"Das ist doch verrückt": Wut über Tierparkbrücken-Sanierung hat Konsequenzen

Die Tierparkbrücke soll 2027 für zwei Jahre komplett für motorisierten Verkehr gesperrt werden. Ein Bürger droht Stadt mit Klage wegen "unverhältnismäßiger Einschränkung der Mobilität" in den Vierteln Thalkirchen, Untergiesing, Harlaching und Sendling. Und auch im Rathaus werden weiter Nachbesserungen gefordert.
Felix Müller
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Eva von Steinburg
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Die rote "Tierparkbrücke" über die Isar wird saniert. Anwohner befürchten ein Stau-Chaos.
Die rote "Tierparkbrücke" über die Isar wird saniert. Anwohner befürchten ein Stau-Chaos. © Daniel von Loeper

Es gibt morsche Stellen im Holz, das zeigen Fotos des Baureferats. Darum wird eine wichtige Münchner Brücke neu gebaut. Obwohl pro Tag 10.000 Autos, Motorräder und Radler über die Tierparkbrücke in Thalkirchen rollen.

1991 war der Bau der kunstvollen roten Holz-/Stahl-Konstruktion abgeschlossen worden. 2027 wird die historische Holzkonstruktion umfassend saniert und die Brücke verbreitert (AZ berichtete).

Morsches Holz an der Tierparkbrücke: Die Schäden hat das Baureferat den Lokalpolitikern in den Vierteln auf Fotos präsentiert.
Morsches Holz an der Tierparkbrücke: Die Schäden hat das Baureferat den Lokalpolitikern in den Vierteln auf Fotos präsentiert. © privat/LH München

Vollsperrung ist "unvermeidlich"

Die Generalinstandsetzung sei "unerlässlich". Eine zweijährige Vollsperrung der Thalkirchner Brücke ist "unvermeidlich", informiert das Baureferat die Politiker in den betroffenen Vierteln.

Ein Münchner Bürger und AZ-Leser, der seinen Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte, äußert jetzt "erhebliche Bedenken" wegen der Auswirkungen auf den Verkehr: "Droht im Münchner Süden ohne Ersatz-Lösung der Verkehrskollaps?", möchte er von den Experten im Baureferat wissen.

Von der Sperrung hat er aus der Zeitung erfahren. Die meisten Bürger in Thalkirchen, Untergiesing, Harlaching und Sendling haben jedoch noch nicht mitbekommen, was mit Brücken-Baustelle und Sperrung an Einschränkungen auf sie zukommt.

Das Münchner Baureferat hat die Planung gerade erst den Lokalpolitikern der Bezirksausschüsse vorgestellt. Im Herbst stimmt der Stadtrat darüber ab.

Münchner erwägt juristische Schritte gegen die Stadt

Doch der empörte AZ-Leser jedenfalls erwägt juristische Schritte gegen die Stadt. Eine zweijährige Vollsperrung für den motorisierten Verkehr hält er für "schlecht durchdacht", Stau und Stillstand auf den Ausweichbrücken würden zum "Kollaps" führen.

Die Forderung: Eine Ersatzquerung für den motorisierten Verkehr während der zweijährigen Vollsperrung für Autos und Motorräder.
Die Forderung: Eine Ersatzquerung für den motorisierten Verkehr während der zweijährigen Vollsperrung für Autos und Motorräder. © Daniel von Loeper

Vollsperrungsgegner erlebt jetzt schon "Stillstand" auf Ausweichrouten

"Ich bin kein Wutbürger, aber diese Planung ist sehr obskur und merkwürdig. Die Ausweichrouten über die Brudermühlbrücke auf dem Mittleren Ring und die einspurige Grünwalder Brücke seien zu Stoßzeiten stark ausgelastet und es kommt wiederholt zu erheblichen Verkehrsbehinderungen bis hin zum vollständigen Stillstand", schreibt der Vollsperrungs-Gegner. Weiter meint er: "Ich bin irritiert, dass parallel so viele Baustellen in der Stadt starten."

Wurde eine Ersatz-Querung über die Isar ausreichend geprüft?

