Bilder aus München: Die ungehobenen Schätze des Stadtarchivs

Haben Sie Lust, zu stöbern und zu staunen? Rund 8.000 historische Fotos, die das Leben in München seit 1850 zeigen, kann man jetzt online anschauen.
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1880: Im Tal dominieren Leiterwagerl, Kopfsteinpflaster und Pferdekutschen. Ein Hingucker: der neugotische Alte Rathausturm im Hintergrund. Der Neue Rathausturm wird erst 1907 fertiggestellt sein.
Münchner Stadtarchiv 30 1880: Im Tal dominieren Leiterwagerl, Kopfsteinpflaster und Pferdekutschen. Ein Hingucker: der neugotische Alte Rathausturm im Hintergrund. Der Neue Rathausturm wird erst 1907 fertiggestellt sein.
1910: Eistockschießen im Alten Botanischen Garten. Im Hintergrund die Sophienstraße.
Münchner Stadtarchiv 30 1910: Eistockschießen im Alten Botanischen Garten. Im Hintergrund die Sophienstraße.
1910: Vor der Regierung von Oberbayern in der Maximilianstraße wird’s narrisch – Faschingsumzug!
Münchner Stadtarchiv 30 1910: Vor der Regierung von Oberbayern in der Maximilianstraße wird’s narrisch – Faschingsumzug!
1900: Blick vom Maximilianeum runter auf die damals fast noch autofreie Prachtmeile.
Münchner Stadtarchiv 30 1900: Blick vom Maximilianeum runter auf die damals fast noch autofreie Prachtmeile.
1905 auf der Theresienwiese unterhalb der Bavaria: Hier macht die Wiese mitten in der Stadt ihrem Namen noch alle Ehre, weshalb auch der Schäfer hier seine Herde noch ausgiebig weiden lassen kann. Angesichts der geteerten Straßen und ganzjähriger Dauernutzung durch Veranstaltungen ist die Wiesn ja heute längst – um Sigi Sommer zu bemühen – zur "Asphaltn" verkommen.
Münchner Stadtarchiv 30 1905 auf der Theresienwiese unterhalb der Bavaria: Hier macht die Wiese mitten in der Stadt ihrem Namen noch alle Ehre, weshalb auch der Schäfer hier seine Herde noch ausgiebig weiden lassen kann. Angesichts der geteerten Straßen und ganzjähriger Dauernutzung durch Veranstaltungen ist die Wiesn ja heute längst – um Sigi Sommer zu bemühen – zur "Asphaltn" verkommen.
1855: Der "Central-Bahnhof" im romanischen Rundbogen-Stil.
Münchner Stadtarchiv 30 1855: Der "Central-Bahnhof" im romanischen Rundbogen-Stil.
1912: die kathedralenartige Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs.
Münchner Stadtarchiv 30 1912: die kathedralenartige Bahnsteighalle des Hauptbahnhofs.
1945: der zerstörte Bahnhof von der Arnulfstraße aus gesehen.
Münchner Stadtarchiv 30 1945: der zerstörte Bahnhof von der Arnulfstraße aus gesehen.
1910: Im Englischen Garten am Monopteros hat sich so gut wie nichts verändert. Reitsportler gibt es immer noch, bloß haben die jetzt eigene Reitwege. Und Schlittenfahren war damals offensichtlich noch nicht so in Mode.
Münchner Stadtarchiv 30 1910: Im Englischen Garten am Monopteros hat sich so gut wie nichts verändert. Reitsportler gibt es immer noch, bloß haben die jetzt eigene Reitwege. Und Schlittenfahren war damals offensichtlich noch nicht so in Mode.
1899: Blick von oben auf die Ludwigsbrücke. Und, nein, das Gebäude im Vordergrund ist nicht das Deutsche Museum (das wird erst 1906 bis 1925 erbaut). Es ist der Ausstellungsbau für die "II. Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung München" im Jahre 1898.
Münchner Stadtarchiv 30 1899: Blick von oben auf die Ludwigsbrücke. Und, nein, das Gebäude im Vordergrund ist nicht das Deutsche Museum (das wird erst 1906 bis 1925 erbaut). Es ist der Ausstellungsbau für die "II. Kraft- und Arbeitsmaschinenausstellung München" im Jahre 1898.
1897: Ein "Münchner Tram-Car" mit Pferd, Kutscher und Schaffner ist abfahrbereit.
