Ausstellung: Apokalypse in München

Eine Ausstellung widmet sich den Schreckensbilder vom Ende des 2. Weltkrieg, als München in Trümmern lag.
| Joachim Goetz
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Die großen Plakatwände mit den Zerstörungen Münchens im zweiten Weltkrieg im Innenhof des Isartors.
ho 5 Die großen Plakatwände mit den Zerstörungen Münchens im zweiten Weltkrieg im Innenhof des Isartors.
Der Blick von oben auf die Ausstellung im Hof des Isartors.
ho 5 Der Blick von oben auf die Ausstellung im Hof des Isartors.
Die großen Plakatwände mit den Zerstörungen Münchens im zweiten Weltkrieg im Innenhof des Isartors.
ho 5 Die großen Plakatwände mit den Zerstörungen Münchens im zweiten Weltkrieg im Innenhof des Isartors.
1945: Das Tal mit dem lädierten Isartor im Hintergrund.
ho 5 1945: Das Tal mit dem lädierten Isartor im Hintergrund.
1945: Erkennen Sie die Straße? Es ist die Auguistenstraße.
ho 5 1945: Erkennen Sie die Straße? Es ist die Auguistenstraße.

Münchner Zerstörung“ im Valentinmusäum? Nein, die neue Ausstellung widmet sich nicht der drohenden Zerstörung unserer Stadt durch unseren Immobilienboom – Stichworte: Nachverdichtung, Abriss, Um- und Neubau. Gezeigt werden vielmehr Plakatwand-große Schreckensbilder vom Ende des 2. Weltkrieg, als München in Trümmern lag.

Sie ziehen den nichtsahnenden Flaneur im Tal, in der Westenrieder- und Zweibrückenstraße frech in Bann: Frauenkirche ohne Dach, eingestürzte Alte Pinakothek, kaputter Alter Peter, völlig verwüstete Straßenzüge - das alles ist schon von weitem im offenen, ohne Eintritt zugänglichen Hof des Isartors (und im Ausstellungsraum des Musäums für 99ct) zu sehen.

Peter Syr, Kurator und Macher, konnte Valentin- und Filmmuseum, Kulturreferat und Stadtarchiv von seiner Idee überzeugen. Er kombinierte Bilder aus dem zerbombten München mit eigens für die Schau verfassten assoziativen und sehr persönlichen Texten von bekannten Münchnern wie Alt-OB Hans-Jochen Vogel, Kabarettistin Lisa Fitz, Schauspieler Gerd Anthoff, Schriftstellerin Annette Katharina Müller, Konstantin Wecker oder Otfried Fischer. Die Bilder sind schwarz-weiße Film-Stills aus dem vor kurzem restaurierten Film „München 1945“ von Willi Cronauer. Cronauer hatte im Juni und Juli 1945 mit Erlaubnis der amerikanischen Militärregierung die Kriegszerstörung Münchens in einem 76 Minuten-Film festgehalten, der in der Ausstellung auch auf einem Monitor gezeigt wird.

Der hohe dokumentarische Wert von Cronauers Zelluloid wurde bald erkannt, Ausschnitte oft verwendet. 1965 kaufte das Stadtarchiv das Original-Material. Cronauer nutzte sein bedeutendes zeitgeschichtliches Dokument, das der deutschen Öffentlichkeit erst in den 50er Jahren zugemutet wurde – als Mahnung im Kalten Krieg. Der spätere Referent im Kultusministerium kandidierte bei der Bundestagswahl 1961 für die Deutsche Friedensunion und zeigte seine Aufnahmen bei Kundgebungen.

Auch heute, da unsere Welt von Krisen geschüttelt wird, mahnt diese Schau zum Dialog. Denn Krieg bedeutet nicht nur – hinterher – Niederlage und Sieg, sondern vor allem: unendliches, mit Worten nicht zu beschreibendes menschliches Leid, Tod, Elend, Flucht und desaströse Auslöschung von Kultur. Vor all dem warnen diese apokalyptischen Filmbilder und berührenden Texte.

Bis 8. Dezember

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