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Aufruhr bei "jetzt red i": So reagierte das Publikum auf das OB-Duell zwischen Reiter und Krause

Showdown vor der Stichwahl: Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) traf im Live-Duell auf Grünen-Kandidat Dominik Krause. Vor der Kamera war es ernst, hinter den Kulissen wurde gescherzt. Doch wie gehen die OB-Kandidaten miteinander um? Die AZ war im Studio dabei.
Niclas Vaccalluzzo
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Wer macht das Rennen? Dieter Reiter (SPD) oder Dominik Krause (Grüne)
Wer macht das Rennen? Dieter Reiter (SPD) oder Dominik Krause (Grüne) © AZ-Montage mit dpa-Material

Vor der BR-Sendung "Jetzt red i" warten die Zuschauer auf ihren Einsatz. Sie stehen heute bekanntlich im Mittelpunkt: Im Fernsehstudio dürfen sie den OB-Kandidaten Dieter Reiter (SPD) und Dominik Krause (Grüne) ihre Fragen stellen. Es ist das letzte große Duell vor der OB-Stichwahl am Sonntag. Die AZ ist hinter den Kulissen dabei.

Einige stärken sich vorab mit bereitgestellten Butterbrezen und Getränken, andere stecken die Köpfe zusammen und diskutieren, was sie gleich fragen möchten.

Reiter und Krause begrüßen sich mit Handschlag

Während der Moderator im Studio den Gästen den Ablauf erklärt, wartet Dieter Reiter um Viertel vor acht schon am Rand auf seinen Einsatz. Als Krause dazustößt, begrüßen sich die beiden Kontrahenten mit einem kurzen Handschlag. Die Begrüßung fällt weder überschwänglich noch besonders reserviert aus – eher so wie unter Arbeitskollegen.

Grünen-OB-Kandidat Dominik Krause (l.) und amtierender OB Dieter Reiter (SPD)
Grünen-OB-Kandidat Dominik Krause (l.) und amtierender OB Dieter Reiter (SPD) © Niclas Vaccalluzzo

Auch die Münchner Grünen-Fraktionschefin Mona Fuchs sitzt im Publikum. Fragen wird sie heute jedoch nicht stellen: Der Moderator weist mehrfach darauf hin, dass heute weder Parteifunktionäre noch Amtsträger zu Wort kommen sollen.

Im Studio wirkt das Verhältnis der beiden OB-Kandidaten dann deutlich herzlicher. Krause und Reiter lachen, scherzen und machen gemeinsam, vor Beginn der Sendung, Selfies mit den Zuschauern. Alle wollen sie ein Foto mit den prominenten Stadtpolitiken. "So einen Aufruhr hatten wir noch nie", sagt eine Mitarbeiterin.

Beim Thema Bürokratie wirken Reiter und Krause wie Verwaltungsmitarbeiter

Dann beginnt das Duell. Wichtige Themen der Stadt wie Bürokratie, SEM oder Radwege werden diskutiert. Wirklich hitzig wird es nicht; Reiter und Krause wirken eher wie Verwaltungsmitarbeiter, die gemeinsam dem Publikum Rede und Antwort stehen – nicht wie OB-Kontrahenten, die um die Stadtspitze kämpfen.

 

Als ein Einspieler von Dieter Reiter mit FC-Bayern-Schal gezeigt wird, grinst der Amtsinhaber kurz. Die anschließenden Fragen zu seinen nicht genehmigten Nebentätigkeiten beantwortet er dann mit ernster Miene. Er sagt nichts, was er nicht in den letzten Tagen und Wochen auch schon gesagt hatte, bemerkenswert ist der Auftritt trotzdem.

Wenige Stunden zuvor veröffentlichte „Zeit Online“ ein Reiter-Interview, in dem er recht reuig klang. Nun sagt er, 2021 sei ihm ein Fehler passiert, weil er nicht daran gedacht habe, dass er für die Nebeneinkünfte eine Genehmigung brauchen könnte. „Dass es zufällig drei Wochen vor der Wahl nach oben gekommen ist, da kann sich jeder selber seinen Reim drauf machen“, höhnt Reiter. Das soll wohl bedeuten, dass Reiter es für eine gezielte Schmutzkampagne hält, schließlich läge ein einzelner Fehler doch viele Jahre zurück.

