Anbohrt is: Bei der zweiten Stammstrecke gab es heute was zu feiern

Die schier unendliche Geschichte um die Fertigstellung der Zweiten Stammstrecke in München hat eine wichtige Etappe erreicht. Mit einer "Tunnelandrehfeier" am Tunnelportal West (Richelstraße) begann am Donnerstagmittag die maschinelle Bohrung von der Donnersbergerbrücke aus in Richtung Marienhof, inklusive einer Sektflaschen-Taufe.

Gegen 15 Uhr ließ die Frau des Bayerischen Verkehrsministers Christian Bernreiter, Tunnelpatin Ann-Kathrin Jandt-Bernreiter, die Sektflasche gegen den riesenhaften Bohrer knallen, ähnlich einer Schiffstaufe. Und das gelang. Die Flasche zerschellte an der Verschalung des Bohrers namens Donna Maria. Ein kleiner Erfolg. Bekanntermaßen geht so eine Flasche ja nicht immer beim ersten Versuch kaputt.

Bahn und Freistaat rechnen mit 9,5 Milliarden Euro Gesamtkosten
Es wirkte, als ob alle Beteiligten in den Glasscherben ein gutes Omen sahen, bei der pannenreichen Vorgeschichte des Projekts Zweite Stammstrecke. Fast zehn Jahre ist der erste Spatenstich her. Und das Bau-Ende ist mehrmals verlängert worden. Vor mehr als zehn Jahren wurde 2022 als Bauende genannt.
Etwa 400 Menschen kamen zur Anbohr-Feier in der Richelstraße, darunter der Bayerische Verkehrs- und Bauminister Christian Bernreiter, Gerd-Dietrich Bolte, Vorstand der DB InfraGO, die Dritte Bürgermeisterin Münchens, Verena Dietl (SPD) sowie Michael Blaschko, Vorstand der Wayss & Freytag Ingenieurbau.
Bernreiter wirkte glücklich. "Gerade in den letzten Tagen wurde wieder klar, dass die Zweite Stammstrecke dringend nötig ist", sagte er. Damit deutete Bernreiter auf das S-Bahn-Chaos, das am ersten Schultag herrschte. Er rechnet mit etwa 9,5 Milliarden Euro, die das Projekt am Ende kosten wird. Ursprünglich rechnete man etwa mit einem Drittel des Betrages.
Donna Maria wiegt 700 Tonnen
DB-Vorstand Bolte stellte den zeitlichen Rahmen klar. Zwischen 2035 und 2037 soll die erste S-Bahn auf der Zweiten Stammstrecke fahren. "Das ist ein wichtiger Tag für München", sagte er und versicherte, dass der Bohrer noch am Donnerstagabend starten werde.
Die Dimensionen des Tunnelbohrers Donna Maria sind enorm. 178 Meter lang, das Gewicht beträgt 700 Tonnen. Diese Maschine wird sich drei Jahre lang bis zu 40 Meter in die Tiefe graben und Meter für Meter Richtung Marienhof vorarbeiten.
Die Röhre, die dabei entsteht, wird der Rettungs- sowie Erkundungstunnel zwischen Donnersbergerbrücke und Marienhof sein. Etwa drei Kilometer beträgt die erste Bohrstrecke von der Donnersbergerbrücke aus.