Münchner Stadtarchiv 30 1897: Ein "Münchner Tram-Car" mit Pferd, Kutscher und Schaffner ist abfahrbereit.
1883: Alternativer Antrieb bei der Münchner Tram – diese hier fährt mit Dampf! Die Höchstgeschwindigkeit des Gefährts beträgt 8 km/h. Drei Jahre später düst sie bereits
mit 16 Stundenkilometern nach Nymphenburg. 1900 wird sie eingemottet.
Münchner Stadtarchiv 30 1883: Alternativer Antrieb bei der Münchner Tram – diese hier fährt mit Dampf! Die Höchstgeschwindigkeit des Gefährts beträgt 8 km/h. Drei Jahre später düst sie bereits mit 16 Stundenkilometern nach Nymphenburg. 1900 wird sie eingemottet.
1875: Windschiefe Standl am Viktualienmarkt. Rechts hinten das Frauenhaus des Heiliggeistspitals (Abbruch 1883), hinten das Alte Rathaus.
Münchner Stadtarchiv 30 1875: Windschiefe Standl am Viktualienmarkt. Rechts hinten das Frauenhaus des Heiliggeistspitals (Abbruch 1883), hinten das Alte Rathaus.
1910 am Viktualienmarkt: Lebende Viecher gab’s damals noch zu kaufen – so wie hier ein paar Zicklein.
Münchner Stadtarchiv 30 1910 am Viktualienmarkt: Lebende Viecher gab’s damals noch zu kaufen – so wie hier ein paar Zicklein.
1913 am Viktualienmarkt: Das ist der Gemüsestand von Kreszenz Stümpfl. Viel ist grad nicht los, weshalb die Dame neben ihren Kohlrabi Platz genommen, sich die Lesebrille auf die Nase gesetzt und die Münchner Neuesten Nachrichten zur Hand genommen hat. Klar – die AZ gab’s zu der Zeit ja auch noch gar nicht. Die kam erst 1948.
Münchner Stadtarchiv 30 1913 am Viktualienmarkt: Das ist der Gemüsestand von Kreszenz Stümpfl. Viel ist grad nicht los, weshalb die Dame neben ihren Kohlrabi Platz genommen, sich die Lesebrille auf die Nase gesetzt und die Münchner Neuesten Nachrichten zur Hand genommen hat. Klar – die AZ gab’s zu der Zeit ja auch noch gar nicht. Die kam erst 1948.
Die zerstörte Ludwig-Maximilians-Universität im Jahr 1944.
Münchner Stadtarchiv 30 Die zerstörte Ludwig-Maximilians-Universität im Jahr 1944.
Das Café Heck im Hofgarten 1931.
Münchner Stadtarchiv 30 Das Café Heck im Hofgarten 1931.
Ein Bild aus dem Jahr 1899: Die Isar führt Hochwasser.
Münchner Stadtarchiv 30 Ein Bild aus dem Jahr 1899: Die Isar führt Hochwasser.
Das Herz Münchens: So sah der Marienplatz 1830 aus.
Münchner Stadtarchiv 30 Das Herz Münchens: So sah der Marienplatz 1830 aus.
Gleicher Ort, 45 Jahre später: Der Marienplatz 1875.
Münchner Stadtarchiv 30 Gleicher Ort, 45 Jahre später: Der Marienplatz 1875.
1887: Die prachtvolle Südseite des Marienplatzes – Mariensäule steht noch auf einer Straßensäule.
Münchner Stadtarchiv 30 1887: Die prachtvolle Südseite des Marienplatzes – Mariensäule steht noch auf einer Straßensäule.
Fronleichnam 1895 am Marienplatz.
Münchner Stadtarchiv 30 Fronleichnam 1895 am Marienplatz.
1946: Kinder spielen vor einem Barackenlager in München.
Münchner Stadtarchiv 30 1946: Kinder spielen vor einem Barackenlager in München.
Weitere Fotos aus dem Münchner Stadtarchiv, die ab sofort auch online einzusehen sind.
Münchner Stadtarchiv 30 Weitere Fotos aus dem Münchner Stadtarchiv, die ab sofort auch online einzusehen sind.
Weitere Fotos aus dem Münchner Stadtarchiv, die ab sofort auch online einzusehen sind.
Münchner Stadtarchiv 30 Weitere Fotos aus dem Münchner Stadtarchiv, die ab sofort auch online einzusehen sind.
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Münchner Stadtarchiv 30 Weitere Fotos aus dem Münchner Stadtarchiv, die ab sofort auch online einzusehen sind.
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Münchner Stadtarchiv 30 Weitere Fotos aus dem Münchner Stadtarchiv, die ab sofort auch online einzusehen sind.

