Interview

Bierpreisbremse: "Beim Maßpreis ist die Schmerzgrenze jetzt bald erreicht"

Chinaturm, Hofbräuhaus und Co.: Die Landtags-Grünen wünschen sich eine Bierpreisbremse - und mehr Bio bei den staatlichen Brauereien.
| Felix Müller
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Was kostet die Maß Bier? Im neuen Jahr wird in Münchens Wirtshäusern mit einem Preisschock gerechnet. (Symbolbild)
Was kostet die Maß Bier? Im neuen Jahr wird in Münchens Wirtshäusern mit einem Preisschock gerechnet. (Symbolbild) © imago images/Ralph Peters

München - AZ-Interview mit Gisela Sengl (geboren 1960 in München): Sie ist seit 2013 grüne Landtagsabgeordnete. Bei Traunstein betreibt sie einen Biohof und Bioladen.

Im neuen Jahr wird in Münchens Wirtshäusern mit einem Preisschock gerechnet. 50 Cent mehr pro halben Liter Bier könnte es geben. Der Freistaat hätte direkten Einfluss auf seine eigenen Brauereien, in München damit vor allem auf das Hofbräuhaus.

Die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl hat im Landtag eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt, was die Preisgestaltung und den Bio-Anteil bei Hofbräu und Weihenstephan betrifft.
Die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl hat im Landtag eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt, was die Preisgestaltung und den Bio-Anteil bei Hofbräu und Weihenstephan betrifft. © Grüne

Die Grünen-Abgeordnete Gisela Sengl hat jetzt im Landtag eine Anfrage an die Staatsregierung gestellt, was die Preisgestaltung und den Bio-Anteil bei Hofbräu und Weihenstephan betrifft. Hier erklärt sie, warum sie mit der Antwort nicht zufrieden ist - und warum sie weiter darauf hofft, dass die staatlichen Brauereien sich selbst eine Preisbremse verordnen.

Gisela Sengl über die Brauereien: "Bio boomt" 

AZ: Frau Sengl, die Brauereien klagen über steigende Rohstoffpreise, die sie in eine schwierige Situation bringen. Ausgerechnet jetzt fordern Sie mehr Bio - passt das zusammen?
GISELA SENGL: Das entspricht dem Wunsch der Gesellschaft, Bio boomt. Viele andere Brauereien haben schon eine Bio-Linie. Mit der Preisdiskussion wäre für die staatlichen Brauereien Hofbräu und Weihenstephan jetzt sogar ein besonders guter Zeitpunkt, um einzusteigen und mit dem Angebot höherer Qualität zu verbinden. Gute Bio-Qualität verbunden mit bayerischem Anbau - das wäre doch ein ideales Produkt! Es würde die regionale Wertschöpfung stärken, also wirklich den Hopfen- und Gerstenbauern in Bayern zu Gute kommen.

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Was glauben Sie, warum sich Hofbräu verwehrt?
Das ist mir ein Rätsel. Viele Brauereien machen ja eine Linie Bio. Bei 13 verschiedenen Bieren im Hofbräuhaus sollten zwei Bio-Biere drin sein! Klar, da muss man seine Rohstoffe getrennt lagern, das ist mehr Aufwand, aber es würde ja auch dem Staatsziel von 30 Prozent Öko-Landbau in Bayern dienen. Mehr Anbau braucht auch mehr Absatz - da könnten, beziehungsweise müssten die staatlichen Brauereien Vorbild sein! Wenn es im Hofbräuhaus Bio-Bier gäbe, zertifiziert mit dem bayerischen Bio-Siegel, wäre das eine klare Aufwertung!

Gisela Sengl fordert: Höchstgrenzen und Schmerzgrenzen einhalten 

Die Staatsregierung argumentiert in der Antwort auf Ihre Anfrage, Bio sei für die staatlichen Brauereien "in hohem Maße unwirtschaftlich". Finden Sie das nachvollziehbar?
Nein, das finde ich nicht. Das würde dann ja für alle anderen Brauereien auch gelten, und viele entscheiden sich ja für Bio. Der Absatz von Bio-Lebensmitteln ist 2020 um 22,3 Prozent gestiegen, da ist auch Bier dabei! Umstellung auf Bio lohnt sich!

Wo ist dann das Problem?
Entweder sagt das Staatliche Hofbräuhaus, unsere Marke braucht das nicht oder es fehlt der politische Wille oder beides.

Die Brauereien haben angekündigt, dass das kleine Glas Bier in den Wirtschaften nächstes Jahr 50 Cent mehr kosten soll. In München trinkt man traditionell aus größeren Gläsern, es droht ein Preisschock. Im Hofbräuhaus kostet die Maß schon jetzt 9,60 Euro. Muss der Freistaat auf die Bremse treten?
Ich finde, ein staatlicher Betrieb sollte schauen, dass man Höchstgrenzen, Schmerzgrenzen, einhält. Andererseits dürfen wir mit den Staatsbetrieben natürlich auch nicht zur Wettbewerbsverzerrung beitragen.

Gisela Sengl: "Mich wundern die Aussagen der Staatsregierung"

Ist die Schmerzgrenze bald erreicht?
Ja. 10 Euro für eine Maß Bier finde ich schon happig. Man muss ja nicht immer alles ausreizen.

Kann, muss die Politik eingreifen? Eine Bierpreisbremse anweisen?
Ich finde konkrete Markt-Eingriffe schwierig. Ich finde aber trotzdem, dass eine staatliche Institution nicht im obersten Preissegment mitschwimmen muss.

Das tun sie natürlich in München im Hofbräuhaus, am Chinaturm, auf der Wiesn.
Ja. Mich wundern die Aussagen der Staatsregierung, dass alles andere als diese Preise unwirtschaftlich wäre, wirklich. Da könnte man ja auch mal Vergleichsbrauereien heranziehen.

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Gisela Sengl: Staatliche Einrichtungen sollten sich staatlichen Zielen verpflichtet fühlen

Muss der Bierpreis wieder zum Politikum werden?
Naja, es gibt Wichtigeres. Alkohol kann gefährlich werden, und wir wollen ja auch nicht fürs billig Saufen werben. Aber: Mein Grundgedanke ist, dass sich staatliche Einrichtungen staatlichen Zielen verpflichtet fühlen. Diese Brauereien sind staatliche Institutionen. Deshalb sollten sie erstens das staatliche Ziel 30 Prozent Ökolandbau bis 2030 mitverfolgen, in dem sie für entsprechenden Absatz sorgen durch die Schaffung von ein paar Biobierlinien.

Warum passiert nichts?
Die jetzige Staatsregierung setzt sich Ziele, kümmert sich aber nicht um die Umsetzung.

Und ein Auge sollte der Staat auch drauf haben, dass normale Münchner noch ins Hofbräuhaus und an den Chinaturm können, um Bier zu trinken?
Mal auf eine Maß Bier zu gehen, gehört ja zum Leben in München auch dazu. Und das sollten sich die Münchnerinnen und Münchner auch in Zukunft noch leisten können!

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