, um flexibler auf die seit 2022 stotternde Immobilienkonjunktur zu reagieren.

Blick auf den Arabella Park: Der Name wurde von Josef Schörghuber vorgeschlagen, der seine Tochter auf den Namen Arabella taufen ließ und die Hotelkette mit dem Arabella-Hochhaus nach ihr benannte.
Blick auf den Arabella Park: Der Name wurde von Josef Schörghuber vorgeschlagen, der seine Tochter auf den Namen Arabella taufen ließ und die Hotelkette mit dem Arabella-Hochhaus nach ihr benannte. © Schörghuber Gruppe

Der Immobilienbestand im Wert von 3,3 Milliarden Euro trug mit 474,6 Millionen Euro zum Gesamtumsatz der SG von über zwei Milliarden Euro bei, die Development steuerte 55,6 Millionen Euro hinzu.

Tatsächlich steht die BHB in München für Gebäude, die jeder kennt: Von 1965 bis 1998 bebaute sie auf Schafweiden weit vor der Stadt den Arabellapark und verlieh der einstigen Brache das Gesicht, das heute jeder kennt: mit dem markanten Arabella-Hochhaus (eröffnet 1969), in dem sich unter anderem das Sheraton befindet.

Mieterverein: "Das treibt den Münchner Mietspiegel nach oben"

Ebenfalls im Immobilienbesitz der BHB sind absolute Filetstücke der Münchner Altstadt: wie der Lorenzistock des Alten Hofs (2006), die vom Brunnen aus gesehen rechte Seite des Stachus-Rondells, der Donisl sowie das Hugendubel-Haus am Marienplatz, die ehemalige Bayerische Staatsbank (Rosewood Hotel), das Joseph Pschorr Haus (gegenüber der Michaelskirche), das Aloft-Hotel Bayerstraße 35) und, und, und.

Ab 2017 riss die BHB außerdem das alte Paulaner-Betriebsareal am Nockherberg ab und baute es peu a peu in Wohneinheiten um. Seit 1954 ist das Unternehmen für den Bau von 1500 Reihenhäusern sowie Doppelhaushälften und rund 27.000 Wohnungen verantwortlich.

Inzwischen ist die Bayerische Hausbau (BHB) in die zwei Schwestergesellschaften Real Estate und Development aufgeteilt, um flexibler auf die seit 2022 stotternde Immobilienkonjunktur zu reagieren.
Inzwischen ist die Bayerische Hausbau (BHB) in die zwei Schwestergesellschaften Real Estate und Development aufgeteilt, um flexibler auf die seit 2022 stotternde Immobilienkonjunktur zu reagieren. © Schörghuber Gruppe

Das Referat für Stadtplanung sagte auf AZ-Anfrage: "Die Bayerische Hausbau leistet seit vielen Jahren einen wichtigen Beitrag zur Realisierung von dringend benötigtem Wohnraum."
Wegen der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) muss die BHB auch Wohnraum für den geförderten Bereich zur Verfügung stellen.

Für den Münchner Mieterverein zu wenig: "Wenn ein Unternehmen sich nicht bewusst entscheidet, günstige Mieten zu verlangen bzw. Wohnungen zu bauen, die günstig vermietet werden können, dann treibt das natürlich den Münchner Mietspiegel weiter nach oben." Und weiter: "Schön wäre es, wenn ein Münchner Traditionsunternehmen besonders sozial agieren würde."

Bayerische Hausbau: Fokus soll weiter auf München liegen

Der Münchner Markt bleibt ein wichtiges Standbein – laut Sprecher Taubenberger habe das Unternehmen eine "historisch gewachsene Expertise". Der Fokus soll deshalb weiterhin auf München liegen, wenngleich die Gruppe mehr Investitionen im Ausland plant. Der erste Schritt hierfür war der kürzliche Kauf einer Immobilie in London (AZ berichtete).