Haben Sie Lust, zu stöbern und zu staunen? Rund 8.000 historische Fotos, die das Leben in München seit 1850 zeigen, kann man jetzt online anschauen. Die AZ zeigt hier schon mal eine kleine Auswahl.

München - Pferdekutschen im Tal um 1880, als das noch junge "Weiße Bräuhaus" den alten "Mader Bräu" abgelöst hat. Ein Münchner "Tram-Car" 1897, gezogen von einem Pferd. Die Theresienwiese, auf der um 1905 noch Schafe grasen. Ziegen auf dem Viktualienmarkt. Und später der Hauptbahnhof, völlig getrümmert am Ende des Kriegs 1945.

Es ist eine Fülle an Foto-Schätzen, die das Münchner Stadtarchiv in der Schwabinger Winzererstraße hütet: Neben den 20 Regalkilometern an historischen Akten, 90.000 Urkunden und 3.000 Ton- und Filmdokumenten inzwischen fast zwei Millionen Negative und Papierabzüge, die München, seine Häuser, Straßen, Menschen und Feste seit um 1850 zeigen.

AZ-Leserfotos: München in den 50er-Jahren

Nach über einem Jahrzehnt an Einscan-Arbeit hat das Stadtarchiv jetzt rund 8.000 der schönsten Fotos online für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Unter stadtarchiv.muenchen.de kann also jeder, der mag, nach Herzenslust suchen, stöbern und staunen.

Aber woher kommen diese ganzen Bilder? Die ersten sind schon in den 1850er Jahren gesammelt worden – unter dem städtischen Archivar Karl August Muffat (1804-1878), damals noch im "Kleinen Rathaus" am Petersplatz, wo das Stadtarchiv untergebracht war.

Aus dieser Zeit stammt wohl eins der ältesten Bilder im Bestand. Es ist ein 30 x 25 Zentimeter großer Falzpapierabzug von 1854, erklärt die Stadtarchiv-Historikerin Elisabeth Angermair der AZ. "Er zeigt, wie die Münchner an der Mariensäule einen Dankgottesdienst feiern, weil endlich die Cholera in der Stadt überwunden ist." Der Fotograf Georg Böttger muss damals mit seiner Plattenkamera in einem Fenster des Vorgängerbaus von "Ludwig Beck" gestanden sein.

AZ-Leserfotos: Mei, damals... So haben Sie München noch nie gesehen

Im letzten Jahrhundert hat das Stadtarchiv viele Sammlungen von Ämtern, Stadtfotografen und Privatleuten übernommen. Die von Georg Pettendorfer († 1945) zum Beispiel, der bis in die 1920er Jahre fast alle Häuser in der Altstadt für Postkarten fotografiert und 4.000 Bilder hinterlassen hat. Oder die von Karl Valentin, der 1.800 München-Fotos (Abzüge auf Karton) akribisch sammelte.