Eine Spitze gegen den FC Bayern und Edmund Stoiber (CSU)? Schließlich waren der Rücktritt des einstigen Ministerpräsidenten als Vorsitzender des Verwaltungsbeirats und die Ankündigung des Vereins, dass Reiter dessen Nachfolger wird, der Auslöser für die neuen Fragen zu seinen Nebenjobs. Eine AZ-Anfrage, wen oder was genau Reiter mit seinen Andeutungen meint, lässt er am Donnerstag unbeantwortet. Klar scheint: Hätte er sich nicht jetzt in den Aufsichtsrat wählen lassen, wären auch die weiteren Fragen zu seinen Nebentätigkeiten nicht jetzt aufgekommen.

„Aus meiner Sicht ist es komplett geklärt. Mehr Konsequenzen kann man nicht ziehen“, sagt der OB in der Sendung. Im Rathaus sieht man das parteiübergreifend anders. Auch bleiben viele Fragen von Medien weiter offen, die Reiter konsequent unbeantwortet lässt – etwa zu möglichen teuren VIP-Tickets in seinen ersten Jahren als Verwaltungsbeirat. Auch wartet die Regierung von Oberbayern, wie berichtet, weiter auf eine Stellungnahme Reiters, um entscheiden zu können, ob ein Disziplinarverfahren eingeleitet wird.

Reiter hat über Jahre insgesamt 90.000 Euro kassiert – und er selbst erinnerte seine Referenten wenige Wochen vor der Wahl schriftlich an die 10.000-Euro-Grenze, er selbst ließ sich wenige Wochen vor der Wahl in den deutlich besser dotierten Aufsichtsrat wählen (und bestritt das öffentlich), er selbst sagte im Stadtrat erst nicht die Wahrheit. Krause bleibt übrigens im BR bei seiner Taktik und äußert sich nicht direkt zu dem Skandal.

Nachdem die Kameras ausgeschaltet sind, werden trotzdem noch einige offene Fragen beantwortet – etwa zu den Themen Bildung und Ausbau des ÖPNV.

Münchner OB Dieter Reiter (SPD, r.) und sein Kontrahent Dominik Krause.
Münchner OB Dieter Reiter (SPD, r.) und sein Kontrahent Dominik Krause. © Niclas Vaccalluzzo

So schnell die Diskussion vorbei ist, so schnell sind Reiter und Krause auch wieder verschwunden. Auch Mona Fuchs folgt ihnen. Schließlich stehen bis Sonntag noch einige Wahlkampftermine an. Der Abschied zwischen den Kontrahenten fällt nach dem Duell dann sogar noch herzlicher aus: Lässig schlagen sie ein und umarmen sich sogar kurz.

Hier finden Sie das OB-Duell zum Nachschauen

In der Sonderausgabe der Bürgersendung "jetzt red i extra“  vom Bayerischen Rundfunk diskutierten die Kandidatinnen und Kandidaten live über ihre politischen Konzepte und die wichtigsten Themen vor den Stichwahlen.  Im Mittelpunkt stand das Münchner Duell zwischen Amtsinhaber Dieter Reiter (SPD) und Dominik Krause (Grüne). Auch die Oberbürgermeister-Rennen in Nürnberg, Regensburg, Bamberg und Erlangen wurden live begleitet. Bei der AZ können Sie die Rede-Duelle im BR24-Livestream nachschauen: 

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  • Newi83 vor einer Stunde / Bewertung:

    Mir ist bekannt das es Rote gibt!

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  • HaWosNa vor 9 Stunden / Bewertung:

    Ich traue dem Reiter nicht mehr über den Weg seit er bei der Vergabe des Hippodroms (jetzt Marstall) seine Finger im Spiel hatte - das hatte ein ordentliches Gschmäckle und hat damals für viele hochgezogene Augenbrauen gesorgt. Was treibt ihn eigentlich an für noch eine Amtszeit: München? Sein Ego? Seine Brieftasche? Leider halte ich die Brieftasche mittlerweile für die wahrscheinlichste Variante. Auch sollte mal jemand genauer hinschauen bei den Verkäufen von Städtischen Grundstücken. Das ist schon auffallend intransparent im Stadtrat.

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  • Newi83 am 19.03.2026 13:11 Uhr / Bewertung:

    Brechen wir es mal für die Brille Wähler runter.
    Krause ungeeignet weil: Jung und schwul, besitzt kein Auto und keinen Blaumann.
    Reiter geeignet weil: Alt und verheiratet mit dickem BMW und immer im Anzug. Das muss doch genügen!

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