Das umsatzstärkste Unternehmen der Gruppe ist das bekannteste: Paulaner. 2024 knackte der Konzern, den die SG seit 2001 zusammen mit Heineken (30 Prozent) führt, erstmals die Milliarden-Marke und machte somit rund die Hälfte des Gesamtumsatzes der Gruppe aus. Laut Taubenberger kein Zufall: "Während der Gesamtmarkt in Teilen rückläufig ist, hat die Paulaner Brauerei Gruppe frühzeitig in die richtigen Hebel investiert."

Das umsatzstärkste Unternehmen der Schörghuber Gruppe ist das bekannteste: Paulaner. 2024 knackte der Konzern, den die SG seit 2001 zusammen mit Heineken (30 Prozent) führt, erstmals die Milliarden-Marke.
Das umsatzstärkste Unternehmen der Schörghuber Gruppe ist das bekannteste: Paulaner. 2024 knackte der Konzern, den die SG seit 2001 zusammen mit Heineken (30 Prozent) führt, erstmals die Milliarden-Marke. © Schörghuber Gruppe

Dazu gehören hochmoderne Produktionsstätten, optimierte Logistikstrukturen und eine Beobachtung des sich wandelnden Konsumverhaltens: der Trend weg von alkoholischen Getränken, den das Unternehmen mit alkoholfreien Bieralternativen und Spezi bespielt. 2024 hat Paulaner zwei Millionen Hektoliter Spezi produziert. Ein Goldesel.

Wenn man bedenkt, dass Paulaner 1974 nur rund 10.000 Mark an den Spezi-Erfinder und "Spezi"-Rechteinhaber, die Augsburger Brauerei Riegele, bezahlt hat, um fortan "Paulaner Spezi" vertreiben zu dürfen, kein schlechtes Geschäft, oder?

Gewerkschaft: Paulaner ist "guter Arbeitgeber"

Der Bayerische Brauerbund begründet den Erfolg mit klarer Markenführung und der Fokussierung auf nationale und internationale Wachstumsmärkte. Seit 2015 hat Paulaner seinen Auslandsabsatz fast verdoppelt, vor allem in China wuchs der Markt im vergangenen Jahr.

SG-CEO Florian Schörghuber (31), der das Unternehmen seit Oktober 2024 als Sohn von Stefan und Alexandra Schörghuber in dritter Generation führt, sagt zum heutigen Paulaner-Erfolg: "Vor fünf Jahren haben wir die Weichen für unsere Zukunft neu gestellt – bewusst und mit dem Mut, auch unbequeme Entscheidungen zu treffen."

SG-CEO Florian Schörghuber (31) führt das Unternehmen seit Oktober 2024 in dritter Generation als Sohn von Stefan und Alexandra Schörghuber.
SG-CEO Florian Schörghuber (31) führt das Unternehmen seit Oktober 2024 in dritter Generation als Sohn von Stefan und Alexandra Schörghuber.

Tim Lünnemann, Geschäftsführer der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG), versichert der AZ, dass im Zuge dessen kein Personal abgebaut worden sei. Sowohl die NGG als auch der Betriebsrat seien in den Umstrukturierungsprozess stets eingebunden gewesen.

Lünnemann lobt, dass die Familie Schörghuber sich mit der neuen Brauerei in Langwied an den Standort München gebunden habe. "Es gibt genug Beispiele, wo in München Betriebe abwandern und eben keine neuen Arbeitsplätze schaffen." Die NGG hält Paulaner daher für einen "guten Arbeitgeber" in der Branche.

Im Hotelbereich nimmt man jetzt Italien ins Visier

Am besagten Standort in Langwied konnte die Paulaner-Brauerei-Gruppe den Wasserverbrauch laut eigenen Angaben um 30 Prozent senken und produziert durch zwei Blockheizkraftwerke und Photovoltaik-Anlagen 50 Prozent ihres benötigten Strom selbst.