Es müsse bessere Alternativen geben, fordert der Mann: "Wurde eine temporäre Ersatzquerung für den motorisierten Verkehr geprüft?", fragt er in seinem langen Fragenkatalog das Baureferat. Auch an Krankentransporte in Kliniken nach Thalkirchen denkt er: "Wurde geprüft, ob durch die geplante Maßnahme eine unverhältnismäßige Einschränkung der Erreichbarkeit einzelner Stadtteile oder eine relevante Beeinträchtigung von Einsatz- und Rettungsverkehren entstehen könnte?" Der Bürger fordert hier Transparenz.

Von der Behörde erwartet er bis 7. August eine schriftliche Stellungnahme.

Auf AZ-Anfrage teilt die Stadt zu dem Bürgeranliegen mit: "Diese Fragen sind Teil der weiteren Planungen und der verkehrlichen Untersuchungen."

Bei der Brückensanierung wird vor allem Wert gelegt auf: Kosteneffizienz, zügige Abwicklung, den Fußverkehr, der teilweise bleibt, die Erreichbarkeit des Tierparks und die Belange des Blauchlichtverkehrs (nach der Sanierung können Feuerwehrfahrzeuge die Brücke passieren), erläutert eine Sprecherin des Baureferats der Abendzeitung.

Ludwig Weidinger (CSU), BA-Chef von Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln.
Ludwig Weidinger (CSU), BA-Chef von Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln. © privat

"Ausführlich vorgetragen und erklärt" hat der Bezirksausschuss Thalkirchen die Sanierungs-Planung des Baureferats "mit Wohlwollen" aufgenommen: "Die Sperrung ist alternativlos. Holz hat nach 30 Jahren seine Lebensdauer erreicht. Gut ist, dass die Tragfähigkeit verbessert wird. In Zukunft können auch große Rettungsfahrzeuge der Feuerwehr über die Isar", sagt Ludwig Weidinger (CSU).

Dem BA-Chef von Thalkirchen gefallen die Bemühungen des Baureferats "die Brücke zeitweise für Fußgänger offenzuhalten". Aber klar, Autofahrer hätten jetzt das Nachsehen. Neue Busse, vom Marienplatz und vom Candidplatz, sollen die Zoo-Besucher weiterhin bringen.

"Die Sperrung wird schon eine große Umstellung für die Thalkirchner. Aber das ist halt so", sagt der CSU-Mann pragmatisch. Er selbst fährt fast nur Radl. Sein eigenes Auto hat er dieses Jahr erst dreimal betankt, erzählt er der AZ.

Zwei Jahre Bauzeit finde ich verrückt! Wir sind so lahmarschig.

Seine BA-Kollegin im Nachbarbezirk, Anais Schuster-Brandis, BA-Chefin von Untergiesing-Harlaching, findet die lange Bauzeit von zwei Jahren für die Sanierung der Thalkirchner Brücke "verrückt!". Die BA-Chefin von Untergiesing-Harlaching schimpft: "Das ist viel zu lang. Wir sind ja so lahmarschig...". Doch ihre Stellvertreterin Heike Kraemer (SPD) informiert: "Es muss gemacht werden, sonst wird die Brücke gesperrt, weil sie nicht mehr sicher ist."

Ein Kunstwerk, das ertüchtigt wird, in seiner Tragfähigkeit: die interessante Unterkonstruktion der Thalkirchner Brücke aus Holz und Stahl.
Ein Kunstwerk, das ertüchtigt wird, in seiner Tragfähigkeit: die interessante Unterkonstruktion der Thalkirchner Brücke aus Holz und Stahl. © Daniel von Loeper

Für ihr Viertel Untergiesing und Harlaching sei die Sperrung "hart". Für Radler sind als Ausweichrouten über die Isar Flauchersteg und Marienklausensteg relativ weit weg. "Das ist ein 20-Minuten-Umweg, der für Fußgänger einfach zu weit ist", seufzt die Sinologin Heike Kraemer.

Heike Kraemer (SPD), stellvertretende Vorsitzende des BA Untergiesing-Harlaching.
Heike Kraemer (SPD), stellvertretende Vorsitzende des BA Untergiesing-Harlaching. © privat

Sorge vor mehr Verkehr in Untergiesings Zubringerstraßen

Zudem befürchtet sie, dass der Verkehr auf Zubringerstraßen wie der Schönstraße in Untergiesing und der Grünwalder Straße stark zunimmt. Einen Kollaps im Münchner Süden befürchtet sie jedoch nicht.

Ihr leuchtet die Erklärung der Stadt ein: Eine temporäre Behelfsbrücke als Alternative sei zu teuer und würde die Natur am Isarufer schädigen. "Es muss für die Natur verträglich sein", sagt die SPD-Frau.

