City-Shopping: Es weihnachtet nicht

Das Christkind lässt Münchens Einzelhändler heuer warten: Das Adventsgeschäft kommt nur schleppend in Gang. "Wir bräuchten ein bisschen Schnee", sagt Wolfgang Fischer vom Münchner Branchenverband Citypartner.
| Florian Zick
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Die Münchner Fußgängerzone am Freitagmittag: viele Menschen, aber relativ wenig Umsatz.
Petra Schramek Die Münchner Fußgängerzone am Freitagmittag: viele Menschen, aber relativ wenig Umsatz.

Das Christkind lässt Münchens Einzelhändler heuer warten: Das Adventsgeschäft kommt nur schleppend in Gang. "Wir bräuchten ein bisschen Schnee", sagt Wolfgang Fischer vom Münchner Branchenverband Citypartner.

München - Adventszeit ist Shoppingzeit - normalerweise. Aber heuer fällt die Bilanz der Münchner Geschäfte eher dürftig aus. "Das Christkind lässt bis jetzt noch viele Wünsche offen", sagt Bernd Ohlmann, Sprecher des Handelsverbands Bayern.

In der Regel macht der Münchner Einzelhandel in den Monaten November und Dezember etwa 2,1 Milliarden Euro Umsatz. Das ist ein Fünftel des Jahresgeschäfts. Aber so richtig locker sitzt der Geldbeutel dieses Jahr offenbar nicht.

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Als Grund haben die Experten vornehmlich das Wetter ausgemacht. Natürlich sei es ein bisschen billig, alles auf den Wettergott zu schieben, sagt Ohlmann. Aber bis auf ein paar Tage zwischen dem 1. und 2. Advent sei es nie klirrend kalt gewesen. Schals, Mützen und Handschuhe seien deshalb Ladenhüter. Bei Temperaturen um die zehn Grad seien die Leute zudem lieber noch mal zum Spazierengehen an den See gefahren, statt durch die Kaufingerstraße zu flanieren.

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So ein richtiges Weihnachtsgefühl sei deshalb bis jetzt auch noch nicht entstanden, sagt Ohlmann. Die weihnachtliche Deko, die Wohlfühl-Atmosphäre - all das, wodurch sich der Einzelhandel vom Online-Shooping abhebe, ziehe bislang nicht.

"Wir bräuchten ein bisschen Schnee", sagt Wolfgang Fischer vom Münchner Branchenverband Citypartner. Dann würde vielleicht auch der Verkauf von Wintersportartikeln anziehen. Momentan sei es bis auf 2500 Meter aber noch grün in den Bergen. "Da kommt keiner auf die Idee, sich neue Ski zuzulegen."

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Der Einzelhandel hofft, dass das Geschäft in den kommenden Tagen nun noch einmal anzieht. Mit 28 Tagen ist der Advent heuer besonders lang. Mehr ist kalendarisch gar nicht möglich. Bei vielen, vermutet Fischer, sei da psychologisch wohl der Eindruck entstanden: Ich habe ja noch Zeit.

Ohnehin beobachten die Fachleute einen Trend zum Last-Minute-Shopping. Vor allem Männer würden ihre Geschenke gerne auf den letzten Drücker besorgen. Bücher, Parfüms, Schmuck – vor allem die Klassiker gingen dann gut.

Auch Gutscheine werden mehr und mehr verschenkt. Bevor zum sechsten Mal in Folge Socken unterm Christbaum liegen, würden sich viele Leute eben so behelfen, sagt Fischer. Das verlängert auch das Weihnachtsgeschäft bis ins neue Jahr hinein.

Nach Weihnachten werden die Läden rappelvoll sein, prophezeit auch Ohlmann vom Handelsverband Bayern. Viele hätten bis Heilig-Drei-König frei, zudem sei wieder frisches Geld auf dem Konto.
Wie das Weihnachtsgeschäft wirklich gelaufen ist, lässt sich also erst Mitte Januar sagen.

Volle Stadt, leere Kassen

Die Innenstadt ist voll, kaum ein Durchkommen zwischen Marienplatz und Stachus. Trotzdem bleiben viele Kassen leer. Ein Grund: die milden Temperaturen.

"Wir machen die größten Umsätze mit dem Wintersport - wenn es kalt ist, läuft das Geschäft gut, wenn es warm ist, läuft es nicht gut", sagt Helmut Buchheimer, Einkaufsleiter bei Sport Schuster.

"Zufriedenheit hat sich noch nicht eingestellt. Wir spüren, dass weniger Touristen in die Stadt kommen und dass die Leute nicht so viel kaufen", sagt Thomas Seybold, Geschäftsführer von Kaufhof am Marienplatz. "Für die Winterartikel ist es nicht kalt genug und auch der Amoklauf im Juli hat eine Delle im Geschäft hinterlassen. Neu ist, dass mehr Gutscheine gekauft werden."

"Es läuft nicht schlechter als sonst, vielleicht sogar besser. Wir spüren die Treue vieler Kunden, viele kommen auch und sagen, dass sie bewusst nicht mehr bei Amazon bestellen", sagt Thomas Felber, Geschäftsführer der Buchhandlung Lentner, die drei Läden in München hat. "Natürlich spielt da die Buchpreisbindung eine Rolle, die Bücher kosten überall gleich viel."

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