Als eine der großen Münchner Brauereien hat sie freilich auch ein eigenes Festzelt auf der Wiesn, das Josef Schörghubers Tochter Arabella und ihr jetzt Ex-Mann Peter Pongratz 2004 als Wirtepaar übernahmen und jahrelang gemeinsam führten. Nach der Scheidung 2018 betrieb Arabella Schröghuber das Festzelt bis 2025 allein – ihre Ankündigung, aufhören zu wollen, war ein Paukenschlag in der Geschichte der Wiesn.

Ihre Nachfolger werden Lorenz und Christine Stiftl. Sie führen ebenfalls die Traditionsgaststätte "Zum Spöckmeier" weiter, die zuvor von Schörghuber und ihren Kindern Ramona und Alexander Pongratz betrieben wurde.

NGG: "Es ist ein offenes Geheimnis, dass man lieber im Arabellahaus arbeitet"

Die drittstärkste Sparte ist der Hotelbereich mit einem Umsatz der Arabella Hospitality von 307,3 Millionen Euro. Hier arbeitet die SG eng zusammen mit Marriot International und Rosewood Hotels & Resorts – etwa beim Rosewood Munich. Das Fünf-Sterne-Plus-Luxusresort in der Kardinal-Faulhaber-Straße gilt als eines der teuersten Hotelprojekte Münchens.

Das Rosewood Munich gehört zur Hotelsparte der Schörghuber Gruppe. Das Fünf-Sterne-Plus-Luxusresort in der Kardinal-Faulhaber-Straße gilt als eines der teuersten Hotelprojekte Münchens.
Das Rosewood Munich gehört zur Hotelsparte der Schörghuber Gruppe. Das Fünf-Sterne-Plus-Luxusresort in der Kardinal-Faulhaber-Straße gilt als eines der teuersten Hotelprojekte Münchens. © Schörghuber Gruppe

Für NGG-München-Chef Lünnemann hebt sich Arabella Hospitality als Arbeitgeber in einer Branche mit vielen schwarzen Schafen deutlich ab. Etwa durch eine Einhaltung der Tarifverträge bei der Bezahlung und Deckelung von Überstunden. "Es ist ein offenes Geheimnis, dass man lieber im Arabellahaus arbeitet als in manch anderem Hotel in München."

Auch im Hotelbereich geht die SG bei ihrer Investment-Strategie behutsam vor: Der Fokus liegt deshalb auf den bisherigen Kernmärkten Deutschland, Österreich, die Schweiz und Spanien. In der näheren Zukunft will die Gruppe aber auch Italien in den Blick nehmen.

Das in München – logischerweise – am wenigsten präsente Geschäftsfeld ist die Lachszucht in Chile: Mit der erzielte die SG einen Umsatz von 221,2 Millionen Euro. Die Fische verkauft das Unternehmen an Einzelhändler in den gesamten USA.

Mit der Lachszucht erzielte die Schörghubergruppe einen Umsatz von 221,2 Millionen Euro.
Mit der Lachszucht erzielte die Schörghubergruppe einen Umsatz von 221,2 Millionen Euro. © Schörghuber Gruppe

Wenngleich die SG ihre Unternehmen nach ihren Leitprinzipien ausrichtet, ist ein wichtiger Pfeiler des Erfolgs auch die Eigenständigkeit der jeweiligen Sparten. Kommunikationschef Taubenberger sagt: "Unsere Konzerngesellschaften kennen ihre Märkte sowie ihre Kundinnen und Kunden am besten und sind dadurch in der Lage, schnell und erfolgreich auf Veränderungen zu reagieren."

CEO Florian Schörghuber hat deshalb 2022 angestoßen, dass die Unternehmen unabhängiger von der SG arbeiten können.

Ziel für die Zukunft: Investments in weitere Geschäftsfelder ausweiten. Florian und Alexandra Schörghuber setzen damit das fort, was der legendäre Gründer Josef ins Rollen brachte.

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