Daheim essen wie im Restaurant: Zwei italienische Schwestern machen es für Münchner möglich
"In unserer Familie war die Küche immer ein Spiel", erzählen Natalie und Marisa Bruno. Ihre Mutter ist Schwäbin, ihr Vater Italiener. "Kochen war bei uns etwas, das Spaß macht." Die Schwestern kamen in der Nähe von Stuttgart auf die Welt und wuchsen später in den Abruzzen auf. Zum Studium verschlug es beide nach München, sie verliebten sich in die Stadt. Die eine ist Architektin, die andere Apothekerin. Aber die Liebe zur traditionellen italienischen Küche ist ihr Leben.
In ihrer Freizeit veranstalteten Natalie und Marisa Bruno gerne ausgiebige italienische Kochrunden im Freundeskreis, sie bereiteten gemeinsam Pasta und viele andere italienische Gerichte zu. Da sei ein soziales Miteinander entstanden, das es im Lokal nicht gibt.

Zu Hause essen ist viel entspannter als im Restaurant.
"Wenn ich mich mit Freunden im Restaurant treffe, habe ich vielleicht zwei Stunden Zeit. Die gehen meist viel zu schnell vorbei und man hat sich gar nicht alles erzählt", stellt Natalie fest. Daheim kochen sei viel ungezwungener. "Wenn man den Leuten dann auch noch den Kochstress nimmt, wird es noch entspannter."
Obwohl beide keine ausgebildeten Köchinnen sind, haben sie das Handwerk im Blut. Ihre Oma hat ihnen von klein auf gezeigt, wie man frischen Pastateig herstellt, mit einem Nudelholz ausrollt und anschließend die verschiedenen Nudelsorten formt. Natalie hat außerdem eine Kochschule in Bologna besucht und ist heute Expertin in Sachen Teigwaren. Marisa kümmert sich um Vorspeisen und Desserts. Sie ist diejenige, die immer fokussiert ist und ruhig bleibt. Ein eingespieltes Duo, wie es nur Schwestern sein können.

Voriges Jahr haben die beiden ihre Jobs aufgegeben, seitdem widmen sie sich ganz ihrem Unternehmen "Le Sorelle Bruno" – und kochen Vier-Gänge-Menüs für andere.
"Wir bringen nicht nur Boxen und verdrücken uns dann wieder."
Das Besondere: Sie kommen zu ihren Kunden nach Hause, sind aber keine klassische Catering-Firma. "Wir bringen nicht einfach Boxen mit lauwarmem Essen und verdrücken uns dann wieder", sagt Marisa. Die Schwestern informieren sich vorher genau, wie die Küche ihrer Kunden beschaffen ist. Ob es einen Ofen gibt, genügend Herdplatten, ein paar Schneidebretter und eine Arbeitsfläche. Ein bisschen Platz im Kühlschrank muss frei sein und dann legen die beiden los.

Einen Teil der Speisen, etwa die frische Pasta bereiten sie in einer Profi-Küche in ihrer Nachbarschaft vor. Ab zehn Personen kann man die Schwestern buchen. Und dann werkeln Natalie und Marisa in der Küche ihrer Kunden, lassen sich über die Schulter schauen, servieren die einzelnen Gänge am Tisch, erzählen Geschichten aus ihrer Heimat und beantworten Fragen. Je nach Menü kostet das zwischen 110 und 150 Euro pro Person. Dafür bekommen die Gäste ganz klassisch eine Vorspeise, handgemachte Pasta, ein Hauptgericht und ein Dessert. Traditionell ist der Secondo in Italien immer noch ein Fleischgericht, die Sorelle bereiten aber auch vegetarische Varianten zu.
Beim AZ-Besuch kommt Natalies Maschine für Pasta alla Chitarra zum Einsatz. Die Nudeln sind lang wie Spaghetti, aber eckig geformt und baden anschließend in einem frischen Sugo aus Paprika, Knoblauch und Tomaten. Mit dem Sugo wird auch der vegetarische Secondo, Polpette cacio e ova, serviert: Frittierte Käsebällchen mit Pecorino, Weißbrot, Ei und Petersilie.

Viele ihrer Kunden bestellen Gerichte, die in Deutschland weniger bekannt sind, etwa Gnocchetti Sardi, Nudeln in Muschelform mit Salsiccia-Soße oder Lesso Rifatto, doppelt geschmortes Rindfleisch, das in kleine Stücke geschnitten und mit Zwiebeln und mehr gekocht wird. Das Rezept kommt aus der Toskana. Die meisten Gerichte stammen aus Mittel- und Süditalien, viele aus den Abruzzen. Auch die Desserts sind handgemacht. Ob zum klassischen Tiramisu oder Zabaione-Mousse, sogar den Löffelbiskuit backen sie selbst.

Auf Wunsch servieren Le Sorelle Bruno auch einen Aperitif und den passenden Wein aus den Abruzzen dazu. Sie gehen erst, wenn der letzte Gang serviert und die Küche wieder sauber ist. Wie schön, dass es solche Schwestern jetzt für alle gibt.
- Themen:

