Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer: Es gibt auch seelische Armut

Im Interview mit der AZ erklärt Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer, was die Regierung für Einsame und für Obdachlose in München tun will.
| R. Müller
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AZ: Frau Staatsministerin, die Awo beziffert die Zahl der von Armut bedrohten Menschen in Bayern auf fast zwei Millionen. Wie sind Ihre Zahlen?

Schreyer: Mir ist es wichtig, dass wir keine Debatten über Zahlen und Quoten führen, deren Berechnungsgrundlage auch nicht immer ganz nachvollziehbar ist. Jeder Mensch, der in Armut lebt, ist einer zu viel. Wir müssen uns die Einzelschicksale anschauen und dabei auch bedenken, dass Armut viele Dimensionen hat. Es gibt zum Beispiel auch seelische Armut, wie etwa Einsamkeit. Unsere Sozialpolitik setzt daher an vielen verschiedenen Punkten an.

Zum Beispiel?

Wir haben das Familiengeld eingeführt, das alle Eltern von ein- und zweijährigen Kindern erhalten, egal, für welche Art der Betreuung sie sich entscheiden. Wir setzen uns vehement dafür ein, dass diese bayerische Leistung nicht auf Hartz IV angerechnet wird. Wir bauen zudem in Riesenschritten die Kinderbetreuung aus. Im nächsten Jahr gehen wir einen weiteren Schritt und senken die Kindergarten-Beiträge um 100 Euro im Monat – die Unterstützung von Familien wird bei uns großgeschrieben.

"Mit mehr Wissen können wir besser helfen"

Nicht nur Familien kämpfen. Warum weiß man nach wie vor nicht, wie viele Obdachlose es in Bayern gibt?

Seit diesem Jahr gibt es das erste Mal einen "Runden Tisch Obdachlosigkeit", der Akteure in der Wohnungslosen- und Obdachlosenhilfe zusammen-bringt. Nächstes Jahr gründet der Freistaat die Stiftung Obdachlosenhilfe Bayern. Sie wird innovative Projekte für die Betroffenen unterstützen und publik machen. Die Betroffenen haben keinen festen Wohnsitz und können schwer in Zahlen gefasst werden, daher gibt es eher Erfahrungswerte.

Wie steht es mit dem Obdachlosenprojekt "Mobiler Lotsenpunkt" in München?

Dieser Bus sucht die Stellen auf, an denen sich Menschen ohne Obdach aufhalten, bietet Hilfe an und die Sozialpädagoginnen an Bord suchen das Gespräch mit den Betroffenen, um mehr über die Gründe für ihre Situation zu erfahren. Wenn wir uns hier mehr Wissen aneignen, können wir passgenauer helfen.


Kerstin Schreyer
Die in München geborene CSU-Politikerin (47) ist seit diesem Jahr Bayerns Ministerin für Familie, Arbeit und Soziales.

 

Lesen Sie hier: Isarbrücken-Räumung: Ortsbesuch bei den Bewohnern


 

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