Altstadt-Lehel nicht mehr am teuersten: Hier zahlt man jetzt die höchsten Mieten in München

München ist und war ein teures Pflaster. Die Miete frisst mittlerweile im Schnitt 41 Prozent des Nettoeinkommens. Vor allem in den vergangenen zehn Jahren ist die Angebotsmiete deutlich angestiegen, in manchen Stadtteilen bis zu 70 Prozent. Diese Steigerung übertrifft die allgemeine Inflation deutlich.
von  André Wagner
Dämmerung über München – die immer teureren Mieten hängen als Dauerthema über der Stadt. Aktuelle Zahlen zeigen, wie sich die Kosten in den letzten zehn Jahren entwickelt haben.
Dämmerung über München – die immer teureren Mieten hängen als Dauerthema über der Stadt. Aktuelle Zahlen zeigen, wie sich die Kosten in den letzten zehn Jahren entwickelt haben. © imago/Rolf Poss

In München kennen die Mietpreise nur eine Richtung – nach oben. Die bayerische Landeshauptstadt war schon immer ein teures Pflaster zum Wohnen, aber in den vergangenen zehn Jahren sind die Angebotsmieten, also die Miete, welche in Neuvermietungsinseraten verlangt wird, rasant gestiegen, in vielen Stadtteilen über 60 Prozent, einmal sogar um 71 Prozent, wie Zahlen der Empirica Preisdatenbank zeigen.

Im Schnitt sind in München die Angebotsmieten im Zehn-Jahres-Vergleich (1. Quartal 2016 und 2026) rund 52 Prozent gestiegen. Mieter zahlen heute also über 50 Prozent mehr für ihre Wohnung als noch im Jahr 2016. Die Angebotsmieten sind die Preise, mit denen jeder Wohnungssuchende konfrontiert ist.

Lag der Quadratmeterpreis vor zehn Jahren im ersten Quartal noch bei 15,34 Euro, so sind es heute bereits 23,26 Euro, ein satter Anstieg um 51,6 Prozent.

Zehn-Jahres-Vergleich: Schwanthalerhöhe verzeichnet höchsten Mietanstieg

Den größten Mietanstieg in München findet man im Stadtteil Schwanthalerhöhe. 2016 betrug der Preis pro Quadratmeter mit 15,01 Euro noch 33 Cent unter dem Münchner Schnitt. Zehn Jahre später sind dort nun 25,67 Euro fällig, also 2,42 Euro mehr als im Durchschnitt der Stadt – ein deutlicher Anstieg von 71 Prozent im Zehn-Jahres-Vergleich.

In drei weiteren Stadtteilen ist die Miete im Vergleich zu 2016 über 60 Prozent teurer geworden. In Allach-Untermenzing lag der Quadratmeterpreis im ersten Quartal 2016 im Schnitt noch bei 13,07 Euro, nirgendwo in München lag dieser Wert niedriger. Zehn Jahre später sind es bereits 21,67 Euro, also 8,60 Euro mehr – ein Anstieg von 65,8 Prozent. In den Stadtteilen Hadern (20,97 Euro) und Feldmoching-Hasenbergl (20,92 Euro) ist es nun günstiger als in Allach-Untermenzing.

Angebotsmieten in der Altstadt prozentual am geringsten gestiegen

Auch in den Stadtteilen Aubing-Lochhausen-Langwied und Neuhausen-Nymphenburg sind die Angebotsmieten seit 2016 über 60 Prozent angestiegen. Lag der Quadratmeterpreis im Münchner Westen vor zehn Jahren noch bei 13,83 Euro, ist er im Jahr 2026 auf 22,39 Euro (+ 8,56 Euro) hochgeschossen, eine Steigerung von 61,9 Prozent.

In Neuhausen-Nymphenburg waren im Jahr 2016 im Schnitt 15,48 Euro für den Quadratmeter fällig, zehn Jahre später sind es mit 25 Euro schon 9,52 Euro mehr, im Zehn-Jahres-Vergleich also ein Anstieg um 61,5 Prozent.

