BMW-Fahrer mit Messer bedroht

Tatort Rindermarkt: Ein 33-Jähriger wollte laut Anklage ein Auto rauben. Doch der bestreitet eine solche Absicht. 
| John Schneider
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Ein Räuber? Paul G. kommt in Handschellen in den Saal.
jot Ein Räuber? Paul G. kommt in Handschellen in den Saal.

Tatort Rindermarkt: Ein 33-Jähriger wollte laut Anklage ein Auto rauben. Doch der bestreitet eine solche Absicht. 

München -  Wenn er das Auto hätte rauben wollen, dann hätte er doch wohl den Schlüssel an sich gebracht, sagt Paul G. (33, Name geändert) in Richtung Richterbank. Das macht zwar Sinn. Und doch gibt es Menschen, die glauben, dass der 33-Jährige am Morgen des 29. August 2015 am Rindermarkt einen BMW 318 (Wert 30 000 Euro) rauben wollte. Zu diesem Zwecke habe er den Fahrer des Wagens mit einem Messer bedroht und gerufen: Steig aus oder ich stech’ dich ab!“ Das hat die Staatsanwaltschaft ermittelt und den Kellner wegen versuchten schweren Raubes angeklagt.

Der Beschuldigte ist gut vorbereitet. Am ersten Prozesstag liest er aus einem Manuskript, das die Hintergründe der Tat erklären soll. Doch mittendrin kommen ihm die Tränen. Paul G. überlässt das Vorlesen seinem Anwalt Andreas Müller.

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Es ist tatsächlich eine lange und traurige Geschichte von Missbrauchserfahrungen in der Kindheit, Spiel- und Alkoholsucht, Gewalt, Gefängnis und scheiternden Beziehungen, die Müller und sein Mandant da vortragen.

Paul G. saß bis 2008 im Gefängnis, war danach wieder auf die Beine gekommen, hatte eine neue Arbeit gefunden, den Führerschein gemacht und eine Familie gegründet. Doch vier Jahre später brach alles wieder auseinander. Paul G. gibt zu, dass er damals mit einer anderen Frau angebändelt hatte.

Doch auch diese Beziehung scheiterte, dazu kam eine vorübergehende Arbeitslosigkeit, ein Unfall und eine Trunkenheitsfahrt – und Selbstmordversuche. Unter anderem habe er sich von einem Baukran stürzen wollen.
Auch am Tattag habe er sich umbringen wollen. Er habe viel Bier, Rum und Schnaps getrunken, einen Abschiedsbrief geschrieben und sei dann mit einem Küchenmesser losgezogen. Um sich die Pulsadern aufzuschneiden.

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Dazu kam es nicht. Paul G. erzählt, dass er am Rindermarkt den BMW sah und den den Fahrer verdächtigte, seinen Tabak gestohlen zu haben. Um nach diesem zu suchen, habe er den Mann bedroht, der dann mit dem Autoschlüssel das Weite gesucht habe.

Ein Indiz spricht aber eher für die Theorie vom versuchten Auto-Raub: Paul G. drückte den Start-Knopf des BMW. Auf die Frage nach dem Warum erklärt er wenig überzeugend: „Ich hatte so etwas noch nie gesehen.“

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