"Auch für Olympia braucht es die Halle nicht": Warum der Unmut über die Munich Arena groß ist
Von München aus nimmt man die S-Bahn, dann den Bus. Dann steht man auf einer Wiese in Freising neben dem Flughafen, wo das neue Konzerthaus für 20.000 Zuschauer hin soll.
Die Macher haben hier für den Spatenstich an diesem Mittwoch extra ein Zelt aufgebaut. Nicht nur die Freisinger Bürgermeisterin Monika Schwind (Freisinger Mitte) darf fürs Foto mit einem Spaten Erde in die Luft werfen – sogar Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ist gekommen.

Vorher hat die AZ den Mann gesprochen, der sich das über 400 Millionen Euro teure Projekt ausgedacht hat: Lorenz Schmid. "Eine Arena, die nur für Konzerte geplant ist, gibt es bisher nirgends in Deutschland. Wir wollen die größten Künstler nach Bayern holen." Die Heimatverbundenheit spiegelt sich in der Fassade der Arena wider: Dort wird ein Rauten-Muster angebracht – wie in der bayerischen Flagge.

Zusammengetan hat sich Schmid dafür mit Marek Lieberberg, dem Chef der Agentur "Live Nation", die die Adele-Konzerte in München organisiert hat. Konzerte seien heute multimediale Ereignisse, sagt Lieberberg in seiner Rede. Die neue Munich Arena werde speziell auf die Bedürfnisse der Künstler zugeschnitten sein.
Von allen Plätzen werde man eine hervorragende Sicht haben. "Wenn internationale Tourneen ihre Stationen in Deutschland und Europa auswählen, soll München die erste Wahl sein", sagt Lieberberg. Oder besser gesagt: Freising.

Söder: München sei bis zuletzt dagegen gewesen
"Hier entsteht etwas Großes", sagte Söder in seiner Rede. "Das sieht man schon daran, wie lange München dagegen war." Bis zuletzt habe er Anrufe aus dem Rathaus bekommen, die Arena zu verhindern. Das hat Söder nicht – im Gegenteil.
Um die Arena möglich zu machen, musste die Flughafen Gesellschaft zuerst Grund verkaufen. Im Aufsichtsrat stimmte München dagegen – anders als der Freistaat.
Der Münchner Wirtschaftsreferent Christian Scharpf (SPD), der nicht beim Spatenstich dabei war, räumt ein, dass er so eine Halle lieber auf Münchner Stadtgebiet gesehen hätte. Auch eine "gewisse Konkurrenzsituation" sieht er.
Aber: "Die Besucher der Munich Arena werden nicht alle in Freising übernachten, sondern viele werden das Konzert mit einem München-Besuch verknüpfen. Die positive Strahlkraft wird auch positive Effekte auf die Münchner Wirtschaft haben", ist Scharpf überzeugt. Doch längst nicht alle werden in München übernachten. Neben der Arena sind ein Parkhaus und ein Hotel mit 200 Betten geplant.
Auch Grünen-Stadtrat Beppo Brem gibt zu: "Natürlich macht eine neue Arena dem Olympiapark Konkurrenz." Doch das Angebot im Olympiapark sei gut und er sei zuversichtlich, dass die Events dort auch künftig viele Menschen begeistern werden.
Tatsächlich hat sich der Macher der Arena, Lorenz Schmid, auch andere Grundstücke angesehen – insgesamt 108 in der Metropolregion München, sagt er. Am Ende habe dieses beim Flughafen überzeugt. Schmid ist selbst gebürtiger Freisinger.
"Auch wenn sie Munich Arena heißt, sie steht in Freising"
"Die Arena passt zur Entwicklung des Flughafens", sagt Ministerpräsident Söder. Die Menschen könnten von überall zu den Konzerten kommen. Und womöglich gleich wieder verschwinden?
Auch im Freisinger Stadtrat seien nicht alle Beschlüsse zu der Arena einstimmig gefasst worden, gibt die Bürgermeisterin zu. Bedenken gab es unter anderem wegen der Versiegelung, aber auch wegen der Frage, ob die Arena später als Argument genutzt werden könne, um dann doch die dritte Startbahn zu bauen. Schwind nennt die Arena aber eine "riesige Chance für Freising". Und betont: "Auch wenn sie Munich Arena heißt, sie steht in Freising."
Und inzwischen braucht auch München die Arena – nämlich für Olympia. "Es kann schon sein, dass wir den Zuschlag für 2036 bekommen", sagt Söder. Dann soll aus dem Konzerthaus ein Schwimmbad werden. Dass das möglich ist, habe er bereits prüfen lassen, sagt Lorenz Schmid. Die Materialien könnten zu einem großen Teil hinterher für Messen oder Konzerte verwendet werden.
CSU: "Auch für Olympia braucht es die Halle nicht"
Doch auch darüber sind nicht alle in München glücklich. Der CSU-Fraktionschef im Rathaus, Manuel Pretzl, der es grundsätzlich bedauert, dass die Arena in Freising und nicht in München gebaut wird, sagt: "Auch für die Bewerbung für Olympische Spiele braucht es die Halle aus unserer Sicht nicht. Die Münchnerinnen und Münchner hätten viel mehr von einem neuen Schwimmbad in der Stadt, was dann auch dauerhaft als Olympiastützpunkt erhalten bleibt."
Pretzl kündigt an, darauf weiter zu drängen. Nach dem Olympia-Entscheid hatte auch Grünen-Stadtrat Brem die Frage aufgeworfen, ob es nicht doch möglich sei, in München ein Schwimmbad zu bauen. Die ÖDP stellte einen Antrag dazu. Womöglich ändert sich das Olympia-Konzept also doch noch mal.
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