Altschausteller erinnern sich: 870.000 D-Mark für den nagelneuen "Tri Star"

Christa Aigners Augen leuchten, als sie von dem ersten Wiesn-Geschäft erzählt, das sie gemeinsam mit ihrem Mann betrieb. "Als wir jung waren, haben wir mit dem Schützenhaus Aigner angefangen – das war eine Schießbude", sagt die heute 81-Jährige und grinst. 1966 sei das gewesen.
Neben ihr sitzt ihr Mann Albert Aigner. Die beiden sind am Donnerstag zum "Altschausteller Stammtisch" ins Festzelt Marstall auf der Wiesn gekommen. Eine alte Tradition, zu der die Veranstaltungsgesellschaft der Münchner Schausteller Altschausteller einlädt.
"Geisterbahn-Edi" und die Aigners: Wenn die alten Wiesn-Profis erzählen
Die Aigners freuen sich über die Gelegenheit, ihre alten Bekannten aus den frühen Volksfest-Jahren wiederzusehen. "Man kann Erinnerungen austauschen", erzählt sie. Und an ihre Zeit als Schaustellerin hat sie noch viele Erinnerungen.
Nach der Schießbude investierte das Paar in ein neu gebautes Fahrgeschäft: den "Tri Star". 870.000 D-Mark habe der damals gekostet. "Eine Menge Geld – da erschrickt man heute noch manchmal vor der Summe", sagt die Münchnerin und lacht. Das Risiko habe sich letztlich gelohnt. Trotzdem blickt Christa Aigner heute mit etwas Staunen auf diese Zeit zurück: "Man wundert sich, dass man das alles geschafft hat."

Nach dem "Tri Star" war es aber noch lange nicht vorbei mit ihrer Fahrgeschäfte-Laufbahn. Später kamen noch weitere Karusselle dazu, und sogar eine kleine Achterbahn. 2017 hätten sich die beiden dann in ihren wohlverdienten Ruhestand verabschiedet. Ihre Liebe zu den Volksfesten gaben sie an ihre Tochter weiter. Die schlug jedoch einen etwas anderen Weg ein: Statt bei den Fahrgeschäften landete sie in der Gastronomie. Auf der Wiesn betreibt sie seit 2011 die "Weinlaube".
Den gruseligen Beinamen hat er sich hart erarbeitet
Christa und Albert gegenüber sitzt Edmund Eckl, auch bekannt als "Geisterbahn-Edi". Den gruseligen Beinamen hat er sich hart erarbeitet. Seine Familie übernahm Ende der 60er-Jahre eine der ersten Geisterbahnen des Oktoberfestes – und die findet man auch heute noch auf dem Gelände. Betrieben werde sie inzwischen von seinem Bruder, sagt Edmund Eckl.

Er selbst habe in seinem Leben sogar einige Geisterbahnen gebaut, erzählt der 77-Jährige. "Ich habe Kunst- und Bauschlosser gelernt." Und wie lange dauert es, eine Geisterbahn selbst zu bauen? Eckl überlegt kurz, spitzt die Lippen und sagt: "Ja, so drei Jahre."
Vor neun Jahren war es dann vorbei mit seinem Leben als Schausteller. Den "Geisterbahn-Edi" holte ein wahrer Schrecken ein. "Ich habe eine Herzmuskelentzündung gekriegt", erzählt er. "Ich habe es überlebt", aber noch immer lebe er mit den Folgen. Heute bleiben ihm die Erinnerungen und die Momente mit seinen alten Kollegen, in denen sie gemeinsam in längst vergangenen Volksfest-Zeiten schwelgen können.