Architekturdebatte: „Die banalste Stadt Europas“

Der Architekt Stephan Braunfels lässt an den Neubauten in München kein gutes Haar - „ausnahmslos massive Kästen“.
| Stephan Braunfels
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In München abgelehnt: Die Braunfels-Entwürfe für die Neubebauung des Metro-Geländes in Schwabing.
Jens Waninger Braunfels 4 In München abgelehnt: Die Braunfels-Entwürfe für die Neubebauung des Metro-Geländes in Schwabing.
In München abgelehnt: Die Braunfels-Entwürfe für den Arnulfpark.
Braunfels 4 In München abgelehnt: Die Braunfels-Entwürfe für den Arnulfpark.
In München abgelehnt: Die Braunfels-Entwürfe für das Nano-Institut am Englischen Garten.
Braunfels 4 In München abgelehnt: Die Braunfels-Entwürfe für das Nano-Institut am Englischen Garten.
Schön und abwechslungsreich geht sicherlich anders: So präsentiert sich das Neubaugebiet zwischen der Wilhelm-Hale-Straße und dem Hirschgarten.
Arno Makowsky 4 Schön und abwechslungsreich geht sicherlich anders: So präsentiert sich das Neubaugebiet zwischen der Wilhelm-Hale-Straße und dem Hirschgarten.

München - Deutschlands teuerste und „schönste“ Stadt (so meinen zumindest die Münchner...) entwickelt sich seit über einem Jahrzehnt zur langweiligsten, architektonisch banalsten Stadt in ganz Europa: Wo man hinschaut entstehen nur noch die immer gleichen rechteckigen Kisten und Kästen – am Arnulfpark entlang der Bahn, in der Parkstadt Schwabing entlang der Autobahn, auf dem ehemaligen Metrogelände entlang der Leopoldstraße – überall: Schachteln, Schachteln, Schachteln... der einst verschriene Kaufhof am Marienplatz ist dagegen ein skulpturales Meisterwerk !

Ich selber habe es – nach meinem „Scheitern“ an der Leopoldstraße und am Arnulfpark – aufgegeben, noch an Architekturwettbewerben in München teilzunehmen: Es gewinnen ja doch immer nur Schuhschachteln.

Selbst beim Wettbewerb für die geplanten Nano-Institute auf dem Gelände der veterinärmedizinischen Klinik am Englischen Garten, wo sich offene, vegetative Formen geradezu aufdrängen, sind ausnahmslos massive Kästen prämiert worden, die den Zugang zum Park regelrecht verstellen!

Lesen Sie hier den Debattenbeitrag von Lutz Heese, Chef der Architektenkammer: „Ich wünsche mir mehr Mut von allen“

Da all diese Gedanken und Einfallslosigkeiten von „hochmögenden“ Architektenjurys prämiert wurden, muss man sich fragen: Was ist mit den Juroren los, dass sie immer die gleichen Rasterkisten auswählen?

Und wo sind die wilden jungen Architekten - oder die wilden Alten, die Gehrys, Hadids, Liebeskinds oder Kolhaas, die diese Juroren zu geistreicheren Entscheidungen zwingen?

Dass eine Rasterkiste das schönste Gebäude der Welt sein kann, hat Mies van der Rohe mit seinem Seagram Building in New York bewiesen. Aber von Mies’ Eleganz und Schönheit sind Münchens plumpe Schuhschachteln mit Thermohaut und Kunststoff-Löchern weit entfernt – und 50 Kisten nebeneinander und an jeder Ecke der Stadt die gleichen wie zum Beispiel im Wohngebiet am Hirschgarten hätte selbst Mies abgelehnt!

Große Häuser müssen atmen, sich bewegen und „swingen“ – sonst wird aus der „schönsten Stadt“ eine riesige lähmende Wohnkaserne!

 

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