Amokfahrt am Ring: 40-Tonner walzt alles um

Ein Fernfahrer (33) verwandelt den Mittleren Ring in ein Schlachtfeld: Er rammt Autos, brettert über einen Gehsteig und versteckt sich am Ende in einer griechischen Taverne.
| Ralph Hub
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Ende einer Amokfahrt: Einsatzkräfte vor der zerstörten Fahrerkabine des Lkw.
Thomas Gaulke Ende einer Amokfahrt: Einsatzkräfte vor der zerstörten Fahrerkabine des Lkw.

Ein Fernfahrer (33) verwandelt den Mittleren Ring in ein Schlachtfeld: Er rammt Autos, brettert über einen Gehsteig und versteckt sich am Ende in einer griechischen Taverne

München - Überall Trümmer
, zerbeulte Autos, demolierte Verkehrszeichen, eine plattgewalzte Ampel – der Innsbrucker Ring gleicht einem Schlachtfeld. Wie durch ein Wunder gibt es keine Toten oder Schwerverletzte. Der Fernfahrer, der das Chaos verursacht hat, ließ seinen Sattelzug einfach am Mittleren Ring stehen.

Als Kristian G. (33) von der Polizei später festgenommen wird, sitzt er etwa 300 Meter entfernt in einer griechischen Taverne bei einem Glas Bier.

Bilder: Lkw zieht Schneise der Verwüstung

„Der Laster hat alles niedergewalzt, was ihm im Weg war“, erzählt Kutay A. (23). Der Elektriker war mit Freunden unterwegs, als der Sattelzug am Freitagabend eine Armlänge entfernt an ihnen vorbeirast: „Der Fahrer hatte bestimmt 100 Sachen drauf. Wir kamen uns vor wie in einem Actionfilm.“

Am Steuer des roten Trucks sitzt Kristian G. Der 33-jährige Fernfahrer aus Rumänien hat knapp 40 Tonnen Bauteile geladen. Weil er in Schlangenlinien fährt, verständigen Autofahrer die Polizei. Der Truck ist auf Höhe der Raststätte „Hofoldinger Forst“. Bis zum Münchner Stadtrand gelingt es der Polizei nicht, ihn einzuholen.

Der DAF-Truck hat auf der Autobahn den BMW eines Speditionskaufmannes aus dem Landkreis Ludwigslust (Mecklenburg-Vorpommern) gerammt. Der 47-Jährige nimmt die Verfolgung auf. Am Autobahnende in Ramersdorf steht die Ampel auf Rot. Doch der 40-Tonner brettert weiter auf den Innsbrucker Ring. An der Kreuzung zur Ottobrunner Straße rammt er den Opel Astra eines Maurers (46) aus München. Der Opel wird mehrfach um die eigene Achse geschleudert, bleibt verbeult liegen.

Der BMW-Fahrer versucht, den Truck auszubremsen. Doch Kristian G. fährt stur weiter. An der Hechtseestraße ist die Ampel rot. Um nicht in die wartenden Autos zu krachen, weicht der BMW-Fahrer auf den Gehsteig aus. Der 40-Tonner folgt. Ein Radler und ein paar Fußgänger können sich im letzten Moment retten. Der Laster rammt den BMW schiebt ihn gegen einen Baum. Der Fahrer, seine Freundin (26) und deren Sohn (7) werden leicht verletzt.

Dann walzt der Truck eine Mauer nieder – und bleibt mit platten Reifen endlich liegen. „Als wir in die Kabine sahen“, erzählt Kutay A., „war der Fahrer verschwunden.“

Wenig später taucht Kristian G. in der Taverne „Nefeli“ auf. „Er stammelte etwas von einer Pistole, jemand wolle ihn töten und bestellte sich ein Bier“, berichtet Petros Zafiriadis. Der Wirt verständigt die Polizei. Acht Beamten überwältigen den Fernfahrer. Kristian G. sitzt U-Haft. Ob er unter Drogen- oder Medikamenteneinfluss stand, wird geprüft. „Er wirkt verwirrt“, erklärt ein Polizeisprecher. Möglicherweise ist das das Motiv der Amokfahrt.

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