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BMW sauer auf die Stadt: Lässt der Verkehr die Ausbaupläne platzen?

Eigentlich wollte BMW seinen Standort in München ausbauen. Doch der Verkehr sei ein Problem. Könnte der Konzern von seinen Plänen abrücken?
| Christina Hertel
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Dass die Stadt plötzlich doch keinen Tunnel mehr bauen will, habe BMW überrascht, sagt ein Verkehrsexperte des Konzerns.
Dass die Stadt plötzlich doch keinen Tunnel mehr bauen will, habe BMW überrascht, sagt ein Verkehrsexperte des Konzerns. © Tobias Hase/dpa

München - Drei Tage und 22 Stunden. So lange standen Münchner Autofahrer im vergangenen Jahr im Schnitt im Stau. Das erfasste ein Navi-Hersteller vor kurzem. Mit am längsten warteten Autofahrer in der Schleißheimer Straße im Norden Münchens. Da, wo in den nächsten fünf Jahren bis zu 15.000 Menschen hinziehen werden. Und da, wo BMW plant, zu wachsen. Bis 2050 könnten bei BMW 15.000 Arbeitsplätze entstehen.

Doch schlüssige Entscheidungen der Stadt, wie sie mit diesen Verkehrsströmen umgehen will, existieren noch nicht, sagt Tilman Haas, der bei BMW für die Verkehrsplanung zuständig ist. "Mir macht es Kopfzerbrechen, wie das eines Tages werden soll." Ähnlich klingt Rainer Großmann (CSU), der den Bezirksausschuss in Feldmoching leitet: "München droht im Verkehr zu ersticken."

Stadtrat verabschiedet sich nach Wahl von Tunnelplänen

Bis vor einem Dreivierteljahr dachten beide, es sei eine Lösung in Sicht. Die Stadt plante, an der Schleißheimer Straße einen Tunnel zur Autobahn zu bauen.

Doch dann war Kommunalwahl, die Grünen wurden die stärkste Fraktion, und der Stadtrat verabschiedete sich von den Tunnelplänen. Nicht nur an der Schleißheimer Straße, sondern auch an der Tegernseer Landstraße und der Landshuter Allee will die Stadt nun doch keine Tunnel bauen, obwohl sie lange daran plante.

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"Das hat uns damals sehr überrascht. Denn auf dieser Basis haben wir unsere Pläne ausgerichtet", sagt Haas von BMW. "Und natürlich haben wir uns nach der Abkehr von dem Tunnel gefragt, was das für das Wachstum unseres Standortes in München bedeutet.”

Denn dieser wird sich in den nächsten Jahren verändern: In Zukunft werden in München keine Benzin- und Dieselmotoren mehr gebaut. BMW will sich in seinem Werk auf Elektroautos konzentrieren und errichtet dafür eine neue Fabrik.

BMW steckt eine Milliarde in Forschungs- und Innovationszentrum

Die 1.000 Mitarbeiter, die heute in München am Band stehen, sollen umgeschult werden - oder ein Angebot an einem anderen bayerischen Standort bekommen. Denn Elektromotoren bestehen aus weniger Einzelteilen - und da braucht es auch weniger Menschen, die diese zusammenschrauben.

Die Infrastruktur, so lässt es sich heraushören, wenn man mit BMW spricht, könnte woanders besser sein. Eigentlich plante BMW seit Jahren, seinen Standort in München weiter auszubauen. Schon jetzt habe der Konzern etwa eine Milliarde Euro in den Ausbau seines Forschungs- und Innovationszentrums gesteckt, wo Ingenieure neue Fahrzeuge entwickeln.

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Natürlich stelle BMW diese Pläne nicht einfach wieder ein, meint Haas. "Doch wenn es in Zukunft darum geht, den Standort noch weiter auszubauen, benötigt es tragfähige Verkehrsinfrastrukturen, gerade auch für die Pendler und den Logistikverkehr."

Und eine solche Infrastruktur ist aus Sicht von BMW momentan nicht in Sicht: "Wenn wir in den Stadtrat reinhören, wie das gehen soll, klingen viele sehr ratlos", sagt Haas.

Bis 2038 wird der Großraum München auf 3,18 Millionen Einwohner wachsen

Mit ein paar Straßenbahnen, wie sie der Stadtrat gerade plant, lasse sich der Verkehr jedenfalls nicht bewältigen, da ist Haas sicher.

Denn nicht nur im Norden der Stadt wird an vielen Ecken gebaut, sondern auch in den umliegenden Kommunen. Bis 2038 wird der Großraum München auf 3,18 Millionen Einwohner wachsen. Davon geht das Bayerische Landesamt für Statistik aus. Schon jetzt pendeln täglich eine halbe Million Menschen zwischen Stadt und Umland hin und her.

Doch Arbeitsplätze entstehen vor allem außerhalb. Im Landkreis München kamen 58.000 Jobs in den vergangenen zehn Jahren hinzu. Inzwischen, das zeigen Analysen des Planungsverbands Äußerer Wirtschaftsraum München, ist der Landkreis sogar wirtschaftlicher als die Stadt: Bei der Arbeitsplatzdichte, aber auch beim Bruttoinlandsprodukt.

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