Kontrollaktion in München: Maskenmuffel tauchen ab

Einen ganzen Tag lang wird im Öffentlichen Nahverkehr verstärkt nach Fahrgästen gesucht, die gegen die Maskenpflicht verstoßen. Die Ausbeute hält sich in Grenzen.
| Ralph Hub
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Erwischt! Ein Mann ohne Maske wird am Stachus kontrolliert.
Ralph Hub 4 Erwischt! Ein Mann ohne Maske wird am Stachus kontrolliert.
Vor allem an Bahnsteigen verzichten viele gerne auf die lästige Maske.
Ralph Hub 4 Vor allem an Bahnsteigen verzichten viele gerne auf die lästige Maske.
Eine Reisegruppe im Bahnhof: Zwei Damen verzichten auf Masken.
Ralph Hub 4 Eine Reisegruppe im Bahnhof: Zwei Damen verzichten auf Masken.
Ein Maskenmuffel kassiert einen bösen Blick in der U-Bahn.
Ralph Hub 4 Ein Maskenmuffel kassiert einen bösen Blick in der U-Bahn.

München - Maskenmuffel sind scheue Wesen und deshalb immer wachsam. Besonders an diesem Donnerstag, an dem bayernweit in Bussen und Bahnen Jagd auf sie gemacht wird.

Kurz nach 9 Uhr sitzt Marco (23) in einer S3 nach München. Seine Maske klemmt unterm Kinn. "Die Bahn ist doch fast leer, warum soll ich da die Maske aufsetzen", sagt der Student betont gelassen. Ein paar Stationen weiter in Unterhaching patrouillieren zwei Polizisten. Mütze, Maske – alles sitzt korrekt, die beiden Beamten laufen Streife am Bahnsteig. Marco wird nervös, eilig zupft er seine Maske über Mund und Nase, bevor ihn die Vertreter der Staatsmacht entdecken und ihm ein Bußgeld aufbrummen.

Kontrollen in Bayern zwischen 7 Uhr und 22 Uhr

"Rund 97 Prozent der Fahrgäste im Öffentlichen Nahverkehr tragen Mund- und Nasenschutz", betont Matthias Korte, Sprecher der MVG. An diesem Tag dürften es sogar noch etwas mehr sein. Die Schwerpunktaktion ist in den Medien vorher angekündigt worden, jeder weiß Bescheid: In ganz Bayern wird zwischen 7 Uhr morgens und 22 Uhr abends verstärkt kontrolliert. Fahrgäste ohne Maske müssen mit einem Bußgeld von 150 Euro rechnen.

Vor allem an Bahnsteigen verzichten viele gerne auf die lästige Maske.
Vor allem an Bahnsteigen verzichten viele gerne auf die lästige Maske. © Ralph Hub

In München sind Streifen der Polizei, der U-Bahnwache und der DB-Sicherheit unterwegs. Im U-Bahnhof am Stachus erwischt es einen Studenten. Seine Maske in der Hosentasche schlendert er die Treppe zur U4/U5 runter. Unten angekommen, läuft er einer Streife direkt in die Arme. "Bitte setzen sie eine Maske auf", sagt einer der Beamten. Keine Anzeige.

An Bahnsteigen Menschen oft ohne Maske

Was auffällt: Vor allem an den Bahnsteigen und in den Bahnhöfen laufen viel zu viele Menschen ohne Maske herum. Im Zwischengeschoss des Hauptbahnhofs stolpert man quasi alle paar Meter über einen Maskenmuffel. Drei Mädchen gehen in Richtung Karstadt, zwei mit Maske, eine ohne. Ein Polizist ist weit und breit nicht zu sehen. Die übrigen Passanten ignorieren das Trio. Nur ein paar Meter weiter schlendern zwei Frauen in schwarzen Sommerkleidern vorbei in Richtung Stachus. Sie kassieren zwar etliche ärgerliche Blicke von umstehenden Leuten, doch Kritik lassen die Grazien lässig abperlen.

Eine Reisegruppe im Bahnhof: Zwei Damen verzichten auf Masken.
Eine Reisegruppe im Bahnhof: Zwei Damen verzichten auf Masken. © Ralph Hub

In einer U2 in Richtung Innenstadt sitzt eine Mutter mit ihrem Sohn. Beide tragen Masken. Am Ostbahnhof steigt ein Mann ohne Mund-Nasenschutz ein und setzt sich zu ihnen. Die Frau wirft ihm einen bösen Blick zu, eilig setzt der Mann seine Maske auf. "Entschuldigung", brummt er und spielt nervös mit einem Bleistift in der Hand. An der Station Sendlinger Tor wird ein Mann ohne Maske von einer Polizeistreife aus einer U6 geholt. Er probiert es mit Ausreden, das klappt sogar. Die Beamten belassen es in diesem Fall bei einer Ermahnung.

Ein Maskenmuffel kassiert einen bösen Blick in der U-Bahn.
Ein Maskenmuffel kassiert einen bösen Blick in der U-Bahn. © Ralph Hub

Maskenkontrolle in München: 200 Beamte im Einsatz

Wie die Polizei am Freitag mitteilt, haben die rund 200 eingesetzten Beamten am Donnerstag insgesamt über 7.000 Kontrollen durchgeführt. Dabei wurden 651 Verstöße festgestellt, 137 davon wurden angezeigt. Bei der überwiegenden Mehrheit habe es sich um Personen gehandelt, die ihre Maske unterhalb der Nase getragen haben. In den meisten Fällen seien die Beteiligten einsichtig gewesen.

Doch nicht jeder wollte sich von den Beamten zum Tragen einer Maske überzeugen lassen. Wie die Polizei mitteilt, hat sich am U-Bahnhof Sendlinger Tor ein 20-Jähriger derart unkooperativ verhalten, dass ihm Handschellen angelegt werden mussten. Ihm wurde nach Aufnahme der Personalien ein Platzverweis erteilt. Am Stiglmeierplatz händigte eine Frau den Beamten außerdem ein komplett gefälschtes Attest aus, welches offenbar von ihr selbst erstellt worden war. Sie muss sich wegen Urkundenfälschung und Verstoßes gegen die Infektionsschutzmaßnahmenverordnung verantworten.

Macht die Kontrollaktion überhaupt Sinn?

Insgeseamt zeigt sich die Polizei aber zufrieden. "Zusammengefasst konnte festgestellt werden, dass die große Mehrheit der Münchner Bevölkerung sehr verantwortungsvoll mit der Maskenpflicht umgeht", heißt es in der Mitteilung.

Allzu viel Aussagekraft dürfte die Kontrollaktion allerdings nicht haben. Denn in Bussen und Bahnen sind wegen Corona deutlich weniger Leute als üblich unterwegs. Zudem sind Ferien, viele im Urlaub. Was die Frage aufwirft, ob eine bayernweite Kontrollaktion überhaupt Sinn hat – oder doch nur dazu dient, der Bevölkerung zu demonstrieren, dass man bereit ist, bei Verstößen gegen Corona-Regeln durchzugreifen. Manche reagieren gereizt. Ein Mann mit Freundin schlendert durch den Hauptbahnhof. Ein Eisenbahner spricht ihn wegen der fehlenden Maske an. "Putz’ dir die Nase", sagt der Maskenmuffel. Seiner Begleiterin ist’s peinlich. "Lass es", sagt sie und wird rot im Gesicht.

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