Christian Ude: Der größte Gegner der SPD ist jetzt nicht Kristina Frank

Alt-OB Christian Ude analysiert am Abend der OB-Wahl, was da gerade passiert ist.
| Interview: Felix Müller
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Alt-OB Ude analysiert die Wahl. (Archivbild)
imago images / IPON Alt-OB Ude analysiert die Wahl. (Archivbild)

AZ: Herr Ude, eine Stichwahl Reiter gegen Frank: Das kam überraschend, oder?
CHRISTIAN UDE:
Ich habe die CSU nur noch nie so ratlos und hilflos erlebt. So schwach wirkte sie noch nie in einem Wahlkampf. Ich konnte mir plastisch vorstellen, dass sie von den Grünen überboten wird. Es ist aber auch jetzt kein Ruhmesblatt für die einst so stolze Münchner CSU. Ein knappes Prozent vor den Grünen zu liegen, die sie als Schmuddelkinder und "RAD-ikale" Politiker schmäht, das ist für die CSU eine ganz bittere Pille zu schlucken. Und: In der Stichwahl hat sie überhaupt keine Perspektive. Über 30 Prozent sind nicht aufzuholen.

Die Grünen waren bei der Landtagswahl stärkste Kraft in München. Jetzt bei der OB-Wahl nicht mal in der Stichwahl zu sein – das ist ein enttäuschendes Ergebnis, oder?
Nach dem wahnsinnigen Aufschwung ist das natürlich ein ernüchterndes Ergebnis für die Grünen. Die Bäume wachsen. Aber nicht in den Himmel.

Andererseits für einen Amtsinhaber, der in die Stichwahl muss, auch ein bitterer Vorgang. Haben wir in Wahrheit drei Wahlverlierer?
Es ist sicherlich nicht schön, der zweite amtierende Oberbürgermeister der Geschichte zu sein, der in die Stichwahl muss. Aber ich habe ja in einem Interview mit der Abendzeitung schon vor vielen Wochen darauf hingewiesen, dass die Verhältnisse nicht mehr vergleichbar sind mit früheren Jahrzehnten. Ich musste nur zehn Prozent mehr haben als die SPD auf Bundesebene, um die Stichwahl zu vermeiden. Heute sind da zig Prozent erforderlich. Die SPD ist nicht mehr in der Verfassung und hat nicht mehr so viele Anhänger mit fester Bindung, wie das in früheren Jahrzehnten der Fall war.

Die Stichwahl gewinnt Reiter sowieso. Es wird schwer, Leute zu motivieren, noch zu dieser Wahl zu gehen. Oder?
Das ist der größte Gegner von Dieter Reiter. Nicht die Gegenkandidatin, sondern eine leichtfertige Stimmung, dass das Rennen bei diesem Abstand eh gelaufen ist. So ganz stimmt das vor Stichwahlen natürlich nie. Es kann immer eine gefährliche Eigendynamik geben. Der Wahlkampfgegner der SPD ist der Irrtum, das Rennen sei gelaufen. Man muss die Kräfte mobilisieren.

Fürchten Sie, dass es in irgendeiner Form eine Wahlempfehlung der Grünen für Kristina Frank geben könnte? Die CSU dürfte versuchen, hinter den Kulissen Gespräche zu führen.
Wenn sich die CSU darum bemüht, würde sie ihr letztes bisschen Glaubwürdigkeit verlieren. Denn sie hat den ganzen Wahlkampf geführt gegen die "RAD-ikalen". Sie hat rot-grüne Fahrradpolitik fast schon in die Extremismus-Richtung geschoben. Sich jetzt um die Grünen zu bemühen, wäre absurd.

Rechnen Sie in den nächsten zwei Wochen noch mit ernsthaftem Wahlkampf – trotz Corona?
Es wird einen sehr reduzierten Wahlkampf geben. Man kann Inserate und soziale Netzwerke nutzen. Wahlkampf, wie man ihn gewöhnt ist, wird es aber nicht geben.

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