Anwohnerbeschwerde: Späti im Münchner Univiertel darf nach 22 Uhr kein Bier mehr verkaufen

Zuletzt schien alles friedlich im Univiertel zwischen Späti-Betreibern und Anwohnern, die letzten Sommer viel über nächtlichen Partylärm im Karrée Türken-/Schelling-Amalienstraße geklagt hatten. Im Februar hatte man sich mit Konfliktmanagern der Stadt darauf geeinigt, dass fünf Spät-Kioske in der Partyzone ab 1. März nur noch bis Mitternacht Flaschenbier verkaufen anstatt bis tief in die Nacht hinein (AZ berichtete). Als „freiwillige Selbstverpflichtung“, damit auf der Straße früher Ruhe einkehrt.
Post vom Kreisverwaltungsreferat
Aber so friedlich wird es wohl nicht bleiben: Letzten Montag flatterte dem Amalien-Kiosk an der Ecke Amalien-/Schellingstraße unangenehme Post vom Kreisverwaltungsreferat (KVR) ins Haus: Der Späti darf ab sofort nur noch bis 22 Uhr Mitnehm-Bier verkaufen. Bei „Zuwiderhandlung“ werde ein Zwangsgeld von 5000 Euro fällig. Zudem müssten umgehend Schilder im Schaufenster aufgehängt werden, die auf das Verkaufsverbot ab 22 Uhr hinweisen, heißt es in dem Schreiben. Das KVR sei von der übergeordneten Regierung von Oberbayern verpflichtet worden, die Anordnung durchzusetzen.

"Mir bricht die Hälfte vom Umsatz weg"
"Ich bin von diesem Brief total überrumpelt worden", sagt Kioskbetreiber Ido Askar (37) zur AZ. Er hat den Laden vor zwei Jahren eröffnet, öffnet werktags von acht Uhr morgens bis Mitternacht und Freitag und Samstag von neun bis ein Uhr nachts. Tagsüber verkaufe er vor allem alkoholfreie Getränke wie Spezi und Mate, dazu Kaugummis, Süßigkeiten, Tabak aber auch Zahnpasta oder Konserven.
Erst ab 22 Uhr werde viel Flaschenbier gewünscht, vor allem am Wochenende. "Wenn ich da kein Bier mehr verkaufen darf, bricht mir die Hälfte von meinem Umsatz weg", sagt Askar. Die Miete fürs Geschäft sei teuer. "Ohne die Einnahmen am Abend muss ich meinen Laden zusperren."

Was den Späti-Betreiber auch ratlos macht: "Ich habe den kleinsten Kiosk hier", sagt Askar. "Meine Kunden machen überhaupt keinen Lärm. Wir bitten alle immer, nach dem Einkauf nicht vor dem Kiosk stehen zu bleiben, damit die Nachbarn Ruhe haben."

Ein Anwohner hat sich beschwert
Hintergrund ist offenbar, dass sich ein Anwohner direkt bei der Regierung von Oberbayern beschwert und gefordert hat, dass das KVR einen 22-Uhr-Bierverkaufsschluss durchsetzt. "Die Regierung von Oberbayern hat die Weisung mit dem Recht der Anwohnenden auf Lärmschutz in der immissionsschutzrechtlichen Nachtzeit begründet", erklärt das KVR auf AZ-Anfrage.
Kommen noch mehr Klagen vor Gericht?
Aus der Nachbarschaft ist derweil zu hören, dass es noch mehr Beschwerden geben könnte – und auch Klagen vor Gericht. Denn in der Schellingstraße genehmige die Stadt seit einigen Jahren nicht nur immer mehr Gastrobetriebe und Take-away-Läden, sondern auch mehr Schanigärten und Freischankflächen.
"Wir haben letzten Sommer auf 210 Metern in der Schellingstraße 18 Gastrobetriebe und rund 1000 Draußen-Sitzplätze gezählt", sagt einer, der im Viertel wohnt. "Und das in der Maxvorstadt, die extrem dicht bewohnt ist. Der Lärm nachts und der Müll auf den Straßen am Morgen sind für uns Anwohner wirklich nicht mehr auszuhalten."

Noch gilt der "Probelauf zum Saisonstart"
Bislang ist der Amalien-Kiosk der einzige in der Partymeile rund um die Schellingstraße, der die neue 22-Uhr-Bierbeschränkung bekommen hat. Für die anderen gelte nach wie vor der sogenannte "Probelauf zum Saisonstart" mit einer Bierverkaufsbeschränkung bis Mitternacht, erklärt das KVR.
Kommende Woche allerdings soll der Abschlussbericht zu diesem Probelauf fertig werden, ist zu hören. Dazu soll das "Allparteiliche Konfliktmanagement" der Stadt (Akim) vorlegen, welche Ergebnisse die bisherigen Bierverkaufsbeschränkungen gebracht haben. Ist es insgesamt nachts ruhiger geworden im Viertel? Haben sich nach Feier-Nächten auf der Straße die Müllmengen verringert? Danach dürfte klar sein, welche Regeln in der Partymeile langfristig gelten sollen.