Älteste Tankstelle Bayerns: Münchner Werkstatt mit über 100 Jahren Geschichte

Unweit vom Laimer Anger steht ein Stück bayerische Verkehrsgeschichte. Eine unscheinbare Autowerkstatt in der Lutzstraße gilt als die älteste als Baudenkmal erfasste Tankstelle in ganz Bayern. In ihrer über hundertjährigen Geschichte wurde sie zur Werkstatt umfunktioniert – und noch heute wird sie so genutzt.
Ein Stück bayerische Verkehrsgeschichte
Adnan Sefić repariert hier seit sechs Jahren mit seinem Team Autos und andere Fahrzeuge. Für ihn ist es etwas Besonderes, in einem Haus mit so langer Tradition zu arbeiten. "Ich habe nicht vor, etwas zu verändern", sagt Sefić.

Und das dürften viele Münchner sehr gut finden. Wie erhaltenswert dieser Ort ist, das wird neuerdings sogar ganz offiziell gewürdigt. Er steht jetzt unter Denkmalschutz. Baudenkmäler sind nach dem Bayerischen Denkmalschutzgesetz "Sachen oder Teile davon aus vergangener Zeit, deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, städtebaulichen, wissenschaftlichen oder volkskundlichen Bedeutung im Interesse der Allgemeinheit liegt". Welche Gebäude diesen Schutz erhalten, entscheidet das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege (BLfD).
Im Fall der Tankstelle in Laim treffen zwei Kriterien zu: ihre geschichtliche und künstlerische Bedeutung. Der eingeschossige Flachbau mit seinem weit auskragenden Vordach und den abgerundeten Ecken sei ein "sehr frühes Beispiel einer Tankstelle", heißt es vom BLfD.
Vom Fahrradladen zur Tankstelle
Schon 1918 war an dieser Adresse die Werkstätte der Familie Wols eingetragen. Hier wurden Fahrräder repariert – und vermutlich auch motorisierte Zweiräder mit Treibstoff versorgt. 1929 beantragte Georg Wols offiziell eine Zapfstelle bei der Lokalbaukommission. Wahrscheinlich existierte sie zu diesem Zeitpunkt bereits seit einigen Jahren. 1930 baute die Firma Wols eine moderne Dapolin-Doppelpumpanlage ein. Sie pumpte den Treibstoff direkt aus den Lagertanks in die Fahrzeuge und erhöhte damit die Sicherheit deutlich.
1935/36 entstand das Werkstatt- und Tankstellengebäude, das bis heute weitgehend erhalten ist. Architekt Oskar Popp setzte auf klare, moderne Formen: ein verputzter Kubus, große Fensterflächen und ein Flachdach. Auffällig ist, dass diese sachliche Architektur auch nach 1933 möglich blieb. Während viele öffentliche Gebäude zunehmend pompös wirkten, blieben Tankstellen und andere Verkehrsbauten modern. Sie sollten Fortschritt zeigen, so das BLfD.
Die Entwicklung Laims
In den 1950er-Jahren passte das Baugeschäft Peteranderl das Gebäude dem Zeitgeist an. Die Ecken wurden abgerundet, ein gerundetes Fensterelement eingebaut und das gerade Vordach durch ein weit ausschwingendes Tankstellendach über einer Mittelstütze ersetzt. Die Gestaltung orientierte sich am Stromlinien-Design der Autos – modern, dynamisch, elegant. Besonders lobt das BLfD die überzeugende Verbindung der beiden Bauphasen. Diese falle erst "bei intensiver Befassung mit dem Objekt" auf.
Auch der Standort spielte für den Denkmalschutz eine Rolle. Obwohl die Tankstelle in einer kleinen Seitenstraße liegt, war sie von der stark ausgebauten Agnes-Bernauer-Straße aus gut sichtbar. Dort fuhr seit 1908 die Straßenbahn vom Westend nach Pasing. Rundherum entstanden Wohnhäuser gemeinnütziger Baugesellschaften. Das Gebäude zeigt damit auch, wie Laim dichter wurde und wie das Auto den Alltag prägte – bis in die 1950er-Jahre.
Eine ganz wichtige Ecke im Viertel
Im Laimer Bezirksausschuss zeigt man sich "sehr erfreut", sagt Vorsitzender Josef Mögele (SPD). "Das ist eine ganz wichtige Ecke im Viertel." Rund um die Lutzstraße stehen bereits mehrere Gebäude unter Denkmalschutz, darunter die Kirche St. Ulrich und einige Wohnhäuser. Es sei "wegweisend", dass man hier an einem Straßenzug sehen könne, wie der alte Laimer Ortskern einmal aussah.