AZ-Reporter erinnern sich an Heiligabend

Wann war Weihnachten zuletzt richtig magisch für Sie? Die AZ sammelt die Geschichten Ihrer Leser – und geht in Vorleistung: Hier die Geschichten unserer Reporter.
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Weihnachten bei den AZ-Reportern: Links: Kimberly Hoppe (5) als Engerl. Rechts: Musizieren an Heiligabend bei den Jobs. Mitte: Das erste Bescherungs-Farbfoto aus dem Müller’schen Familienalbum.
privat/AZ Weihnachten bei den AZ-Reportern: Links: Kimberly Hoppe (5) als Engerl. Rechts: Musizieren an Heiligabend bei den Jobs. Mitte: Das erste Bescherungs-Farbfoto aus dem Müller’schen Familienalbum.

München - Wann war das Weihnachtsfest eigentlich das letzte Mal ruhig, besinnlich, eben: magisch? Und nicht einfach ein paar Tage, an denen sich meist nur eine Person richtig viel Arbeit macht mit dem Essen und irgendwann die Geschenke aufgerissen werden? Natürlich läuft es nicht immer so rationalisiert und unfestlich ab – aber hin und wieder vergisst man schon, wie besonders das Warten auf den Heiligen Abend mal war.

AZ-Reporter erinnern sich: So schön war Weihnachten einst!

AZ-Redakteure haben mal in ihrem Gedächtnis gekramt und ihre schönsten Feste, liebsten Momente und zauberhaftesten Erinnerungen aufgeschrieben.

Dresscode? - Gab es nicht

Autor: Thomas Müller

Ein Bild voller Innigkeit und Hingabe: Heiligabend 1968, das quälende Warten aufs Christkind ist längst zu Ende, die Geschenkeschlacht geschlagen – jetzt geht’s ans Detail: Vater und Sohn spielen hier mit dem sensationell neuen Spielzeug – der Autotransporter rollt hier sozusagen vom Hof. Einmal gab es ihn in Grau (für mich), einmal in Rot (für meinen Bruder). Das Christkind achtete auf brüderliche Ausgewogenheit.

Was man noch sieht auf diesem ersten Bescherungs-Farbfoto aus dem Müller’schen Familienalbum: Anzug, Hemd, Krawatte – fesch war mein Vater. Der Dresscode leger oder casual galt damals offenbar noch nicht. Heiligabend war halt ein Feiertag. Ist er übrigens heute noch in meiner eigenen Familie. Ich freu mich schon drauf. Fast wie damals.

Herbei, o ihr Gläubiger

Autorin: Nina Job

Der große Baum wurde mit Nylonschnur an der Decke befestigt, damit er ja nicht umkippte mit all den Kerzen. Die roten Äpfel wurden mit einem Tuch blank poliert und die Glaskugeln in heißem Wasser mühsam vom Wachs des Vorjahres befreit. Heiligabend lief immer nach demselben Ritual ab.

Sobald mein Vater damit begann, den Baum zu schmücken, durften wir das Wohnzimmer nicht mehr betreten – auch als wir schon größer waren. Durch die verschlossene Tür drangen Pfeifenrauch, Mahalia Jackson und das Weihnachtsoratorium. Stundenlang. Wenn wir abends endlich ins Zimmer durften, frisch gekämmt und mit heißen Wangen, lagen überall bunte Geschenke im Kerzenschein: Unterm Baum, auf und unter dem Flügel – bei vier Kindern kam schon was zusammen. Doch bevor wir auspacken durften, verging noch mal eine kleine Ewigkeit.

Während mein Vater die Weihnachtsgeschichte vorlas, mussten wir mucksmäuschenstill lauschen. Danach musizierten wir. Es wurde heiter, wie mein Vater sagen würde. Meine Mutter transponierte am Klavier alle Lieder mindestens eine Terz tiefer, weil den Männern immer alles zu hoch war. Mein kleiner Bruder brummte falsch dazwischen, was alle zum Lachen brachte. Und spätestens, wenn wir "Herbei, o ihr Gläubigen" in "Gläubiger" verhunzten, waren alle ausgelassen. Erst gegen Mitternacht hatten wir alle Geschenke ausgepackt und alle Spielsachen ausprobiert. Dann gab’s zum krönenden Abschluss noch Mamis köstlichen Matjessalat. Schön war’s!

