Interview

Beppo Brem: "Tourismus in München ist kein Selbstläufer mehr"

Wie Beppo Brem, im Stadtrat für das Thema Tourismus zuständig, die Lage der Hoteliers sieht.
| Helena Ott
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Beppo Brem (Grüne).
Beppo Brem (Grüne). © AZ-Archiv

AZ: Herr Brem, es ist Herbst, die Fallzahlen steigen und die Restriktionen werden stärker. Verschärft sich die Situation der Wirte und Hoteliers?
BEPPO BREM: Das allergrößte Problem ist die permanente Unsicherheit. Die Touristen reagieren mit stornierten Buchungen oder zögern, neu zu reservieren. Und das zulasten einer Branche, die seit Monaten kein Geschäft machen konnte oder eines, das nicht mal kostendeckend war.

Münchner Hoteliers kämpfen ums Überleben

Konnte sich die Tourismusbranche über den Sommer etwas erholen?
Der Sommer war ein kleiner Rettungsanker für die Wirte, aber nicht für die Münchner Hoteliers. Die inhabergeführten Häuser kämpfen ohnehin schon seit Jahren schwer im Verdrängungswettbewerb mit den großen Ketten.

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Was will die Stadt weiter für die Wirte und Hoteliers tun?
Ehrlich gesagt haben wir mit den Schanigärten und dem Winter in der Stadt mit der Erlaubnis zu Christkindlmärkten schon getan, was wir können. Es hilft jetzt nur, wenn auch die Bevölkerung mitmacht und nicht sagt, ich kümmere mich nicht um die Corona-Regeln.

"Wir wollen keine verwaiste Innenstadt"

Wie hoch schätzen Sie den Anteil an Gastronomen und Hoteliers, die der Herbst oder Winter die Existenz kosten könnte?
Ich habe mit vielen Wirten und Hotelbetreibern gesprochen, aber da sagt ja keiner einfach: Ich steh' vor der Pleite. Die Stimmung ist hin- und hergerissen. Manchen geht es richtig mies, manche versuchen, optimistisch zu bleiben.

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Was, wenn es einige nicht schaffen?
Wir müssen uns jetzt überlegen, wie wir als Stadt damit umgehen, wir wollen keine verwaiste Innenstadt und wirtschaftlich wäre das auch fatal. Aber man kann die Menschen ja auch nicht zwingen, München zu besuchen.

Gibt es konkrete Ideen, wie München der Pandemieflaute und der Transformation im Tourismus begegnen kann?
Wir brauchen jetzt eine klare Strategie, und dürfen uns nicht mehr wie die Jahre zuvor auf das große Zugpferd Oktoberfest verlassen. Ich glaube auch, dass künftig auch ohne Corona deutlich weniger Messe- und Geschäftsreisende nach München kommen. Es gilt das alte Prinzip "Tourismus als Selbstläufer" in München in Zweifel zu ziehen.

Was wäre die Konsequenz?
Wir müssen das Besondere der Stadt noch viel aktiver ins Schaufenster stellen und bewerben. Wie beispielsweise unser großes Museumsquartier oder die renommierten Orchester der Stadt. Städte wie Wien zum Beispiel werben viel stärker mit ihrem Kulturangebot.

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