Chaotenklasse goes Theater: "Fack Ju Göhte - Se Mjusicäl" ab Januar in München

Im Januar bekommt München eine neue Musical-Bühne im Werksviertel: Hier wird "Fack ju, Göhte – se Mjusicäl" spielen. Jetzt wurden Raum und Team vorgestellt.
| Adrian Prechtel
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Die Darsteller von "Fack Ju Göhte - Se Mjusicäl".
dpa Die Darsteller von "Fack Ju Göhte - Se Mjusicäl".

München - Totalbaustelle, drei Grad Celsius, Werksviertel: Zur Präsentation von "Fack ju Göhte, se Mjusicäl" ist auch eine 7. Klasse in den ehemaligen Pfanni-Kartoffelspeicher eingeladen. "Cool, n’ Heizpilz", lobt ein Pubertier mit Baseballmütze. "Was verstehst’n Du von Pilzen? Ich brauch’ andere", sagt ein Klassenkamerad. Und man denkt: Das ist Realsatire, so wie es der geistreich treffende Siebenmillionenzuschauer-Film "Fack ju Göhte" vor vier Jahren war.

Jetzt aber sitzen hier die drei Musical-Autoren wie Schuljungen auf einer Bodenturn-Kiste. Kevin Schröder gibt gleich zu, den Kult-Film vor dem Text- und Kompositionsauftrag gar nicht gekannt zu haben. Nicolas Rebscher von der Band Lauter Leben fragte sich nach der Filmsichtung: "Musical? Wie soll das gehen?" Und Simon Triebel – von der Band Juli – ergänzt: "Ich finde 80 Prozent aller Musicals nicht so toll."

Nur Spaß? Nur die halbe Wahrheit!

Das aber scheint die richtige Ansatzweise zu sein, was der kleine Präsentations-Gig klar macht, in dem alle Klassiker der 10 b der Goethe-Gesamtschule zu Wort kommen und singen. Im Vorstellungs-Medley rappt, poppt und groovt es. Aber wer glaubt, dass hier nur purer Spaß ins Ohr geht, hat nur die halbe Wahrheit mitbekommen.

Denn – wie auch in der intelligenten Filmvorlage – sprechen gleich alle ihre Traumata und Träume an: Danger sieht sich schon rhythmisch ohne Job hartzen, Zeynep hat die Prinzessinnen-Disneymelodie drauf, Chantal spricht das Alkoholproblem zu Hause an und "will nur, dass alles gut geht!". Der gemobbte Jerome will "hier nur überleben", während Burak sich präpotent "Respekt" verschafft.

Emotionen durch Musik

Inhaltlich dreht sich viel um das Schulprojekt "Zukunftskapsel": Die Schüler schreiben auf, was sie einmal werden wollen und sich von der Zukunft erhoffen. Dann wird das verpackt und auf dem Schulgelände vergraben, um einmal nach Jahrzehnten ausgegraben zu werden – mit folgendem Realitäts-Check.

Stephan Jaekel von der Produktionsfirma Stage Entertainment erklärt, dass man andere Schwerpunkte als der Film von Bora Dagtekin setzten will: "Mit Musik kommen weitere Emotionsmöglichkeiten hinzu: So verstärken wir die Romeo-und-Julia-Theateraufführungsgeschichte. Und auch die Liebesgeschichte zwischen der Referendarin Lisi Schnabelstedt und Hochstapler-Lehrer Zeki Müller wird ausgebaut."

"Ich kann nicht versuchen, Herrn M’Barek nachzuahmen"

Einen der schwierigsten Parts hat Max Hemmersdorfer, der diese Zentralfigur spielen muss, den Ex-Häftling Zeki Müller, alias Sexidol und Teenieschwarm Elyas M’Barek. "Ich kann nicht versuchen, Herrn M’Barek nachzuahmen, sondern muss die Rolle in mir selbst finden. Und wenn die Show gut zieht, dann gebe ich gerne auch kreischenden Teenies Autogramme", sagt Hemmersdorfer, der selbst vom Schauspiel und nicht von einer Musical-Schule kommt.

Ab Mitte Dezember wird in der Halle für die Premiere am 21. Januar geprobt – ohne Unter- und Oberbühne, mit Betonpfeilerreihe in der Mitte: "Ja, die Halle ist kompliziert und muss deshalb auch mitspielen", sagt Jaekel: "Es wird intim, wir ziehen eine Galerie ein, auf der die Band live spielt und wo man in die Backstage-Bereiche reinschauen kann." Für zehn Jahre hat die Hamburger Stage Entertainment das Werk 7 gepachtet. Ein halbes Jahr mindestens soll "Fack ju, Göhte" die 699 Plätze füllen. Für danach haben wir aber noch viele andere Stücke in petto", meint Jaekel: "Es ist ein Langzeitengagement für München."

Karten gibt es bereits unter www.fackmusical.de. im Vorverkauf.

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