"Damit wird München Rüstungshauptstadt": Panzer-Bauer in Allach vergrößert sich
In Allach im Münchner Nordwesten gibt es nicht nur viele Einfamilienhäuser, viele Gärten, viel Grün. Es gibt dort auch eine Panzer-Teststrecke des Rüstungskonzerns KNDS, den viele noch unter dem Namen Krauss-Maffei Wegmann kennen dürften. Anwohner schimpfen schon so lange, dass bei ihnen daheim die Gläser in den Schränken klirren, wenn auf der Teststrecke die Panzer rollen.
Nun will KNDS sein Betriebsgelände um mehr als 16 Hektar vergrößern. Der Stadtrat hat am Mittwoch im Planungsausschuss zugestimmt, dass das Planungsreferat dafür einen Bebauungsplan aufstellt. Auch die Grünen und ihr OB Dominik Krause sind dafür – obwohl ihre Leute im Bezirksausschuss vor Ort in Allach die Erweiterung ablehnen.
Falk Lamkewitz von den Grünen im Allacher Bezirksausschuss hat die Bedenken in einem Brief zusammengefasst: Er sieht nicht nur die Versiegelung der Flächen kritisch. Er erinnert auch daran, dass dort die vom Aussterben bedrohte Wechselkröte heimisch ist. Außerdem fürchtet er, dass der Schall an den neuen Gebäuden reflektiert wird – und so die Belastung für die Anwohner steigt.
"Wir machen es uns nicht leicht, der Erweiterung zuzustimmen", sagte Grünen-Stadtrat Florian Schönemann im Ausschuss. Doch es sei besser, eine bestehende Produktion zu erweitern, als irgendwo ganz anders eine neue aufzubauen. Die Planungen stünden nun noch ganz am Anfang, sagte Schönemann und gab sich sicher, dass sich alles miteinander vereinbaren lasse: die Nachbarschaft, der Naturschutz, der Lärmschutz, die Sicherung von Industrie-Arbeitsplätzen. Die sind auch der SPD wichtig, wird in der Debatte deutlich.
Darum lehnen ÖDP und Linke das Ganze ab
Nur ÖDP und Die Linke stimmten gegen die Erweiterung. Nicht nur aus ökologischen, auch aus politischen Gründen. Mit diesem Beschluss werde München zur "Rüstungshauptstadt" ausgebaut, sagte Linken-Stadtrat Christian Schwarzenberger. "Das lehnen wir ab. Eine weltoffene Kulturmetropole darf nicht zum industriellen Herzstück für Kriegsmaschinerie und Leid auf der ganzen Welt werden."
Es sei unverantwortlich, einen Rüstungsbetrieb mitten in einem dicht besiedelten Wohngebiet zu erweitern, sagt ÖDP-Stadtrat Johann Sauerer. An die Grünen gerichtet sagte er außerdem, dass er ihre Haltung – wo sie sich doch einst als Friedenspartei gründeten – nicht nachvollziehen könne.
Diese Kritik schien OB Dominik Krause recht wenig zu berühren: "Ich kann mich nur wundern, wie andere ihre Position nicht verändern – angesichts eines Angriffskriegs in der Ukraine." Gerne vermittle er ein Gespräch mit Münchens Partnerstadt Kiew, wo die Rüstung dem Schutz der Bevölkerung diene. Die Debatte im Stadtrat war damit beendet. Ob sie das auch bei den Grünen ist?
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