Aldi-Bau: Klage gegen Toni Roiderer

Der Wiesnwirt Toni Roiderer lässt in Straßlach einen Supermarkt bauen. Die Architekten fordern jetzt Geld.
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Wiesnbierprobe im Eiswerk, hier Toni Roiderer und seine Frau Christl.
Daniel von Loeper Wiesnbierprobe im Eiswerk, hier Toni Roiderer und seine Frau Christl.

München - Toni Roiderer hat meist ein gutes Händchen fürs Geschäft. Als Wiesnwirt, Betreiber eines Gasthofs in Straßlach oder seiner ebenfalls dort ansässigen Metzgerei. Doch jetzt hat der Sprecher der Wiesnwirte Ärger – wegen eines Bauprojekts, das man mit dem Gastronomen eher nicht in Verbindung gebracht hätte: eines Aldi-Marktes.

2014 hatte sich der Geschäftsmann in Straßlach einen Geschäftskomplex bauen lassen. Unterkommen sollte dort eine Aldi- und eine Edeka-Filiale. Doch zwischen Roiderer und dem Generalübernehmer, einer Planungsfirma aus Geretsried, lief es nach einer anfangs harmonischen Phase bald schon nicht mehr rund.

Vermietet sind die Geschäftsräume bereits, doch laut Roiderer gibt es Probleme mit dem Gebäude: Baumängel. Deshalb beglich der Wiesnwirt einen Teil der noch ausstehenden Rechnung nicht. Die Planungsfirma klagte. Gestern treffen sich die beiden Parteien vor dem Landgericht. Es wird schnell klar: Eine Einigung wird schwierig.

Schon der Bauvertrag wirft Fragen auf

Zunächst einmal ist der Fall komplex. „Ihr Vertrag liegt uns etwas im Magen“, sagt der Vorsitzende Richter Arno Debo. Dort ist festgelegt, dass sich Roiderer und die Planungsfirma zunächst privat mithilfe eines Schiedsgerichts einigen, sollte es einmal Ärger geben. Das Problem: Die Planungsfirma betont, diese Regelung sei optional, Roiderer sieht das anders. Bevor überhaupt über die Baumängel entschieden werden kann, müsste das Gericht feststellen, ob die Schiedsklausel gilt oder nicht. „Juristisch glattes Parkett“, so Debo. Selbst wenn verhandelt werden kann, sagt er, eine schnelle Geschichte wird’s nicht. Man brauche Gutachter, für bestimmte Sachkomplexe sogar mehrere. Es gebe "locker 50 Streitpunkte".

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Einige tauchen in der gestrigen Verhandlung auf. Etwa das Dach, eine Konstruktion mit Folien. Roiderer glaubt, dass es nicht dicht ist. „Wir hatten ja das Glück, dass wir Winter mit geringer Schneelast hatten.“ Ob das Dach aber tragfähig sei, wenn es mal runterschneit, das bezweifelt Roiderer.

Kontra von der Planungsfirma. „Diese Foliendächer sind kein Neuland“, entgegnet der Geschäftsführer Dieter Aue. Er arbeite seit 30 Jahren als Architekt, oft für Aldi, derartige Dächer würden oft verwendet.

Ein weiterer Streitpunkt: Wie das Wasser vom Dach abläuft und versickert. Das geschieht eher langsam und auf einer relativ großen Fläche auf dem Boden. Es entstehen Pfützen. Laut Planungsbüro ist das so gewollt, von den Behörden abgenommen und sinnvoll.

Roiderer sieht Baumängel, die Planungsfirma nicht

Roiderer sieht das jedoch als Baumangel. Wie sein Anwalt berichtet, habe die im Gebäude ansässige Edeka-Filiale sogar mit Mietminderung gedroht, weil die Filialleitung fürchtete, das Wasser würde sich bis in die Verkaufsräume ausdehnen.

Dritter Punkt: Erdarbeiten. Für sie waren 169 000 Euro veranschlagt. Weil die Arbeiten aufwendiger waren, als geplant, stand auf der Rechnung schließlich 230 000 Euro. Das will Roiderer nicht zahlen. „Wenn ich etwas anschaffe, dann zahle ich“, sagt der Wiesnwirt. Aber bei dieser Rechnung habe er aufgehorcht: „Da waren für mich zu viele Unklarheiten drin.“

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Eine verfahrene Situation. Und das, obwohl sich beide Seiten eigentlich gerne schnell einigen würden. Der Vorsitzende Richter Debo sieht dafür jedoch wenig Spielraum. Die Meinungen seien zu unterschiedlich. Er legt den Parteien nahe, sich noch mal zu besprechen. Aber nicht im Gerichtssaal. „Ich kann Sie ja nicht wie bei der Papstwahl in ein Zimmer sperren. Und wenn weißer Rauch aufsteigt, machen wir weiter.“

Vier Wochen haben die Streithähne jetzt Zeit, sich ohne Richter zu einigen. Sonst gibt es ein Urteil – davor aber einen Rechtsstreit, der sich Jahre hinziehen kann.

Daran ist wohl weder Roiderer, noch den Planern aus Geretsried gelegen.

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