Bis zu 20 Millionen Euro: So teuer wird die Münchner Olympia-Bewerbung

München bewirbt sich für Deutschland für die Olympischen Spiele. Doch die Kosten soll die Stadt München nicht alleine tragen. Bayerns Ministerpräsident Söder will dafür sogar ein neues Gesetz schaffen.
Christina Hertel |
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Ministerpräsident Markus Söder (links) und OB Dominik Krause geben bekannt, wie es mit der Münchner Olympia-Bewerbung weiter geht.
Ministerpräsident Markus Söder (links) und OB Dominik Krause geben bekannt, wie es mit der Münchner Olympia-Bewerbung weiter geht. © Daniel Löper

So nah waren sich ein CSUler und ein Grüner selten: Auf der Wiesn sind Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und OB Dominik Krause (Grüne) Achterbahn gefahren – durch fünf Loopings, bis 30 Meter hoch, bis zu 90 km/h schnell. Die beiden hatten das versprochen für den Fall, dass München deutsche Olympia-Bewerberstadt wird.

An diesem Montagmittag, drei Wochen später, sitzen beide im Rathaus-Saal wieder wegen Olympia nebeneinander. Und Söder schwärmt immer noch: "Ich habe auch mit Ihrem Vorgänger zusammengearbeitet." Und dann zu Krause gerichtet: "Ihr persönlicher Einsatz ist einfach toll. Das hat mich sogar so beeindruckt, dass ich fünf Loopings gefahren bin." Doch jetzt gehe es ans Arbeiten.

Markus Söder gerät sich bei einer Pressekonferenz im Rathaus richtig ins Schwärmen, wenn er von Krauses Einsatz für Olympia spricht.
Markus Söder gerät sich bei einer Pressekonferenz im Rathaus richtig ins Schwärmen, wenn er von Krauses Einsatz für Olympia spricht. © Daniel von Loeper

Ganz konkret haben die beiden zur Pressekonferenz in den Rathaus-Saal geladen, um zu erklären, wie es nun mit der Münchner Olympia-Bewerbung weitergeht.

Im Frühjahr 2027 steht die nächste große Entscheidung an

Die nächste große Entscheidung steht im Frühjahr an, so erklärt es Krause. Dann gibt das IOC bekannt, mit welchen Austragungsstätten es in einen "strategischen Dialog" eintritt.

Indien, Katar, Südkorea, Budapest und Istanbul nennt Krause als weitere Bewerber. "Das ist durchaus eine starke Konkurrenz." Die Entscheidung, wo Olympische Spiele 2036 stattfinden werden, soll 2029 fallen.

Die Strukturen, die Bewerbung voranzubringen, müsse München aber schon jetzt schaffen, schildert Krause. Am Mittwoch in der Vollversammlung soll der Stadtrat genehmigen, eine neue Stabstelle für die Olympia-Bewerbung zu gründen. Diese soll am OB-Büro angesiedelt sein.

Drei befristete Stellen soll der Stadtrat dafür bewilligen. Jährlich, bis zum Abschluss der Bewerbung Ende 2029, sollen dafür rund 350.000 Euro anfallen.

ÖDP: "Überall wird gespart"

Von der ÖDP kommt dafür Kritik: "München steckt mitten in einer Haushaltskrise. Überall wird gespart, Leistungen werden gekürzt und wichtige Projekte gestrichen", sagt ÖDP-Chef Tobias Ruff. Die Personalkosten hält er für völlig überzogen. "Es kann nicht sein, dass bei der Daseinsvorsorge jeder Euro dreimal umgedreht wird, während für Olympia offenbar andere Maßstäbe gelten."

Und tatsächlich bedeutet die neue Stabsstelle nicht das Ende der Kosten. Wenn das IOC mit München in den "strategischen Dialog" eintritt, soll eine Bewerbergesellschaft gegründet werden. Insgesamt soll die Bewerbung zwischen 15 und 20 Millionen Euro kosten. Dieser Betrag soll laut Krause "gerecht aufgeteilt werden" – also zwischen der Stadt, dem Freistaat, dem Bund und dem DOSB. Für die Stadt sollen alleine im Jahr 2027 1,78 Millionen Euro für die Bewerbung anfallen. Außerdem sollen dann noch zwei weitere befristete Stellen geschaffen werden.

