Ärger am Wertstoffhof: Zugang nur noch für Autofahrer

Wer seinen Abfall zu Fuß abliefern will, hat Pech – und muss seinen Müll wieder mitnehmen oder motorisiert wiederkommen. Die Rathaus-ÖDP ist empört.
| Irene Kleber
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Dieser Herr muss leider draußen bleiben: Anwohner und ÖDPler Conrad Lausberg (61) darf nichts entsorgen am Wertstoffhof Thalkirchen, wenn er ohne Auto kommt.
Dieser Herr muss leider draußen bleiben: Anwohner und ÖDPler Conrad Lausberg (61) darf nichts entsorgen am Wertstoffhof Thalkirchen, wenn er ohne Auto kommt. © Daniel von Loeper

München - So wird das mal nichts mit der Verkehrswende und der Lust der Münchner, ihre Autos abzuschaffen – findet jedenfalls eine ziemlich angefressene ÖDP-Fraktion im Rathaus. Wenn man jetzt nicht mal mehr so banale Dinge zu Fuß erledigen kann, wie Müll auf den Wertstoffhof um die Ecke zu bringen.

Der Unmut kommt aktuell aus Thalkirchen. Dort sitzt der Softwareprogrammierer Conrad Lausberg (61), der 600 Meter vom Wertstoffhof entfernt in der Zennerstraße wohnt, für die ÖDP im Bezirksausschuss. Und als er am Samstag vor einer Woche gegen Mittag seinen kaputten HP-Tintenstrahldrucker am Wertstoffhof in der Thalkirchner Straße 260 abgeben wollte, hat man ihn schlichtweg vor dem Tor stehengelassen. Eintritt für Fußgänger verboten! Im Ernst?

Der Wertstoffhof an der Thalkirchner Straße 260. Hier kann man Sperrmüll, Bauschutt, Elektroschrott, Medikamente und mehr abliefern.
Der Wertstoffhof an der Thalkirchner Straße 260. Hier kann man Sperrmüll, Bauschutt, Elektroschrott, Medikamente und mehr abliefern. © Daniel von Loeper

Autofahrer beschweren sich über Fußgänger

"Die Situation war völlig absurd", erzählt Conrad Lausberg der AZ. Aus beiden Einfahrtsrichtungen kommend hätten sich jeweils an die zehn, 15 Autos vor dem Recyclinghof gestaut. Er sei zunächst - wie bislang gewohnt - mit seinem Drucker auf einer Sackkarre an der Fahrzeugschlange vorbeigegangen.

"Am Tor hat mich aber ein Ordner ziemlich rüde gestoppt und gesagt: Fußgänger kommen hier nicht rein." Wieso das denn? Er habe doch am Montag zuvor noch ganz normal zu Fuß seinen Christbaum entsorgen können? Weil es "Diskussionen mit Autofahrern" gegeben habe, erklärte der Ordner. Die hätten sich über längere Wartezeiten beschwert, wenn zeitgleich auch Fußgänger an der Autoschlange vorbei in den Wertstoffhof hineingehen.

Lausberg also reihte sich mit seiner Sackkarre brav hinter dem letzten Auto zu Fuß ein und stand nach einer Viertelstunde erneut am Tor. Aber die Freude, nun endlich dran zu sein, währte nur kurz: "Das gilt immer noch, dass Sie da nicht reindürfen", habe der Ordner wenig freundlich erklärt – und nun auf ein neues gelbes Schild an der Einfahrt gedeutet.

Neues Schild: "Keine Anlieferung zu Fuß"

"Bitte beachten Sie unsere Sicherheitsbestimmungen", heißt es da über einem Zwölf-Punkte-Regelwerk. Nach der "Blockabfertigung zum Schutz der anwesenden Personen" unter Punkt eins kommt gleich als Punkt zwei: "Keine Anlieferung zu Fuß." Die kleingedruckte Erläuterung dazu: "Um Fahrzeugwartezeiten zu verkürzen, sind Anlieferungen zu Fuß leider nicht möglich."

Auf dem gelben Schid steht's: "Keine Anlieferung zu Fuß."
Auf dem gelben Schid steht's: "Keine Anlieferung zu Fuß." © ÖDP

"Ja, soll ich mir jetzt jedes Mal ein Auto mieten und die Münchner Luft verpesten, wenn ich ein kaputtes Küchengerät oder irgendwelche Computerkabel entsorgen will", empört sich Lausberg, der an jenem Mittag ein gutes Dutzend weitere Zu-Fuß-Entsorgewillige mit Kartons und alten Kleinmöbeln und auch einen Radlfahrer gesehen hat, die weggeschickt worden seien.

"Ich finde das völlig unmöglich. Wer hat sich denn das schon wieder völlig unüberlegt ausgedacht?" Es seien schließlich nicht die Fußgänger, die die langen Blechlawinenstaus vorm Tor verursachen, "und auf dem riesigen Wertstoffhofgelände kann man überall locker zwei Meter Abstand halten", findet Lausberg.

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ÖDP fordert Begründung für "Zutrittsdiskriminierung"

Die Rathaus-ÖDP jedenfalls fordert jetzt in einem Dringlichkeitsantrag eine Erklärung von der zuständigen Kommunalreferentin Kristina Frank (CSU). Die Werkleitung des städtischen Abfallwirtschaftsbetriebs (AWM) soll die "Zutrittsdiskriminierung" für Fußgänger begründen und erklären, wo Fußgänger und Radler denn bitteschön dann Sperrmüll, Wert- und Gefahrstoffe entsorgen sollen, wenn es doch verboten ist, etwa Elektroschrott in die Restmülltonne zu werfen.

Und was ist eigentlich aus dem kaputten HP-Tintenstrahldrucker geworden? Nein, Lausberg hat ihn nicht wieder die 600 Meter bis nach Hause gerollt. Ein Autofahrer hat sich erbarmt, das Trumm freundlich und kopfschüttelnd in seinen Wagen gepackt – und für Conrad Lausberg entsorgt.

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