Ab Mai wird‘s mühsam auf U3 und U6: Riesenbaustelle mit Pausen
Am 18. Mai geht es los an den ziemlich in die Jahre gekommenen und maroden U-Bahnhöfen Poccistraße und Goetheplatz (U3 und U6).
Seit Jahren schon überwacht die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) mit Sensoren die Statik an der Poccistraße. „Da entgeht uns nichts“, sagt Jan Ebering, der Leiter Verkehrsinfrastruktur der MVG.

"Kein weiterer Aufschub mehr möglich": Die Zeit drängt an der Poccistraße
Drastisch ist es dennoch. Er vergleicht die Situation mit der Carolabrücke in Dresden, die im September 2024 plötzlich einstürzte. Es sei „kein weiterer Aufschub mehr möglich“ bei den Sanierungsarbeiten. Der Spannbeton der Bahnsteigdecke ist korrodiert, an den Spanndrähten bilden sich Risse.

Es sind jetzt schon sieben massive Stahlträger verbaut, die das Gewölbe sichern (s. Bild oben), weitere sollen dazukommen. Im gleichen Zug werden auch der Brandschutz verbessert und die Decke und die Wände von Schadstoff befreit und betonsaniert. Danach wird vor allem Sichtbeton das Bild des Bahnsteigs prägen.

Am südlichen Bahnhofsende werden außerdem drei Rolltreppen ausgetauscht, es gibt neue Sitze und Vitrinen. Und auch die Barrierefreiheit wird verbessert: Die Rollstuhlrampen kommen weg, dafür wird der Bahnsteig fünf Zentimeter angehoben.

Goetheplatz: Betonsanierung und Brandschutz
Am Goetheplatz stehen die Betonsanierung und der Brandschutz im Zentrum. Mit einem Hochdruckwasserstrahl werden je nachdem zwischen fünf und zehn Zentimeter Beton abgetragen. Man könne sich das in etwa vorstellen „wie ein sehr leistungsstarker Kärcher“, sagt Philip Schmidt von der MVG. Der Bahnsteig wird auch neu beleuchtet. Erhalten bleiben sollen die grünen Fliesen an den Säulen.
Dem Taubenproblem will die MVG am Goetheplatz mit neuen Deckenelementen beikommen, damit sie keine Nistplätze mehr haben. Zur neuen Deckenverkleidung gehören auch neue Beleuchtungselemente.

Die Sanierungsmaßnahmen an den beiden U-Bahnhöfen sind sehr umfassend, darum hat sich die MVG vorgenommen, sie in drei Etappen zu bewältigen. Dazwischen fahren die U-Bahnen regulär.
Die erste Etappe startet am 18. Mai und dauert bis zum Freitag, 18. September, also einen Tag vor der Wiesn. Da darf es zu keinen Verzögerungen kommen: „Wir sind der festen Überzeugung, dass der Plan eingehalten werden kann“, sagt Jan Ebering dazu.

Drei Baustellenphasen: Wie Ersatzbusse fahren
In dieser ersten Phase fährt zwischen Implerstraße (über Poccistraße - Goetheplatz) und Sendlinger Tor zum einen der Ersatzbus U6. Zusätzlich fährt der Ersatzbus X6 zwischen Implerstraße (über Poccistraße - Goetheplatz) direkt zum Hauptbahnhof. Es kommen so alle 90 Sekunden ein Bus an. „Ein sehr dichter Takt“, findet Matthias Korte, Leiter Mobilitätsmanagement bei der MVG. 27 Busse sind im Einsatz und 60 Fahrer. Die U3 und die U6 fahren auf den verbleibenden Abschnitten in langsamerem Takt. Wer auf die Linien angewiesen ist, ob für die Fahrt zum Klinikum Großhadern, zum Tierpark oder auch nach Fröttmaning, wird aber davon massiv betroffen sein.
Nach der Wiesn, also am 5. Oktober, geht es weiter mit Phase 2, die dauert bis zum 27. November. Während dieser Bauphase fährt ein Pendelzug zwischen Implerstraße und Goetheplatz. Zusätzlich fahren der Ersatzbus U6 und Ersatzbus X6.
Dann gibt es eine Advents-/Winterpause und am 12. April startet die dritte Bauphase , die dauert voraussichtlich bis 1. August. Da fahren wieder die gleichen Ersatzbusse wie in Phase 1. Obendrauf gibt es noch eine „idiotensichere Wegleitung“, wie Korte es nennt. Und die MVG hat sich vorgenommen, immer wieder zu berichten, ob man im Zeitplan ist.
Für die Baustellengeplagten U-Bahn-Nutzer südlich des Sendlinger Tors hat Ebering eine gute Nachricht: Mindestens für fünf Jahre soll es danach keine Bauarbeiten mehr geben. Stattdessen wanderten die Baustellen „Stück für Stück nach Norden“, so Ebering.
Was das alles kostet – und wer zahlt
Insgesamt rund 62 Millionen Euro soll die Sanierung der beiden U-Bahnhöfe am Ende kosten. Laut der Vorlage, die der Stadtrat am Mittwoch in der Vollversammlung diskutiert hat, trägt die Stadt dazu 23,5 Millionen Euro bei.
Bisher waren nur rund 14 Millionen Euro vorgesehen. Nun hat der Stadtrat beschlossen, die zusätzlich benötigten 9,3 Millionen Euro für die Sanierung aus der Stellplatzablöse beizusteuern. Das sind Gelder, die Bauherren an die Stadt zahlen, wenn sie bei Neubauten nicht ausreichend Parkplätze mit einplanen können.
Die Gelder aus dieser Stellplatzablöse fließen in den Ausbau von Parkhäusern und in den öffentlichen Nahverkehr. Den Rest der Kosten tragen die Stadtwerke und die MVG.
Was übrigens auch aus der Stadtratsvorlage hervorgeht und was die Arbeiten sicher nicht erleichtert: Die Deutsche Bahn saniert gleichzeitig die Brücke über die Lindwurmstraße, das erfordert also zusätzliche Abstimmung für die verantwortlichen Baufirmen.
Ebenfalls geplant sind die weiteren Baumaßnahmen der Stadt an einem weiteren Abschnitt an den Fuß- und Radwegen der Lindwurmstraße. Die werden aber laut der Vorlage "voraussichtlich auf 2027 verschoben."
Aktuelle Infos und Standorte der Ersatzhaltestellen: mvg.de/pocci

