Abschiedsbriefe gefunden: Vater plante Mord am Sohn (4)

Der 42-jährige Vater war Sportschütze und hat die Tatwaffe legal besessen. Sein Tatmotiv ist unklar. Er lebte seit kurzem in Trennung von der Mutter des Vierjährigen.
| Hüseyin Ince
X
Sie haben den Artikel der Merkliste hinzugefügt.
zur Merkliste
Merken
1 – Artikel empfehlen
Eine Straße in Waldtrudering in der Nähe des Tatorts, wo der 42-Jährige seinem Sohn und sich selbst das Leben genommen hat.
Eine Straße in Waldtrudering in der Nähe des Tatorts, wo der 42-Jährige seinem Sohn und sich selbst das Leben genommen hat. © Daniel von Loeper

München - Eine gescheiterte Ehe, Patronenhülsen, Abschiedsbriefe, ein Zettel mit Abfahrtszeitpunkt, ein Zettel mit der Skizze des Tatorts, ein Waffenschrank, eine Patientenverfügung: Nach dem gewaltsamen Tod eines Vaters und seines vierjährigen Sohnes am Sonntagmorgen kann die Polizei nun ziemlich sicher ausschließen, dass eine dritte Person in die Tat verwickelt ist.

 

Mordkommission: Elektriker soll Sohn und sich erschossen haben

Alles deutet laut den Ermittlern der Mordkommission darauf hin, dass der 42-jährige Elektriker aus München zunächst seinen leiblichen Sohn erschossen hat und danach die Waffe gegen sich selbst richtete.

Lesen Sie auch

Ein Jogger hatte Vater und Sohn am Sonntagmorgen gegen neun Uhr leblos am Waldrand von Waldtrudering aufgefunden.

Sohn (4) Wiederbelebungsmaßnahmen scheiterten 

Die herbeigeeilten Einsatzkräfte, Feuerwehr, Notarzt sowie Kinder-Notarzt, konnten beim Vater nur noch den Tod feststellen. Beim Vierjährigen hatten sie laut Polizei noch Hoffnung, leiteten Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Vergeblich.

Fundort der Toten in der Nähe der Waldtruderinger Mariengrotte.
Fundort der Toten in der Nähe der Waldtruderinger Mariengrotte. © Daniel von Loeper

War eine Lebenskrise das Motiv der Bluttat?

Das Motiv der Bluttat ist möglicherweise eine heftige Lebenskrise des Mannes nach der Trennung von seiner Ehefrau. Psychologische Vorerkrankungen seien laut den Beamten derzeit nicht bekannt.

Der berufstätige Vater war offenbar ein unbescholtener Mann, der sich gerade zum Elektriker-Meister weiterbilden ließ. Keine Drogen, keine Strafen: Polizeibekannt ist er nicht gewesen.

Tatablauf wohl "akribisch geplant": Briefe aufgetaucht

Spuren, die auf einen anderen Tathergang deuten als Mord und Selbstmord, gebe es derzeit nicht. Es sieht eher so aus, als ob der Mann nichts dem Zufall überlassen wollte und den Tatablauf äußerst "akribisch geplant hat", sagt Stephan Beer, Leiter der Münchner Mordkommission.

"Bei einer Durchsuchung in der Wohnung des 42-Jährigen wurden bis zu zehn Abschiedsbriefe gefunden", sagt Beer. Sie waren unter anderem gerichtet an die eigene Mutter, die Mutter seines Sohnes und an die Nachbarin.

Auch der Tatzeitpunkt konnte inzwischen genauer eingegrenzt werden. Die Polizei fand Notizen mit dem Abfahrtszeitpunkt. Demnach startete der Vater Sonntagmorgen mit seinem Sohn um 6.30 Uhr in Richtung Waldtrudering. Der 42-Jährige muss also etwa zwischen sieben Uhr und 8.50 Uhr die Waffe gezogen haben.

Der Elektriker war Mitglied in einem Schützenverein

Die Tatwaffe, eine Handfeuerwaffe der österreichischen Marke Glock, stammt laut Polizei aus seinem eigenen, legalen Bestand. Er besitzt offenbar vier registrierte Waffen. Die Tatwaffe wurde am Tatort sichergestellt. Die anderen drei seien in einem Waffenschrank, der mit einem bislang unbekannten Zugangscode abgesperrt ist.

Beide Toten hatten laut Polizei je eine Schussverletzung. Beide Schüsse fielen aus nächster Nähe, aus ein und derselben Waffe. Kurzzeitig könnte irritiert haben, dass die Ermittler am Tatort zunächst nur eine Patronenhülse fanden. Aber bald klärte sich die Sachlage. Die zweite Hülse steckte laut Polizei noch in der Waffe.

Der Vierjährige hatte anscheinend eine pflegeintensive Erkrankung. Ob das bei der Trennung eine Rolle spielte oder nach der Trennung ein Streitpunkt gewesen sein könnte, ist nach derzeitigem Ermittlungsstand unklar.

Hinterbliebenen werden psychologisch betreut

Die Hinterbliebenen, Mutter und Großmutter des Vierjährigen, werden psychologisch betreut. Der Elektriker und seine Ehefrau hatten sich vor einigen Monaten getrennt. Der gemeinsame vierjährige Sohn war regelmäßig am Wochenende beim Vater. Darauf hatte sich das Paar geeinigt. Die Mutter erwartete den Buben eigentlich am Sonntagabend zurück.


Anmerkung der Redaktion: In der Regel berichtet die AZ nicht über Selbsttötungen – es sei denn, die Tat erfährt durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit. Suizidgedanken sind häufig eine Folge psychischer Erkrankungen. Letztere können mit professioneller Hilfe gelindert und geheilt werden. Wer Hilfe sucht, auch als Angehöriger, findet sie bei der Telefonseelsorge: 0800–111 0 111 und 0800–111 0 222. Die Berater sind rund um die Uhr erreichbar, jeder Anruf ist kostenlos. Aufgrund der Thematik haben wir die Kommentarfunktion für diesen Artikel nachträglich deaktiviert.

Lädt
Anmelden oder registrieren

Zum Login
Zu meinen Themen hinzufügen

Hinzufügen
Sie haben bereits von 15 Themen gewählt

Bearbeiten
Sie verfolgen dieses Thema bereits

Entfernen
Um "Meine AZ" nutzen zu können, müssen Sie der Datenspeicherung zustimmen.

Zustimmen
Teilen 1 – Artikel empfehlen