Der Eingang zum Münchner Tierpark Hellabrunn am Ende der Thalkirchner Brücke.
Der Eingang zum Münchner Tierpark Hellabrunn am Ende der Thalkirchner Brücke. © Daniel von Loeper

Auch im BA Sendling hat das Baureferat das große Sanierungsprojekt vorgestellt. Bezirksausschuss-Vorsitzende Tini Hesse (Grüne) sagt: "Ich finde es großartig, was die Verwaltung alles mitgedacht hat. Sie hat eingeplant, die Brücke für Fußgänger zu öffnen, wenn die neuen Pandas im Zoo ankommen. Einfach phänomenal, wie viel Akteure bedacht sind."

Unterdessen soll das Thema auch im Rathaus wieder auf die Tagesordnung kommen. Am Dienstag stellte die CSU einen Stadtratsantrag, sie fordert weitere Nachbesserungen bei der Planung. "Zwei Jahre Vollsperrung sind zu lang", heißt es aus der Fraktion.

"Missmanagement darf sich nicht wiederholen"

Eine Behelfsbrücke für Fußgänger steht als Forderung bereits im Raum, nun soll die Dauer der Bauarbeiten noch mal überprüft werden. Außerdem drängt die CSU darauf, die Auswirkung auf die Anfahrtswege für Rettungskräfte genauer unter die Lupe zu nehmen.

Und: sicherzustellen, dass parallel keine Bauarbeiten auf Alternativrouten stattfinden (mit Parallelbaustellen sind die Münchner ja aktuell gebrannte Kinder). "Ein solches Missmanagement darf sich bei der Tierparkbrücke nicht wiederholen", sagte CSU-Stadtrat Andreas Babor am Dienstag. "Ein zwei Jahre andauerndes Verkehrschaos muss unbedingt vermieden werden." Sein Kollege Jens Luther regt an, eine "provisorische Querung zumindest für kleine Rettungsfahrzeuge" zu prüfen.

Brücke wird einmal "durchgeschnitten"

Die historische Thalkirchner Brücke wird übrigens auf 18 Meter verbreitert und tragfähiger gemacht: Dafür werden erst die Betonfundamente in der Isar verlängert. Dann wird die (197 Meter lange) Brücke in der Mitte durchgeschnitten. Sie erhält mittig ein Gerüst aus Stahl – und beide Seiten werden auseinandergeschoben. Das Ergebnis laut Baureferat: "So bleibt das optische Erscheinungsbild nahezu gleich."

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  • tutnixzursache vor einer Minute / Bewertung:

    Das ist die Krankheit unserer Zeit. Gegen alles erst mal Klagen, damit verzögert und verteuert man die ganze Sache nur.

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  • 1Muenchner vor 2 Minuten / Bewertung:

    Die Hamburger haben die neue Sternbrücke einfach auf einem Parkplatz gebaut und dann an die Einsatzstelle transportiert. Damit konnten die Einschränkungen minimal gehalten werden. Im Bereich der Tierparkparkplatzes wäre auch Platz.

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  • MüKi vor 10 Minuten / Bewertung:

    Wie wärs denn mit einer Behelfsbrücke??? Bei der Megabaustelle Kreuzhofbrücken baut man auch Behelfsfahrbahnen für den Autoverkehr - aufwendig. Für den Gasteig baut man ein Millionenteueren Ersatzspielort - gut so - aber ohne den hätten wir auch "überlebt" und eine Behelfsüberquerung ist zu teuer? Und die Natur verträgt das nicht? Was entstehen denn für Kosten durch 2 Jahre Verbindungsunterbrechung und Umleitungsverkehr - die dürften immens sein. Und die Natur kann man so gut wie es geht schützen und dann wieder so gut wie es geht herstellen - die Natur an anderer Stelle hälts auch nicht aus wenn der Umleitungsverkehr massive Zusatzstaus verursacht und irgendwie gehört der Mensch auch immer noch zur Natur - und der hälts nicht aus wenn er 2 Jahre lang an der Stelle nicht mehr die Isar queren kann. Wenn man beim Naturschutz an der Isar so konsequent denken tät dann müßt man die vielen Menschen dort vertreiben die immer exzessiver feiern mit lauter Beschallung und allem drum und dran

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