Auch nach zehn Jahren: "Wir steigern uns immer noch"

Seit 2006 nimmt das "Stadion an der Schleißheimer Straße" jeden Fußballfan auf. Geholfen hat dabei auch etwas Bayern-Dusel.
| Anja Perkuhn
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Auch Frauen kommen her – und auch die sollen’s nett haben, darum hängt nicht nur ein David-Beckham-Poster auf der Toilette.
Petra Schramek 18 Auch Frauen kommen her – und auch die sollen’s nett haben, darum hängt nicht nur ein David-Beckham-Poster auf der Toilette.
Trikots, Poster, Wimpel und anderer Krams bis zur Decke und in jeder Ecke: Das "Stadion" ist eindeutig eine Fußballkneipe.
Petra Schramek 18 Trikots, Poster, Wimpel und anderer Krams bis zur Decke und in jeder Ecke: Das "Stadion" ist eindeutig eine Fußballkneipe.
157 Plätze gibt’s – und die Sitzordnung macht "Holle" jedes Mal manuell.
Petra Schramek 18 157 Plätze gibt’s – und die Sitzordnung macht "Holle" jedes Mal manuell.
Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
Petra Schramek 18 Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
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Petra Schramek 18 Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
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Petra Schramek 18 Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
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Petra Schramek 18 Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
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Petra Schramek 18 Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
Petra Schramek 18 Weitere Bilder vom "Stadion an der Schleißheimer Straße".
Das hoffnungsfrohe Eröffnungsplakat von 2006.
Petra Schramek 18 Das hoffnungsfrohe Eröffnungsplakat von 2006.

München - Man kann natürlich einfach mit den Betreibern vom "Stadion an der Schleißheimer Straße" sprechen. Oder mit den Menschen, die regelmäßig zum Fußballschauen dort hingehen – es sind ja sehr viele.

Man kann aber auch viel über diesen Laden lernen, wenn man sich die Frauentoilette anschaut. Die Tür ist mit einem knallrosa Etwas bedeckt, das man nur als Flausch bezeichnen kann. Drinnen gibt es viele halbfeuchte Oberarme und Bauchmuskeln zu betrachten – allesamt von Fußballern. Von fußballkulturell relevanten und technisch versierten. Zum Beispiel David Beckham – in einer Version aus den 2000ern, als alle Hobbyfußballer wie bekloppt versuchten, ihre Freistöße auch so anzuschnibbeln wie er.

Das Retro-Flair wird gepflegt – wie ein guter Rasen

Sicherlich gibt es auch in anderen Kneipen Toilettenposter mit David Beckham oder Cristiano Ronaldo darauf. Aber hier gehören sie zum Gesamtgefühl: Du bist hier, um Fußball zu schauen? Uns ist es gleich, für welches Team du jubelst – hast es dir ja nicht ausgesucht. Genau wie dein Geschlecht. Hier soll es jedem gut gehen.

Und am besten sollen sich auch alle gut verstehen – darum macht Betreiber Holger "Holle" Britzius jeden Abend den Sitzplan für alle Reservierungen selbst. Manuell. Und setzt "die zusammen, von denen ich denke, die verstehen sich". Abgehakt wird an der Tür auf einer papiernen Reservierungs-Liste – und mit Karte zahlen kann man nicht. Das leicht melancholische Retro-Flair im "Stadion" hat sich verselbstständigt und wird gepflegt wie guter Rasen.

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Als Britzius und zwei Freunde die Kneipe eröffnen, wollen sie eigentlich nur, dass es nach der Schließung ihrer eigenen Stammkneipe "Vollmond" an dieser Stelle weiterhin eine Boazn gibt. "Ich hätte nie im Leben gedacht, dass das so lange was wird", sagt Britzius. "Ich hab uns ein halbes Jahr gegeben."

Ein langsamer Anfang ist es tatsächlich gewesen – Münchner Fußballfans erinnern sich an den dreiviertelleeren Laden, in den sie an einem Bundesliga-Samstag einfach so hineinspazieren konnten. "Aber wir steigern uns", sagt Britzius, "immer noch."

Zehn Jahre sind es nun, und ein natürliches Ende ist nicht abzusehen. Das "Stadion" ist inzwischen etwas viel Größeres als ein Bierausschank mit Fernseher und Sky-Abo. Zum Bundesliga-Spiel Bayern gegen Dortmund in dieser Saison gab es 5.000 Reservierungsanfragen. Fünftausend. Für 157 Plätze. Auch zum Hinrunden-Finale mit Bayern (Erster) gegen Leipzig (Zweiter) heute gab es Hunderte Anfragen. Das Berliner Fußballkultur-Magazin 11Freunde verpasste dem "Stadion" den Ritterschlag "Deutschlands beste Fußballkneipe".

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Es ist ja auch eine Fußballkneipe, vollgestopft mit Trikots, Schals, Wimpeln – fast alle von Gästen. Sogar in der Toilettenschlange kann man auf einem Bildschirm weiter Fußball schauen. An der Decke sind auf zwei Rasenplätzen Porträts von Nostalgie-Spielern mit monströsen Nostalgie-Bärten befestigt. Aber es ist auch ein Wohnzimmer, das niemand betritt, ohne persönlich begrüßt zu werden – und in dem die Gastgeber jedem seinen (oder ihren) Verein lassen. "Hier kann jeder herkommen", sagt Michael Jachan, selbst Fan des VfB Stuttgart und seit knapp drei Jahren zweiter Betreiber neben Britzius– einem Fan des Karlsruher SC. "Jeder, solange er keinen rechten Scheiß redet."

Darum geht auch ein trauriges Seufzen durch München und Umland, wenn nicht sogar noch weiter in die Welt hinaus, als es Ende 2012 so aussieht, als würde Britzius als Wirt hinwerfen, weil er sich mit seinen Kompagnons überworfen hat. Am Ende ist’s vielleicht der sprichwörtliche Bayern-Dusel, der das "Stadion" erhält: Die Gruppe, die den Laden übernehmen will, überweist bis zum vereinbarten Zeitpunkt das Geld nicht.

Ein Stüberl für die verlorenen Seelen aus dem "Du & I"

"Ich weiß das noch ganz genau", erzählt Jachan, und schwenkt seine Bierflasche wild herum, "ich kam vom Pokalfinale in Berlin, Bayern gegen Stuttgart, und Holger rief an. ,Die Idioten haben nicht gezahlt!’ hat er gesagt." Also ging es doch weiter, immer weiter.

Und wie lange schmeißen sie den Laden noch, was bringt die Zukunft? Puh, machen da beide. "Ich hätte ja Bock auf ein Stüberl", sagt Britzius. "Wir sind dafür eigentlich zu groß, aber ich wäre das gern für die verlorenen Seelen aus dem ,Du & I’" – die Boazn schräg gegenüber, die gerade schließen musste, weil der Hausbesitzer keine Gastronomie mehr wollte.

Für die, sagt Holle, würde er dann sogar immer einen ganzen Tisch reservieren. Und von verlorenen Seelen verstehen Fußballfans ja was.

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