Einen großen Fundus liefern auch das Hochbauamt mit 7.000 Bildern (1950 bis 1980) und die Nachlässe oder Schenkungen Münchner Zeitungsfotografen: Fotoreporter Georg Schödl etwa, der ab den 1950er Jahren auch für die Abendzeitung unterwegs war, Rudi Dix vom "Münchner Merkur" oder Fritz Neuwirth von der "Süddeutschen Zeitung".

Zwischen 10.000 und 100.000 München-Fotos kommen jedes Jahr dazu, große Kartons voller Bilder oder einzelne, vergilbte private Fotoalben. "Fertig", sagt Elisabeth Angermair, "wird unser Fotoarchiv wohl nie."

Klicken Sie sich in der obenstehenden Bilderstrecke durch einige Fotoschätze des Stadtarchivs.


Der Hauptbahnhof im Wandel

Die Geschichte des Münchner "Central-Bahnhofs" (Hauptbahnhof heißt er erst seit 1904) beginnt 1839 mit einem schlichten Holzbau und zwei Kassenhäuschen am Marsfeld auf der Höhe der heutigen Hackerbrücke. Mehr war’s am Anfang nicht.

Am 5. April 1847 entschied der bayerische König Ludwig I., dass der neue Bahnhof an der Schießstätte (die befindet sich inzwischen in Sendling) zu bauen sei. Die neue Bahnhofshalle, erbaut von Friedrich Bürklein im neoromanischen Rundbogenstil aus gelbem und rotem Backstein, konnte dann 1848 in Betrieb genommen werden: 111 Meter lang, 29 Meter breit, 20 Meter hoch und Platz für fünf Gleise. Viel zu klein natürlich.

1877 bis 1883 entstand dann unter Carl Schnorr von Carlsfeld, Jakob Graff und Heinrich Gottfried Gerber eine neue Bahnhofshalle mit 16 Gleisen. Von diesem Bau sind trotz Kriegszerstörung und Abriss nach dem Krieg (bis 1957) immer noch kleine Teile erhalten. Mit dem geplanten und umstrittenen 700-Millionen-Neubau des Hauptbahnhofs werden jetzt fast alle Teile des alten Bahnhofs verschwinden – so etwa der Starnberger Flügelbahnhof von 1951. Was bleibt, ist die 140 mal 220 Meter große Gleishalle. Immerhin.

Von der Pferdl-Tram zur Dampf-Straßenbahn

Die Geschichte der Münchner Tram währt schon lange: Am 21. Oktober 1876 fuhr die erste Pferdebahnlinie die Strecke vom Promenadeplatz, Stachus, Bayerstraße, Bahnhofplatz, Dachauer Straße, Stiglmaierplatz bis zur Maillinger Straße – ein Halt, der damals noch Burgfrieden hieß (die alte Burgfriedensäule ist an der Marsstraße heute noch zu bewundern). Damals endete hier also die Stadt, heute ist es die Grenze der Maxvorstadt zu Neuhausen – das Dorf wurde erst 1890 nach München eingemeindet.

Münchner Wohnungsnot

140 Arbeits- und Kriegsgefangenenlager gab es im Münchner Stadtgebiet während der Nazizeit. Nicht wenige der vielen Barackenbauten wurden nach dem Krieg zum Notquartier für Ausgebombte (40 Prozent der Stadt waren zerstört), Gestrandete und Entwurzelte. Wohnungsnot – das war damals neben der Hungersnot – das drängendste Problem in München: 12.181 Gebäude mit 76.095 Wohnungen hatte die Stadt im Krieg verloren. Immerhin: 1946 konnten 11.851 Wohnungen mit 41.111 Wohnräumen wieder bewohnbar hergerichtet werden.

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