Wer klopfet an?

Autorin: Jasmin Menrad

Weihnachten bedeutete für meine Schwester und mich viel Arbeit: Wochen vorher haben wir unsere alljährliche Weihnachtsaufführung vorbereitet: Gedichte auswendig gelernt, Vorträge über Weihnachten in anderen Ländern geschrieben, Lieder geübt, ein Programmheft geschrieben und alle Jahre wieder die Weihnachtsgeschichte inszeniert. Einmal als Schattenspiel, einmal mit Barbies im pinken Stall und einmal als Musical. Meine Schwester und ich spielten Maria, Josef, den Herbergsvater und die Heiligen Drei Könige.

Den Hobbyraum hatten wir mit Laken und Kissen in eine Winterlandschaft verwandelt. Ein Schaukelpferd hinter sich herziehend, auf dem eine lebensgroße, schwangere Pappmaché-Puppe in Hippiekleidung meiner Mutter saß, betrat meine Schwester unsere Bühne. Sie klopfte an eine Schranktür: "Wer klopfet an", schmetterte ich, die Schranktür theatralisch aufstoßend. Die Schwester schmetterte zurück: "Oh, zwei gar arme Leut." Herberge gab ich dem Paar nicht, stattdessen zerrte ich während des Duetts die Mariapuppe hinter der Tür in den Schrank und setzte mich aufs Schaukelpferd. Im Stall wurde munter weiter gesungen und sogar getanzt – immer sehr besinnlich.

Gestatten: Grünlich

Autor: Philipp Seidel

Herr Grünlich war nicht mein erster eigener Weihnachtsbaum, aber der erste, der einen eigenen Namen erhielt. Warum, weiß ich nicht mehr. Er war, wie seine Vorgänger, ein Kauf in letzter Minute vor der Bescherung, als nur noch traurige Nadelbaumkarikaturen an Straßenrändern in zwielichtigen Stadtteilen angeboten wurden.

Herr Grünlich war die Ausnahme: Er stand voll im Saft, strahlte sein Grün hinaus in die Stadt und war sehr teuer. Und er war riesig. Mit seiner Bauchigkeit nahm er außerdem weite Teile des Durchgangs zum Wohnzimmer ein. Ging man vorbei, klingelten die Christbaumkugeln sanft. Herr Grünlich gehörte bald zur Familie. Gelehrte Freunde riefen bei Nennung des Namens sogleich: "Ah, Bendix Grünlich! Buddenbrooks! Thomas Mann!" Andere riefen: "Warum gibt Philipp seinem Christbaum einen Namen? Mit dem spielen wir nicht mehr!" Eine dritte Gruppe umarmte Herrn Grünlich nur zart. Nun, Weihnachten ging vorüber, Herr Grünlich begann zu nadeln, wurde bald abgeschmückt und irgendwann im Ofen verheizt. Sein Stamm war aber zu lang, der liegt noch auf dem Balkon. An Selbstabholer kostenlos abzugeben.

Ein wirklich himmlischer Abend

Autorin: Kimberly Hoppe

Zunächst war ich ein bisschen traurig. Ich hätte so gern die Maria gespielt, doch dafür war ich mit fünf zu jung. Die Rolle vom Christkind ging auch nicht, dafür war ich zu alt und zu echt (eine Plastikpuppe lag schließlich in der Krippe). Stattdessen durfte ich beim Krippenspiel in der Kirche ein Engerl sein. Hurra!

Vorab war ich aufgeregt, probte Lieder und kurze Texte und das Laufen mit Flügeln. Am 24. war es nachmittags so weit – der große Auftritt. Schon auf dem Weg zur Kirche sahen mich alle Menschen lächelnd an. Mein Engels-Outfit wirkte, versetzte jeden in eine himmlische Stimmung. Während des Krippenspiels lief alles gut, nie werde ich die vielen glückseligen Augen des Publikums vergessen. Noch heute gehe ich an Heiligabend in die Kirche. Auch wenn ich kein Englein mehr mime, beginnt für mich die Weihnachtsmagie erst hier.

