"Mit ihrem glorreichen Mobilitätsreferenten": So kämpft Münchens OB Dieter Reiter um seinen Rathaus-Chefsessel 

Nur noch zwei Monate bis zur Kommunalwahl. Beim Dreikönigstreffen der Münchner SPD im Hofbräukeller teilt OB Dieter Reiter gegen Rathaus-Grüne und CSU aus. Klar wird auch, welcher Referent ihn am meisten nervt.
Irene Kleber |
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Volles Haus beim Dreikönigstreffen der SPD im Hofbräukeller.
Vorne posiert OB Dieter Reiter (2.v.l) mit Bürgermeisterin Verena Dietl (l.), dem Chef der Münchner SPD Christian Köning (r.) und dessen Stellvertreterin Lena Odell.
Volles Haus beim Dreikönigstreffen der SPD im Hofbräukeller. Vorne posiert OB Dieter Reiter (2.v.l) mit Bürgermeisterin Verena Dietl (l.), dem Chef der Münchner SPD Christian Köning (r.) und dessen Stellvertreterin Lena Odell. © Daniel von Loeper

Kein grünes Zweiglein ziert den voll besetzten Hofbräukeller. Nur glänzend rote Christbaumkugeln hängen von den Deckenleuchtern beim Dreikönigstreffen der Münchner SPD, mit dem sie am 6. Januar stets das politische Jahr einläutet. Und der OB trägt Schwarz über seiner Jeans. Lauter könnte Dieter Reiter kaum signalisieren, dass er mit seinem grünen Bündnispartner im Rathaus wohl lieber nichts mehr am Hut haben will nach der Kommunalwahl am 8. März. Und für die nächsten sechs Jahre Amtszeit, die er anstrebt, wohl lieber mit den Schwarzen regieren würde?

Reiter will eine dritte Amtszeit schaffen

Nur noch 61 Tage bleiben, bis die Münchner ihren Oberbürgermeister und den Stadtrat neu wählen. Reiter, seit 2014 auf dem Rathaus-Chefsessel, will mit 67 Jahren eine dritte Amtszeit schaffen – mit möglichst viel Vorsprung vor seinen stärksten Konkurrenten, dem zweiten Bürgermeister Dominik Krause (Grüne) und Clemens Baumgärtner, dem OB-Kandidaten der CSU.

Oberbürgermeister Dieter Reiter am Rednerpult beim SPD-Dreikönigstreffen im Hofbräukeller.
Oberbürgermeister Dieter Reiter am Rednerpult beim SPD-Dreikönigstreffen im Hofbräukeller. © Daniel von Loeper

OB: "Balance, nicht Ideologie"

Und so läuft er sich in seiner Rede vor den Genossen im Saal gut eine Stunde lang warm für die letzte, heiße Phase des Wahlkampfs. Lobt seine "Führungskraft", Wohnungs-, Sozial-, Kultur- und Wirtschaftspolitik: "München ist stark, weil wir investieren, zusammenhalten, Verantwortung übernehmen. Ich will eine Stadt, die bezahlbar bleibt, Chancen schafft und niemanden zurücklässt. Dafür braucht es eine Politik der Balance, nicht der Ideologie."
Und holzt kräftig gegen beide, die Grünen und die CSU.

CSU – beim Wohnen "auf voller Linie versagt"

München stehe vor einer Richtungsentscheidung, sagt Reiter. Auf der einen Seite stehe die CSU, "die München seit Jahren versucht, schlecht zu machen“. Auf der anderen die Grünen, "die glauben, man könne eine Stadt regieren wie ein Uniseminar, mit Thesen, Moralin und maximaler Selbstgerechtigkeit. Beides ist gefährlich und beides schadet München".

Rote Christbaumkugeln für die Genossen: Beim Dreikönigstreffen der Münchner SPD ist der Hofbräukeller voll besetzt.
Rote Christbaumkugeln für die Genossen: Beim Dreikönigstreffen der Münchner SPD ist der Hofbräukeller voll besetzt. © Daniel von Loeper

Gerade beim Thema Wohnen ("in meiner Amtszeit sind in München fast 80.000 Wohnungen entstanden") habe die CSU "auf voller Linie versagt". Der Freistaat habe auch in München "Wohnungen verscherbelt und Mieter schutzlos zurückgelassen. Das ist eine historische Verantwortungslosigkeit. Eine Sünde, die nicht verjähren wird". Bei den Grünen werde "jeder Bau zum Glaubenskrieg, jede Planung ein Endlosverfahren, jede Verdichtung zum Tabu. So baut man keine Wohnungen, so verhindert man sie."

