Preise zum Ohrenschlackern: Absurde Übernachtungsangebote zur Wiesn

Die gute Nachricht für auswärtige Wiesngäste: Drei Wochen vor dem Start ins Oktoberfestspektakel am 20. September gibt es noch Zimmer in München. Sogar fürs erste Wiesnwochenende. Und sogar für münchen-typische Übernachtungspreise von 120 bis 200 Euro pro Person und Nacht. Die nicht so gute, aber auch nicht überraschende: Viele Münchnerinnen und Münchner nutzen die 16 Wiesntage bis 5. Oktober, um sich mit privaten Zimmervermietungen in ihren Wohnungen einen Batzen Extrageld zu verdienen. Mit Preisen zum Ohrenschlackern.
Ein schönes Beispiel: Ein Paar funktioniert sein 30-Quadratmeter-Wohnzimmer mit Balkon nahe der Theresienwiese zum Schlafsaal für sechs Personen um. Dafür haben die Anbieter sechs Gäste-Luftmatratzen im Raum verteilt – und einen Kühlschrank reingestellt, die Küche ist nämlich tabu. "Hi. Wir stellen unser schönes Wohnzimmer zur Verfügung", schreiben sie auf der Vermietplattform Airbnb. Man werde die Anbieter selbst kaum sehen, "da wir im hinteren Teil des Apartments (110 qm) wohnen".

So wird ein Wohnzimmer zum Schlafsaal – für 920 Euro die Nacht
Das kostet am ersten Wiesn-Samstag und auch am Italiener-Wochenende für einen Einzelgast pro Nacht 440 Euro (eine zweite Person darf ohne Aufschlag mitkommen). Drei Luftmatratzen kosten 560 Euro. Wer zu sechst als Gruppe anreist, mietet das Wohnzimmer pro Nacht für 920 Euro. Unter der Woche kann man das ganze Wohnzimmer quasi zum Schnäppchenpreis haben: für 799 Euro pro Nacht. So können über die zwei Wiesnwochen schon mal über 10.000 Euro an Einnahmen zusammenkommen – falls sich täglich Gäste finden.
Ebenfalls 400 Euro die Nacht nimmt eine Anbieterin für ein WG-Zimmer zwischen Wiesn und Hauptbahnhof, egal, ob man allein oder zu zweit anreist. Mit Reinigung und Servicegebühr landet man allerdings bei 502 Euro. Günstiger wird es zu dritt, da zahlt man dann 619 Euro.

"Wir schlafen in einem Raum, das Sofa ist für dich"
Viel günstiger, geht es, wenn man sich mit einem Privatanbieter sein einziges Zimmer teilen mag – und neben dem Bett des Bewohners auf dem Sofa schläft. Wie bei diesem Angebot nahe Harras für 120,30 Euro die Nacht: "In meiner 1-Zimmer-Wohnung ist nicht viel Platz, aber die Lage ist für die Wiesn sehr attraktiv. Wir schlafen in einem Raum, aber du hast die Couch komplett für dich“, erklärt die Anbieterin auf Airbnb. Das erste Wiesn-Wochenende ist noch zu haben."
Ein Stückerl weiter weg von der Theresienwiese, in Milbertshofen, wird richtig hingelangt – allerdings nicht von einer Privatperson, sondern von einer Vermietfirma: Dort kann ein Einzelgast am Italienerwochenende pro Nacht für 700 Euro schlafen (der Preis fürs Zimmer gilt auch für zwei Menschen). Einen anwesenden Gastgeber gibt es wohl nicht, man kommt über einen Türschloss-Code ins Haus.

Auch auf "Booking.com" und "Kleinanzeigen" finden sich noch reichlich Angebote von Privatvermietern. Für wie viele Nächte genau die 1500 Euro Miete "in der Oktoberfestzeit" gelten? Da bleibt der Anbieter auf "Kleinanzeigen" unklar, Fotos gibt es auch keine. Man erfährt nur: Das Apartment mit Bad hat 33 Quadratmeter, Waschmaschine, Trockner und Balkon und liegt am Harras. Nähme man 16 Wiesn-Nächte an, wäre das mit unter 100 Euro die Nacht fast erschwinglich.
Frecher ist da schon das nächste Angebot, diesmal aus Dachau: 2900 Euro ruft ein Privatmensch fürs Überlassen eines möblierten WG-Zimmers in seiner Wohnung "für die Oktoberfestzeit" auf, "Waschmaschine und Küche kann gerne natürlich mitbenutzt werden." Fürs halbe Geld könnte man in Sendling ein WG-Zimmer in einer Dreier-Wohngemeinschaft beziehen, wenn man schon am Montag vor dem Wiesnstart für zwei Wochen anreisen wollte: "15. bis 30. September, Pauschalmiete 1300 Euro", heißt es da.

Man könnte für 1200 Euro die Nacht (zu zweit ohne Kinder) natürlich auch eine ganze 350-Quadratmeter-Villa in Solln mieten, mit Kronleuchtern, güldenen Wasserhähnen und Pavillon im lauschigen Garten. Ideal für eine ruhige Luxus-Auszeit zu zweit. Wenn man nicht eigentlich auf die Wiesn wollte.