Eine Tanne wie ein Erlenmeyerkolben

Autorin: Linda Jessen

Als ich etwa 13 Jahre alt war, begann auf einem Parkplatz eine der etwas schrägen Weihnachtstraditionen, die meine Familie pflegt. Da stand eine etwas verbogene Tanne mit zwei Spitzen. Die Aussicht, sich eine für den dann asymmetrisch platzierten Stern aussuchen zu müssen, verschreckte die Leute wohl, so dass wir das Bäumchen vor lauter Mitleid mit nach Hause nahmen und einfach beide Spitzen dekorierten. Seither läuft jedes Jahr ein Wettbewerb, wer den missgebildetsten Baum findet, der Kauf ist eines der Highlights der Feiertage. Die letztjährige Tanne sah übrigens ein wenig aus wie ein Erlenmeyerkolben.

Endlich Plastikrutscherl

Autorin: Verena Lehner

In jedem Winter, wenn ich das erste Mal im Skilift sitze, muss ich an ein ganz bestimmtes Weihnachten denken. Gut 30 Jahre ist das her, mein sehnlichster Wunsch damals: ein Paar Skier. Es ist Heiligabend, die Bescherung vorbei, die weihnachtliche Vorfreude unter einem Haufen Geschenkpapier vergraben. Der Bruder spielt mit seiner Holzeisenbahn, die zwei Schwestern mit ihrem neuen Kaufladen. Auch ich bin reichlich beschenkt worden – doch es waren keine Skier dabei.

Während ich die weihnachtliche Wohnzimmer-Szenerie so betrachte, frage ich mich ernsthaft, ob mein Bruder vielleicht doch braver gewesen ist als ich. Doch das kann eigentlich nicht sein. Als ich gerade anfange, mich in diese Ungerechtigkeit kindlich hineinzusteigern, sagt meine Mutter plötzlich, ich solle doch mal hinter den Wohnzimmervorhang schauen. Da hätte das Christkindl noch was dagelassen für mich. Und da waren sie: knallrote Plastikrutscherl mit Bugs Bunny vorne drauf. Ein Weihnachtsmoment, der für mich unvergessen geblieben ist – und der Beginn einer großen Leidenschaft.

Warten mit dem Pumuckl

Autor: Florian Zick

Als Kind fühlte sich der 24. Dezember an wie der allerlängste Tag des Jahres. Vor lauter Aufregung ist man schon in aller Früh aus dem Bett gefallen – und das Christkind kommt wirklich erst nach 18 Uhr? Wer soll das aushalten?! Quälend lange Stunden lagen zwischen einem und dem Geschenkeauspacken.

Bis im Wohnzimmer das Glöckchen zur Bescherung läutete, vertrieben meine Brüder und ich uns die Zeit deshalb mit etwas, was man heute wohl nicht mehr tun würde: Wir hörten uns den ganzen Tag Pumuckl-Schallplatten. an. Ja: Schallplatten. Spätestens beim dritten Weihnachten konnte man die Schallplatten natürlich schon auswendig mitsprechen. Man wusste auch ganz genau, wo sie einen Hänger haben. Insgesamt aber waren es sehr schöne Weihnachten. Eigentlich würde ich mir so ein Pumuckl-Hörspiel sogar gerne mal wieder anhören. Nur leider: Plattenspieler habe ich schon lange keinen mehr.


Leseraufruf

Wenn Sie auch eine besondere Weihnachts-Erinnerung mit uns und den AZ-Lesern teilen möchten, schicken Sie sie (gern mit Foto) an: Abendzeitung "Magische Momente", Garmischer Straße 35, 81373 München. Oder senden Sie eine Mail an: lokales@az-muenchen.de Wie freuen uns auf Ihre Erinnerungen und werden ausgewählte Geschichten gern veröffentlichen.

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