"Die Grünen mit ihrem glorreichen Mobilitätsreferenten"

Mehr "Balance" fordert Reiter in Sachen Verkehrspolitik. "Die CSU tut so, als gäbe es nur das Auto. Die Grünen tun so, als dürfe es das Auto nicht mehr geben." Ihm persönlich seien zwar "Schanigärten lieber als Parkplätze".

Ein Tisch voller Jusos beim Dreikönigstreffen der Münchner SPD im Hofbräukeller.
Ein Tisch voller Jusos beim Dreikönigstreffen der Münchner SPD im Hofbräukeller. © Daniel von Loeper

Unsäglich findet er es aber, Autofahrer zu "gängeln". Wie durch "Petz-Plattformen" gegen Gehwegparker, "weil die Grünen gemeint haben, mit ihrem glorreichen Mobilitätsreferenten, dass das eine gute Idee ist. So kann man mit den Bürgern nicht umgehen".

Stehender Applaus

Nach 64 Minuten Rede gibt es stehenden Applaus im Saal, in dem – wie beim vom Münchner SPD-Chef Christian Köning ausgerufenen "Familientreffen" – nicht nur eine Reihe altgediente Genossinnen und Genossen anzutreffen sind (wie die Ex-Bürgermeisterinnen Gertraud Burkert und Christine Strobl), sondern auch etlicher Nachwuchs von den Jusos.

Auch SPD-Urgestein Franz Maget (r.), der langjährige frühere Chef der Münchner SPD, ist zum Dreikönigstreffen gekommen – hier mit Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher.
Auch SPD-Urgestein Franz Maget (r.), der langjährige frühere Chef der Münchner SPD, ist zum Dreikönigstreffen gekommen – hier mit Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher. © Daniel von Loeper

"Gut war die Rede", befand am Ende Franz Maget, der langjährige frühere Chef der Münchner SPD (bis 2009). Aus seiner Sicht jedenfalls kämpferisch genug, um für den Wahlkampf-Schlussspurt gerüstet zu sein.

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  • Newi83 vor 2 Stunden / Bewertung:

    Die Grünen machen sich nicht wichtig, sie sind demokratisch gewählt.

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  • Newi83 vor 7 Stunden / Bewertung:

    Die StVO verbietet Gehwegparken. Wie oft denn noch? Der OB kann das weder tolerieren noch anordnen! Andernfalls begeht er Rechtsbruch. Das ist auch ohne Gericht offensichtlich. Die StVO fußt auf dem Straßenverkehrsgesetz.

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  • 1Muenchner vor 7 Stunden / Bewertung:
    Antwort auf Kommentar von Newi83

    Parken auf dem Gehweg ist eine Ordnungswidrigkeit. Die Verfolgung von Ordnungswidrigkeiten obliegt dem pflichtgemäßen Ermessen der Kreisverwaltungsbehörde. Die Behörde darf entscheiden, ob sie aktiv wird (Entschließungsermessen) oder wie sie reagiert (Auswahlermessen), statt bei jedem Verstoß zwingend handeln zu müssen (anders als bei Straftaten, Legalitätsprinzip).

    Dieses Ermessen muss pflichtgemäß ausgeübt werden, was bedeutet, dass der Sachverhalt ermittelt werden muss (Gehwegparken), keine sachfremden Erwägungen anstellt werden dürfen (politische Gründe), der Zweck der Ermächtigung beachtet werden muss (Verkehrssicherheit iFv Unfallzahlen), die Entscheidung verhältnismäßig sein muss.

    Offenbar kam die KVB hier zu dem Ergebnis, dass die Verkehrssicherheit und die Benutzbarkeit von Gehwegen bei 1,2m noch gegeben ist und toleriert das Parken auf Grund des Platzmangels. Auch wird viel Geld für Verkehrszeichen und Linien gespart (die möglich wären). Politische Gründe wären unzulässig.

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