Blick über die Dächer von Haidhausen. Zwischen 2016 und 2026 sind die Mieten in München im Durchschnitt von 15,34 Euro pro Quadratmeter auf 23,26 Euro gestiegen.
Blick über die Dächer von Haidhausen. Zwischen 2016 und 2026 sind die Mieten in München im Durchschnitt von 15,34 Euro pro Quadratmeter auf 23,26 Euro gestiegen. © IMAGO/Wolfgang Maria Weber

Den geringsten Anstieg der Angebotsmiete in München seit 2016 gibt es im Stadtteil Altstadt-Lehel. Vor zehn Jahren lag der durchschnittliche Quadratmeterpreis bei 20 Euro und damit so hoch, wie sonst nirgends in München. Mittlerweile sind im Herzen Münchens 25,96 Euro für den Quadratmeter fällig und damit "nur" 29,8 Prozent mehr als im Jahr 2016. Damit wurde die Altstadt-Lehel, was die Angebotsmiete angeht, vom Spitzenplatz verdrängt. Heutzutage ist der Quadratmeterpreis in den Stadtteilen Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt (26,71 Euro/m²), Schwabing-West (26,49 Euro/m²) und Au-Haidhausen (26,25 Euro/m²) noch teurer.

Viertel 1. Q'16 Median 1. Q'26 Median Steigerung von 2016–2026 in %
Schwanthalerhöhe 15,01 25,67 71,0
Allach-Untermenzing 13,07 21,67 65,8
Aubing-Lochhausen-Langwied 13,83 22,39 61,9
Neuhausen-Nymphenburg 15,48 25 61,5
Ramersdorf-Perlach 14,73 23,27 58,0
Sendling 14,89 23,5 57,8
Untergiesing-Harlaching 15,00 23,66 57,7
Feldmoching-Hasenbergl 13,27 20,92 57,6
Berg am Laim 14,09 21,95 55,8
Sendling-Westpark 14,83 22,88 54,3
Pasing-Obermenzing 14,86 22,84 53,7
Thalkirchen-Obersendling-Forstenried-Fürstenried-Solln 14,43 22,12 53,3
Schwabing-West 17,31 26,49 53,0
München gesamt 15,34 23,26 51,6
Milbertshofen-Am Hart 14,99 22,58 50,6
Trudering-Riem 14,53 21,84 50,3
Hadern 14,06 20,97 49,1
Au-Haidhausen 17,61 26,25 49,1
Schwabing-Freimann 16,74 24,89 48,7
Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt 18,00 26,71 48,4
Maxvorstadt 17,43 25,83 48,2
Laim 15,00 22 46,7
Moosach 15,67 22,93 46,3
Bogenhausen 15,77 22,93 45,4
Obergiesing-Fasangarten 15,15 22 45,2
Altstadt-Lehel 20,00 25,96 29,8

Münchner Miete frisst über 40 Prozent des Nettoeinkommens auf

Für den Geldbeutel sind die Münchner Mietpreise eine ziemlich finanzielle Belastung. Einer immowelt-Studie zufolge frisst die Miete im Schnitt 42,1 Prozent des Nettoeinkommens auf, das heißt, dass fast die Hälfte des Nettoeinkommens in München für die Miete draufgeht. Die allgemein geltende Schmerzgrenze für Warmmieten in Deutschland liegt bei 30 Prozent.

"In München als teuerster Stadt Deutschlands ist die Lage besonders angespannt. Die Menschen in München bezahlen im deutschlandweiten Vergleich besonders hohe Mieten und finden nur schwer eine neue Wohnung, wenn sie ihr altes Zuhause verlieren", sagt Monika Schmid-Balzert, Geschäftsführerin des DMB Mietervereins München.

Während die Angebotsmieten innerhalb von zehn Jahren um die Hälfte angestiegen sind, haben sich die sonstigen Verbraucherpreise etwa um ein Drittel erhöht.

"Die Entwicklung der Löhne kann nicht Schritt halten mit der Entwicklung der Mieten", sagt Simone Burger, Vorsitzende des DGB Region München und stellvertretende Vorsitzende des Mietervereins.

Aktionsbündnis fordert sechsjährigen Mietstopp

"Wir brauchen dringend Neubau von bezahlbaren Mietwohnungen, damit nicht noch mehr Menschen aus München verdrängt werden. Gleichzeitig müssen wir bestehende Mietverhältnisse schützen – etwa über einen zeitlich befristeten Mietenstopp. Die Mieter brauchen dringend eine Atempause", so Burger weiter.

Der DGB Region München und der DMB Mieterverein München sind Teil des Mietenstopp-Bündnisses. Unter dem Motto "Die Miete sprengt den Rahmen" finden vom 3. bis 5. Juli bundesweit Aktionstage statt, an denen sich auch das Mietenstopp-Bündnis beteiligt. Hauptforderung ist eine stärkere Begrenzung von Mieterhöhungen bis hin zum völligen Erhöhungsstopp für einen Zeitraum von sechs Jahren.

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