"Besenstiel-Räuber": Sein Leben, seine Verbrechen, seine Kunst

Seine kriminellen Streifzüge machten ihn in den 90er Jahren berühmt, wegen einer Bombendrohung gegen den FC Bayern ist er wieder in den Schlagzeilen. Doch auch seine Nebeneinkünfte können sich sehen lassen. Kurioses rund um den Besenstiehl-Räuber.
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Harald Z. inmitten seiner Kunstwerke auf der Erotikmesse "Venus"
az Harald Z. inmitten seiner Kunstwerke auf der Erotikmesse "Venus"

München - "Mein gescheiterter Traum“, so heißt das Buch, das Harald Z. nach den Jahren im Knast über sein Leben als „Besenstiel-Räuber“ im Oktober 2011 veröffentlichte. Doch es floppte. Kaum einer wollte bisher die Memoiren des Ex-Knackis lesen. Bei Amazon kann man die Schwarte inzwischen gebraucht für gut zwei Euro im Internet bestellen.

Harald Z. wechselte erneut die Branche, der Autor wurde Künstler. Während seiner zehnjährigen Haftstrafe schuf er erotische Skulpturen und töpferte Dildos aus Ton. Auf der Erotikmesse „Venus“ in Berlin stellte er 2010 auf einem eigenen Stand einige seiner Kreationen aus. Doch auch als Dildo-Designer blieb der Erfolg überschaubar. Zuletzt lebte der inzwischen 63-Jährige von staatlicher Unterstützung. Als ihm das Arbeitslosengeld auszugehen drohte, kam er auf die Idee mit der Erpressung des FC Bayern.

Im richtigen Leben konnte Harald Z. nie mehr Fuß fassen. Umso lieber erinnert er sich an erfolgreiche Zeiten. In Interviews berichtet er bereitwillig von den großen Raubzügen. Doch die Klickzahlen der YouTube-Videos von "Deutschlands erfolgreichstem Bankräuber" sind überschaubar. Auch die eigene Internetseite floppte.

 

Die Masche, die ihn berühmt gemacht hat

 

Mit seinen legendären Beutezügen als „Besenstiel-Räuber“ hat Harald Z. in den 90er Jahren Kriminalgeschichte geschrieben. Zwischen 1992 und 1998 überfiel der gelernte Industriekaufmann aus Landshut insgesamt 17 Banken, vor allem in München und im Alpenvorland. Dabei erbeutete er über 4,7 Millionen Mark. Seinen Spitznamen verdankte Deutschlands meistgesuchter Bankräuber seiner skurrilen Tatwaffe: Mit einem Besenstiel schloss er seine Opfer nach den Überfällen in einen Raum der Banken ein. Insgesamt nahm er 73 Menschen als Geiseln.

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Viele seiner Opfer litten noch Jahre später an dem Schock. Die erste Bank, die er überfiel, war die Sparkasse Bernried am Starnberger See. Damals erbeutete er 122.000 Mark, von denen er noch am gleichen Abend im Spielcasino von Bad Wiessee 10.000 Mark verzockte.

Sechseinhalb Jahre narrte Z. die Polizei. Er lebte in Spanien und kam nur für die Überfälle nach München. Am 3. November 1998 ging er den Fahndern vor der Raiffeisenbank in Percha am Starnberger See ins Netz. Vom Landgericht München wurde er 1999 zu 13,5 Jahren Gefängnis verurteilt. 2009 kam er auf Bewährung frei. Für schwere Straftaten sei er zu alt, glaubte damals der Richter.

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