Angst vor Krawallen in München? Oberpollinger baut Schutzbretter auf – und wieder ab
Ein brennendes Rathaus in Limoges, Straßenschlachten in Paris, zerstörte Schaufensterscheiben und Menschen, die Geschäfte plündern. Die Bilder von den Protesten in Frankreich gingen um die Welt. Grund für die Proteste in der Grande Nation sind die hohen Lebenshaltungskosten und Versäumnisse und Sparmaßnahmen im Bildungsbereich.
Mit ähnlichen Problemen haben auch die Menschen in Deutschland zu kämpfen. Und auch hier will man nun auf die Straße gehen. Im Internet hat "Gen-Z regelt", ein, nach eigener Aussage unabhängiger, überparteilicher und loser Zusammenschluss junger Menschen, am Samstag, 31. Oktober, deutschlandweit zu Protestaktionen aufgerufen. "Wir sind junge Menschen, die nicht länger zusehen wollen, wie ohne uns über unsere Zukunft entschieden wird. Am 31. Oktober gehen wir in 32 Städten auf die Straße: für Bildung, Gesundheit, Klimaschutz und ein bezahlbares Leben", heißt es auf deren Webseite.
Dort sind auch sechs mehr oder weniger konkrete Forderungen formuliert:
- "Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie statt Kürzungen."
- "Ein bezahlbares Leben. Die Sorgen der Menschen gehören ganz oben auf die Tagesordnung."
- "Lasten gerecht verteilen, statt bei der jungen Generation zu sparen."
- "Nein zur Wehrpflicht. Über unsere Zukunft entscheidet niemand ohne uns"
- "Grundrechte schützen, statt die Überwachung immer weiter auszubauen."
- "Konsequenter Klimaschutz jetzt, damit wir eine Zukunft haben."
Über 7000 Personen haben sich im Internet für Demo in München angemeldet
153.543 Menschen haben dort (Stand: Donnerstag, 14 Uhr) bereits erklärt, an den Demonstrationen teilnehmen zu wollen. 7724 davon in München, auf dem Geschwister-Scholl-Platz, von dem aus ein Demonstrationszug in Richtung Münchner Freiheit starten soll.
Zunächst haben die Veranstalter nur 200 Teilnehmende erwartet, mittlerweile wurde diese Zahl auf 500 bis 1000 erhöht. Gewalt lehnt die Gruppe nach eigenen Angaben ab. Auch Bayerns Innenminister Joachim Herrmann rechnet bei den Protesten in München, Nürnberg, Augsburg und Regensburg nicht mit einer Eskalation der Gewalt, wie es in Frankreich oder Italien der Fall war.

Gastwirte und Ladenbesitzer in der Innenstadt sind besorgt
So ganz scheint man in der Innenstadt diesem Braten aber nicht zu trauen. Gastwirte und Geschäftsleute in der Fußgängerzone sind besorgt. "Kann ich am Samstag aufsperren?“ fragt eine Lokal-Chefin, "sind meine Mitarbeitenden möglicherweise in Gefahr?“
Einige Geschäfte wollten sich auch präventiv vorbereiten. So wurde beispielsweise beim Oberpollinger in der Neuhauser Straße am Mittwoch damit begonnen, die Schaufenster im Erdgeschoss mit Holzbrettaufbauten vor einer möglichen Zerstörung zu bewahren. Die Arbeiten wurden der AZ auch von einer Mitarbeiterin bestätigt.

Oberpollinger lässt Schutzbretter auf- und dann wieder abbauen
Als ein AZ-Reporter am Donnerstagvormittag vorbeikam, wurden die bereits errichteten Holzaufbauten, deren Wert sich auf etwa 15.000 Euro belaufen soll, jedoch wieder entfernt. Der AZ verrieten die Arbeiter, dass für die Maßnahmen wohl keine Genehmigung der Stadt vorliegen würde.

Allerdings sei eine Genehmigung von Seiten der Stadt gar nicht notwendig gewesen, wenn es sich um eine reine Schutzmaßnahme gehandelt hätte, erklärt die Münchner Lokalbaukommission der AZ auf Anfrage. Nur wenn der Denkmalschutz davon betroffen wäre, müsste eine Erlaubnis eingeholt werden. Bei Oberpollinger, der zum KaDeWe Berlin gehört, war bis Donnerstagnachmittag 16 Uhr niemand per Mail oder Telefon für eine Stellungnahme zu erreichen.
Polizei sieht keine Notwendigkeit für zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen
Aus Sicht der Polizei sind zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen nicht notwendig. Zwar seien am Samstag vereinzelte Sicherheitsstörungen und Straftaten nicht gänzlich auszuschließen, allerdings gäbe es für eine besondere Sicherung oder Schließung von öffentlichen Gebäuden oder gewerblichen Einrichtungen derzeit keinen begründeten Anlass. Sollten dennoch Vorkehrungen getroffen werden, liegt dies in der Entscheidung der jeweiligen Gebäudeverantwortlichen oder Gewerbetreibenden, so wie es beim Oberpollinger der Fall war.
Die Polizei ist auf alle Fälle vorbereitet. "Wir sind am 31.10. im Einsatz bei den Versammlungen, um das Recht auf Versammlung zu schützen. Das Recht besteht, wenn man es friedlich und unbewaffnet tut. Sollten jedoch einzelne dabei sein, die meinen, etwas kaputtmachen zu müssen oder gewalttätig zu werden, dann werden wir das mit aller Konsequenz und den eingesetzten Kräften verfolgen", so Thomas Schelshorn, Pressesprecher der Polizei München.
Keine Angst vor Eskalation: "City-Partner"-Chef vertraut der Polizei und dem KVR
Auch Wolfgang Fischer, Geschäftsführer des Vereins "City-Partner", hat keine Angst vor einer Eskalation der Gewalt. "Ich bin zuversichtlich, dass es am Samstag zu keinen größeren Krawallen und Zerstörungen wie in Frankreich kommen wird, da wir hier in Deutschland ganz andere Rahmenbedingungen haben", so Fischer im Gespräch mit der AZ.

Fischer vertraut in diesem Zusammenhang der Polizei, dem KVR und den anderen Sicherheitsbehörden voll und ganz. "Die Münchner Polizei hat bei der Sicherheitskonferenz und auch bei anderen Protestaktionen wie bei der IAA oft genug unter Beweis gestellt, dass sie solche Situationen zu meistern weiß und mögliche Eskalationen und Gewalt schon im Keim ersticken kann", so der "City-Partner"-Chef vertrauensvoll.