Die Olympia-Bewerbung werde damit deutlich günstiger als die gescheiterte für das Jahr 2018, die rund 30 Millionen Euro kostete, schildert Krause.

Bewerbungskosten sind das Eine – Umsetzungskosten das Andere

Doch warum sollte diese Olympiabewerbung so viel billiger sein – wo doch in den vergangenen Jahren alles andere viel teurer geworden ist? Krause erklärt das so: Anders als 2018 fange die Stadt nicht bei Null an. Auch wenn die Bewerbung scheiterte, nehme die Stadt auch Planungen von damals als Grundlage.

Allerdings ist es mit den reinen Bewerbungskosten noch lange nicht getan: München muss für Olympia den ÖPNV ausbauen, ein Olympisches Dorf schaffen, seine Sportstätten sanieren. "Wegen Olympia wird es keine Kürzungen an anderer Stelle geben", verspricht Krause. Nicht bei der Kultur, nicht im Sozialen. Nur: Wo soll das ganze Geld dann herkommen?

Zumindest Ministerpräsident Söder verspricht Hilfe: "München macht das Konzept, wir geben den Rückhalt", so beschreibt er die Rollenverteilung bei Olympia.

Beim Geld bedeutet das: Schon jetzt gebe der Freistaat Garantien für Olympia ab. Etwa für die Verkehrsinfrastruktur brauche es eine Sonderförderungen durch den Freistaat Bayern und vor allem auch durch den Bund.

Söder: "Ein eigenes bayerisches Olympia-Gesetz"

Auch rechtlich soll sich etwas ändern: "Wir werden ein eigenes bayerisches Olympia-Gesetz auf den Weg bringen", kündigt der Ministerpräsident an. Dieses soll die Planungen beschleunigen, das Baurecht und das Vergaberecht sollen für Olympia vereinfacht werden. Klagemöglichkeiten sollen eingeschränkt werden.

Auch der Bund müsse seine Gesetzgebung für Olympia anpassen: "Auch hier müssen Rechtswege für Olympia beschleunigt werden", sagt Söder.

Und tatsächlich ist Tempo notwendig: Denn der Ministerpräsident lässt durchblicken, dass er von Seiten der Sportwelt gehört habe, dass die Chance, dass der Olympia-Zuschlag nach Europa geht, 2036 größer sei als 2040 oder 2044. "Keine Frage: 2036 wäre viel ambitionierter. Aber wir nehmen natürlich, was wir kriegen", sagt Söder.

Söder schwärmt vom "One-Village-Konzept"

Dass das Münchner Olympia-Konzept noch mal grundlegend geändert wird, sieht er nicht kommen. Zumindest antwortet er auf diese Frage mit einem schnellen "Nein". Sagt dann aber auch, dass der DOSB es sich beim Segeln noch anders überlegen könnte. München hat sich auf Kiel festgelegt, Rostock wäre auch möglich.

"Es könnte auch sein, dass beim Fußball Leipzig noch mit einem Stadion dabei ist", sagt Söder. Beim Fußball brauche man schließlich mehrere Stadien. Ansonsten bleibe man aber bei dem Konzept. "Das One-Village-Konzept ist überragend", schwärmt Söder.

Leipzig jedenfalls würde sich freuen, auch Teil der Olympia-Bewerbung zu werden: "Leipzig steht einer Beteiligung an Olympischen und Paralympischen Spielen ausdrücklich offen gegenüber", antwortet Stefan Schedler, der Leiter des Olympiabüros, auf eine AZ-Anfrage. "Gerade die Einbindung ostdeutscher Standorte bietet die Chance, die Spiele als gesamtdeutsches Projekt zu gestalten."

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  • CO2 Voodoo vor 17 Minuten / Bewertung:

    Woher kommt das Trinkwasser

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